Bundestagswahl Hamburg

SPD-Wahlparty im Mojo Club: „Olaf, Olaf“ skandiert die Menge

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Jubel im Mojo Club, als auf einem Bildschirm die ersten Zahlen bekanntgegeben werden. Gejubelt wurde unter 2G-Bedingungen.

Jubel im Mojo Club, als auf einem Bildschirm die ersten Zahlen bekanntgegeben werden. Gejubelt wurde unter 2G-Bedingungen.

Foto: Jonas Walzberg / picture alliance/dpa

Jubel bei den Gästen in Hamburg, als der frühere Bürgermeister in Berlin auftritt. Die SPD möchte fünf Wahlkreise verteidigen.

Hamburg. Es ist wenige Minuten vor 18 Uhr. Im großen Rund des Mojo Clubs haben sich schon Hunderte Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten versammelt. Ohne Masken – unter 2G-Bedingungen – fiebern sie den ersten Prognosen entgegen. Zwar ist kein Champagner kalt gestellt, aber doch jede Menge Bier.

Kann die SPD so stark abschneiden wie es die Umfragen erwarten lassen und zum zweiten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik einen Hamburger zum Kanzler machen? Oder landet sie nach dem Höhenflug der vergangenen Wochen doch noch auf dem zweiten Platz? Alles andere als ein klarer Sieg der SPD wäre eine Enttäuschung.

Bundestagswahl: SPD stellt sich auf lange Nacht ein

Kurz darauf zählt die Menge die Sekunden bis zur Schließung der Wahllokale herunter. Als um kurz nach sechs Uhr auf dem großen Bildschirm die roten Zahlen nach oben steigen, bricht der obligatorische Jubel aus. Dutzende Kameras fangen ihn ein. Doch im nächsten Moment legt sich manche Stirn in Falten, viele Genossen tauschen vielsagende Blicke aus. Sie wissen: Dieses dürfte eine lange Wahlnacht werden.

Staatsrat Andreas Rieckhoff (SPD) hatte auf einen von vornherein deutlicheren Vorsprung der SPD gehofft, als es die ersten Hochrechnungen zeigen. Er glaubt: „In bestimmten Milieus hat die Kampagne von Christdemokraten und Liberalen gegen Rot-Rot-Grün verfangen.“ Rieckhoff plädiert für eine Ampel-Koalition, wenn es für Rot-Grün allein nicht reicht.

Der Friseur von Olaf Scholz fiebert im Mojo Club mit

Landes-Parteivorsitzende Melanie Leonhard hatte den versammelten Genossinnen und Genossen kurz vor 18 Uhr zugerufen: „Ihr dürft stolz auf Euch sein, wir kommen von 13 Prozent!“ Auch Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt spricht von einem großen Erfolg für ihre SPD. Sie hofft auf einen klaren Regierungsauftrag für die Sozialdemokraten.

Der Ottenser Friseur von Olaf Scholz fiebert kräftig mit. Behcet Algan ist in den Mojo Club gekommen, um seinem berühmten Kunden die Daumen zu drücken. „Ein Bundeskanzler Scholz, das ist mein Traum seit 20 Jahren“, erzählt er. Oft habe er mit Scholz darüber gescherzt, der früher immer abgewunken habe, aber nun „kann das Wirklichkeit werden“, sagt Algan. Für Scholz spreche: Er habe die meiste Erfahrung.

SPD feiert in Club an der Reeperbahn

Modern geben sich die Hamburger Sozialdemokraten mit dem Wahl des Ortes für ihre Wahlparty: Der Mojo Club liegt unterhalb der Tanzenden Türmen an der Reeperbahn. Durch zwei große Bodenluken, die von Asphalt aufragen, müssen die Genossinnen und Genossen in den Untergrund steigen. Schon am späten Nachmittag bildeten sich hier lange Schlangen. Der 1989 gegründete Club erlangte einst mit „Electric-Mojo“- und „Dancefloor-Jazz“-Nächten Kultstatus und wurde auch über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt.

Nach der Wiedereröffnung 2013 knüpfte man an die alten Erfolge an. Über dem Rund des Clubs, sonst das Partyvolk die Nächte tanzend und schwitzend zum Tag macht, hängen heute die roten Plakate mit den Konterfeis der Wahlkreis-Kandidaten – und natürlich das von Olaf Scholz.

Jubel in Hamburg bei Auftritt von Olaf Scholz

Als der um kurz nach 19 Uhr im Willy-Brandt-Haus in Berlin auf die Bühne kommt, brandet auch bei den Hamburger Sozialdemokraten Jubel auf. „Olaf, Olaf,“, skandiert die Menge. Seine Ansprache wird immer wieder von Applaus unterbrochen.

Er gab bei dieser Wahl den Ausschlag, glaubt Sebastian Jahnz, Wahlkampfmanager der Hamburger SPD. „Viele Menschen gerade hier in Hamburg kennen ihn und wissen, dass er nicht nur Hamburg, sondern auch Deutschland gut regieren kann“, sagt er. Das Ergebnis seiner Partei sei ein großer Erfolg, „wenn man bedenkt, wo wir von den Umfragen noch Ende Mai herkamen“.

Uneinigkeit bei möglichen Koalitionen

Was künftige mögliche Koalitionen angeht, gehen die Meinungen der Wahlfeiernden auseinander. SPD-Mitglied Fabian Bäcker (25) wünscht sich ein Ampel-Bündnis, weil ihm „der Technologie-Ansatz der FDP gefällt“. Sein zwei Jahre jüngerer Bruder Moritz plädiert für ein rot-rot-grünes Bündnis, ihm sei der soziale Aspekt wichtig, wie er sagt. Allerdings muss die Linke zu diesem Zeitpunkt noch um den Einzug in den Bundestag bangen.

Sowohl FDP wie auch Linke hätten „No-Gos“, von denen sie sich verabschieden müssten“, meint Christine Faltynek, Vorsitzende der SPD-Frauen in Hamburg. Der SPD-Wahlkreiskandidat in Mitte, Falko Droßmann, hat starke Vorbehalte gegen eine Zusammenarbeit mit der Linken. Er habe mit der FDP immer gut zusammengearbeitet. „Da war eine Vereinbarung immer eine Vereinbarung“, sagt er.

Bundestagswahl: SPD will fünf Wahlkreise verteidigen

Für die Sozialdemokraten geht es an diesem Abend darum, die fünf von sechs Wahlkreisen zu verteidigen, die sie 2017 direkt gewannen – oder dieses Ergebnis noch zu übertreffen. Damals bekamen Matthias Bartke (Altona), Niels Annen (Eimsbüttel), Aydan Özoguz (Wandsbek), Metin Hakverdi (Harburg/Bergedorf) sowie Johannes Kahrs (Wahlkreis Mitte) das Ticket nach Berlin.

Für Kahrs rückte die 43 Jahre alte Dorothee Martin nach, die jetzt um das Direktmandat in Hamburg-Nord/Alstertal kämpft. Bezirksamtsleiter Falko Droßmann tritt im Wahlkreis Mitte an.

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