True Fruits

AfD-Smoothies im Supermarkt verkaufen? Edeka weigert sich

| Lesedauer: 3 Minuten
Axel Ritscher
Ganz rechts die Flasche des Anstoßes: Edeka will keinen AfD-Saft von True Fruits ins Sortiment nehmen.

Ganz rechts die Flasche des Anstoßes: Edeka will keinen AfD-Saft von True Fruits ins Sortiment nehmen.

Foto: True Fruits

True Fruits hat seine Smoothies Parteien zugeordnet. Bunte Farben und politische Texte sollen aufklären. Oder provozieren.

Hamburg. Der Smoothie-Hersteller True Fruits liefert sich eine werbewirksame Polit-Schlacht mit der Edeka-Handelsgruppe aus Hamburg. In den Regalen und auf Social Media tobt der Streit um die Getränke mit AfD-Beschriftung.

Der Hersteller True Fruits hält es für eine gute Idee, die vitaminhaltigen Getränke zur Bundestagswahl nicht nur in wasserdichten, sondern auch in umfänglich bedruckten Flaschen zu verkaufen. Auf den ebenso vitaminhaltigen wie süßen Getränken prangen Parteinamen und Kleingedrucktes – Auszüge aus den politischen Programmen der jeweiligen Partei. Und das will Edeka nicht hinnehmen.

True Fruits: Edeka gegen AfD-Smoothies

Zwar stießen die Aufdrucke mit Beiträgen von CDU, SPD, Grünen, FDP und auch der Linken auf Nachsicht, doch die Pullen mit AfD-Aufdruck wollen die Lebensmittler aus Leidenschaft in ihren Läden nicht haben. Die AfD-Flaschen werden zurückgeschickt, bestätigte die Edeka-Zentrale dem Abendblatt. "Wir haben die Flaschen nicht bestellt."

Begleitet wird die Ablehnung der politischen Säfte von einem Facebook-Post des Lebensmittlers: "Rechts ist bei uns kein Platz im Regal." Zurückgeschickt werden nur die AfD-Smoothies.

True Fruits reagiert bei Instagram auf Edeka-Post

True Fruits erklärte seinerseits auf Instagram und unter Zuhilfenahme von Fäkalsprache, die AfD ebenfalls gering zu schätzen, im Namen der Aufklärung aber die Schriften selbst der ungeliebten Rechtspartei verbreiten zu wollen. Die Information des Wahlvolks sei wichtiger als "peinliches social Signaling". Edeka ging trotz Nachfrage nicht darauf ein und ließ lediglich verlauten, man stehe für Vielfalt, Toleranz und eine offene Gesellschaft.

Qualität und Geschmack der altdeutsch Säfte genannten Getränke sind über der Verpackungsfrage in den Hintergrund getreten. Auch die Farbgebung der Smoothies ist noch nicht ausgedeutet. Während die SPD-Pullen in kraftvollem Rot und grüne Smoothies in grüner Färbung mit Grünen-Texten im Rahmen konventioneller Erwartungen bleiben, überraschen die Flaschen der Linken mit einer zartrosa Färbung. Darin könnte eine Verharmlosung extremer Kräfte gesehen werden.

True Fruits irritiert mit AfD-Smoothies – auch Edeka

Auch scheint die CDU-Flasche mit ihrem ebenfalls pastelligen Rosa-Ton den Bereich der Irreführung wenigstens zu streifen. Dass der FDP das klassisch für die Eifersucht stehende Gelb zugedacht ist, mag in der Tradition der Liberalen begründet liegen. Aber der AfD unter offensichtlicher Verwechslungsgefahr das nahezu gleiche Gelb zuzuteilen kann sicher nur unter Rückgriff auf sachfremde Umsatzüberlegungen erklärt werden.

Denn ein dunkelbraun eingefärbter Smoothie wäre sicher auch links im Regal nur schwer zu veräußern. Der Konsument verderblicher Waren würde unweigerlich Fäulnis und Verwesung vermuten und lieber zu konkurrierenden Säften greifen. Womit die selbsternannten AfD-Gegner von True Fruits erklären müssten, warum sie denn nicht durch eine ebenso sachgerechte wie aufklärerische Farbgebung dafür sorgen möchten, dass die AfD auch in der Saftfrage ein Ladenhüter bleibt.

True Fruits: AfD-Smoothie schmeckt Edeka nicht

Die Antwort dürfte allerdings auf der Hand liegen. Wer die Flaschen nicht kauft, kann nicht in Ruhe lesen. Und die Aufklärung entfaltet ihre volle und sinnliche Nachhaltigkeit sicher erst dann, wenn der Kunde das Gesöff auch schluckt. Womit sich die nächste Frage anschließt: Sieht der AfD-Smoothie nur gut aus, schmeckt aber, um seine aufklärende Wirkung nicht zu verfehlen, eher bescheiden?

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