Corona

Booster-Impfung – wer in Hamburg jetzt drankommt

| Lesedauer: 4 Minuten
Elisabeth Jessen
Derzeit erhalten betagte Menschen und solche mit Immunschwäche in Hamburg ihre dritte Dosis Corona-Impfstoff.

Derzeit erhalten betagte Menschen und solche mit Immunschwäche in Hamburg ihre dritte Dosis Corona-Impfstoff.

Foto: Jens Büttner / dpa

Auch für die dritte Spritze gegen das Coronavirus gibt es eine Priorisierung. Das Abendblatt beantwortet die wichtigsten Fragen.

Hamburg.  Etwa 10.000 Hamburgerinnen und Hamburger haben bereits eine Corona-Auffrischungsimpfung (Booster) bekommen, also eine weitere Spritze mit einem mRNA-Impfstoff. Bereits im September hatte die Ständige Impfkommission (Stiko) Personen mit einer Immunschwäche etwa sechs Monate nach einer Covid-19-Grundimmunisierung eine zusätzliche Impfstoffdosis empfohlen.

Am Montag hat nun die Europäische Arzneimittelbehörde EMA grünes Licht für Auffrischungsimpfungen mit Biontech oder Moderna gegeben. Eine Booster-Impfung mit dem Vakzin komme für Menschen ab 18 Jahren in Betracht, erklärte die EMA. Die Drittimpfung soll demnach frühestens sechs Monate nach Verabreichung der zweiten Dosis erfolgen, für Menschen mit „stark geschwächten Immunsystemen“ frühestens 28 Tage nach der zweiten Impfdosis.

Ergeben sich nun dadurch grundlegenden Änderungen?

„Faktisch ändert sich erst einmal nichts. Für jede Hamburgerin und jeden Hamburger, der sich fragt ,Kann oder soll ich zum Arzt gehen und mich nachimpfen lassen?’ ist die Antwort im Moment: eher nein“, sagt Martin Helfrich­, Sprecher der Hamburger Gesundheitsbehörde. „Es kommt im Moment eher nur für Menschen infrage, die einschlägig vorerkrankt sind, zum Beispiel für Menschen in Pflegeeinrichtungen, bei denen wir davon ausgehen müssen, dass sie sowohl hochaltrig als auch vorerkrankt sind. Für die bieten wir die Auffrischungsimpfungen jetzt laufend an – Einrichtung für Einrichtung.“

Bekomme ich eine Auffrischungs­impfung, wenn ich zu einem der städtischen Impfangebote gehe, wo Erst- und Zweitimpfungen verabreicht werden?

„Die Ärzte der städtischen Impfteams richten sich nach der Stiko-Empfehlung, weil das auch für haftungsrechtliche Fragen bei Ärzten die entscheidende Richt­inie ist“, sagt Helfrich.


Wie sieht es in Arztpraxen aus?

„Patientinnen und Patienten, die über eine Booster-Impfung nachdenken, sollten sich vertrauensvoll an ihren Arzt bzw. ihre Ärztin wenden. Hier sollte gemeinsam entschieden werden, ob eine Booster-Impfung indiziert und sinnvoll ist“, sagt Jochen Kriens, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hamburg.

Ist es ratsam, die Grippeimpfung mit der Corona-Auffrischungsimpfung zu bekommen?

„Diese Frage ist mit der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt zu klären“, sagt Jochen Kriens von der KV. Die städtischen Impfteams, die Pflegeheime aufsuchen, machen laut Martin Helfrich nur Angebote für die Corona-Auffrischungsimpfung. Grippeimpfungen übernähmen Heimärzte oder betreuende Ärzte der Bewohner.

Was ist mit Betagten, die zu Hause leben und bei ihrem Hausarzt beide Impfungen (gegen Grippe und Corona) bekommen möchten?

Dagegen spreche nichts, sagt Martin Helfrich­.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Warum eine Drittimpfung?

Ein Expertengremium der EMA habe Daten für den Biontech-Impfstoff Comirnaty ausgewertet, erklärte die EMA am Montag. Dabei habe sich gezeigt, dass der Antikörperspiegel bei einer Drittimpfung steige. Empfehlungen zur Verabreichung der Auffrischungsimpfungen würden von den Gesundheitsbehörden auf nationaler Ebene ausgegeben. Bei stark immungeschwächten Menschen kommt es laut EMA vor, dass nach zwei Impfungen nicht genügend Antikörper gegen das Coronavirus produziert werden. Es gebe zwar keine „direkten Belege“ dafür, dass die Fähigkeit zur Produktion von Antikörpern die betroffenen Patienten gegen Covid-19 schütze, unterstrich die EMA. „Es wird jedoch erwartet, dass die zusätzliche Dosis den Schutz zumindest für einige der Patienten erhöhen würde.“

Sind Nebenwirkungen der Auffrischungsimpfung bekannt?

Die EMA betont, dass das Risiko von entzündlichen Herzerkrankungen sowie anderen sehr seltenen Nebenwirkungen nach einer Booster-Impfung noch nicht bekannt sei. Dies würde „sorgfältig beobachtet“. Myokarditis, eine Entzündung des Herzmuskels, ist eine sehr seltene Nebenwirkung des Biontech-Impfstoffs. Sie trat vor allem bei jungen Männern auf.

Wie viele Hamburger sind bereits geimpft?

In Hamburg wurden laut Gesundheitsbehörde mehr als 2,54 Millionen Impfungen verabreicht. 82 Prozent derjenigen, für die eine Corona-Impfung aufgrund der Zulassung für Personen ab zwölf Jahren infrage kommt, haben bereits mindestens eine Impfung erhalten. Das entspricht einem Anteil von rund 72,1 Prozent der Bevölkerung in Hamburg.

Wo kann man jetzt seine Erst- oder Zweitimpfung bekommen?

Das ist 900 Arztpraxen möglich. Zusätzlich werden durch mobile Impfteams der Stadt dezentrale Impfangebote an vielen Orten gemacht (Übersicht auf www.hamburg.de/corona-impfstationen). Auch an zehn Krankenhausstandorten wurden Impfstellen eingerichtet. Eine Terminbuchung ist nötig – online oder unter 040/428 28 40 00). Am Freitag ist vor dem WM-Qualifikationsspiel Deutschland – Rumänien ein Impfbus am Volksparkstadion im Einsatz.

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