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Neue U 5 in Hamburg: Keine Fahrer, Züge alle 90 Sekunden

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Der HVV schließt bald die neue U5 mit ein – Hamburgs neue U-Bahn fährt führerlos. Auch das UKE erhält eine Haltestelle im Norden des Klinikgeländes.

Der HVV schließt bald die neue U5 mit ein – Hamburgs neue U-Bahn fährt führerlos. Auch das UKE erhält eine Haltestelle im Norden des Klinikgeländes.

Foto: Hochbahn AG

Kürzere Fahrzeiten sprechen für geplante U-Bahn von Bramfeld über City und UKE zum Volkspark. U 5 hat zwei gravierende Nachteile.

Hamburg. Welch einen Unterschied doch eine kleine Kurve machen kann: Weil die Hamburger Hochbahn ihre Planungen zur neuen U-Bahn-Linie U5 etwas verändert hat, werden gleich Zehntausende Fahrgäste mehr erwartet für die Strecke und ihre bis zu 20 Meter tiefen Haltestellen als ursprünglich gedacht. Dabei geht es vorrangig um den westlichen Teil der U5 entlang von Grindelallee und Hoheluftchaussee Richtung Lokstedt. Der Schlenker von der Gärtnerstraße in Hoheluft zur neuen Haltestelle auf dem Gelände des UKE und weiter zum Siemersplatz/Behrmannplatz hat Auswirkungen auf alle Prognosen, wie Hochbahn-Vorstandschef Henrik Falk und Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) am Donnerstag erklärten.

Tjarks sprach vom „Nutzen der U5 für die ganze Stadt“ und einer „höheren Erschließungswirkung nicht nur für die, die an der U5 wohnen“. 30.000 Fahrgäste mehr als bislang angenommen bringe unter anderem die direkte Einbeziehung des UKE.

U-Bahn-Linie U5: 500.000 Ein- und Ausstiege am Tag

270.000 Menschen sollen jeden Tag die U5 nutzen und dabei 500.000 Ein-, Aus- und Umstiege haben. Wie bereits berichtet, wird das Uniklinikum in den kommenden Jahren massiv wachsen und in der Medizin-Metropole Hamburg seine Position weiter stärken. Dieser Zukunftsplan UKE 2050 geht einher mit Wachstum bei der Krankenversorgung sowie in Forschung und Lehre.

Wachstum gibt es auch „nebenan“ bei Nivea-Hersteller Beiersdorf, der seine Zentrale verlegen wird. Das Unternehmen und seine Mitarbeiter würden durch die U5-Haltestelle Gärtnerstraße und ihren Zugang von der Troplowitzstraße profitieren.

Das ist die Strecke

So viel Fahrzeit spart die U5

Hochbahn-Chef Falk sprach von einer enormen „Netzwirkung“ der U5, was sich an deutlich verkürzten Fahrzeiten zeige: von Steilshoop zur Universität in 22 statt 37 Minuten, von Allermöhe zum UKE in 30 statt 42 Minuten. Die führerlose U-Bahn wird alle 90 Sekunden fahren können. Die Länge der Züge ist flexibel. Falk sagte: „Das kann ohne Fahrplan funktionieren. Sie gehen hin und wissen, es kommt was.“

Die Hochbahn schätzt, dass durch die U5 45.000 „Personenfahrten“ pro Tag mit dem Auto eingespart werden. Die genaue Zahl der Umsteiger vom Auto auf die Schiene lässt sich noch nicht absehen. Der Hochbahn-Chef sagte: „Die Reisezeit ist eines der wesentlichsten Entscheidungskriterien, um vom eigenen Auto auf den ÖPNV umzusteigen. Mit der U5 ist es kein Verlust, das Auto stehen zu lassen, sondern ein Gewinn.“

Haltestellen: Baustellen über Jahre

Wie lange der Bau der rund 25 Kilometer langen Strecke dauert, ist ungewiss, die Kosten ebenso. Der Bund soll große Teile des Multi-Milliarden-Projektes finanziell schultern. Bis „Ende der 2030-erJahre“ soll die U5 auf der kompletten Strecke rollen. Der Bereichsleiter U-Bahnneubau der Hochbahn, Klaus Uphoff, glaubt, dass eine „belastbare Kostenschätzung“ für die gesamte U5 im Sommer 2022 vorliegen könne.

Dass die durch die Corona-Pandemie ausgelöste Homeoffice-Manie eine große Auswirkung auf die U5 habe, glaubt Falk nicht. Man habe bereits jetzt wieder 75 Prozent der Fahrgäste, gemessen am Jahr 2019. Die U5 sei außerdem auf mehr als 100 Jahre ausgelegt. „Wir werden die nachhaltigste U-Bahn bauen, die es jemals gab.“

Doch dazu werden nicht nur Millionen Kubikmeter Hamburger Boden bewegt, sondern durch den Bau, der in diesem Jahr beginnen soll, erhebliche Mengen an CO2 erst ausgestoßen. Zwar wird unterirdisch gebuddelt. Die neuen Haltestellen müssen jedoch mit offenen Baugruben errichtet werden. Da jeder Bahnsteig 125 Meter lang sein wird, kann man sich die Dimension für eine Haltestelle leicht vorstellen.

Klagen gegen die U5?

Sechs bis sieben Jahre dauern die Baumaßnahmen für jeden unterirdischen U5-Stopp. Dass das entlang der geplanten Strecke von Bramfeld über die City Nord, Winterhude, Uhlenhorst bis zum Uni-Viertel und Hoheluft für Verkehrsbehinderungen sorgen wird, ist unstrittig.

Wenn der Planfeststellungsbeschluss für die U5 auf ihrem östlichen Abschnitt kommt, ist mit weiteren Einsprüchen und womöglich Klagen zu rechnen. Nach Abendblatt-Informationen haben sich mehrere U5-Gegner zusammengetan, um gegen das Projekt juristisch vorzugehen. Interessanterweise sind klimaschutzbewegte Bürgerinnen und Bürger darunter. Von den Umweltverbänden ist offenbar kein großer Protest oder gar eine Klage wie bei der Elbvertiefung zu erwarten.

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Das mag auch mit der bisherigen Bürgerbeteiligung zusammenhängen, die die Hochbahn angestoßen hat. Aber die U5-Kritiker bemängeln, dass Hamburg seine ambitionierten Klimaziele aus den Augen verliere. Der über Jahre anhaltende Bau der neuen Strecke werde erhebliche zusätzliche Emissionen mit sich bringen. Das auszugleichen, werde kaum möglich sein.

Wie die Stadtbahn-Befürworter argumentieren

Die Initiative „Elbtram jetzt“ macht sich für die Stadtbahn als Alternative stark. Sie schreibt: „Eine U-Bahn mit ihren teuren Tunnelbauten würde einen Großteil der zur Verfügung stehenden Finanzmittel über Jahrzehnte verschlingen. Sie würde damit alle weiteren Vorhaben blockieren. Deswegen fordern wir ein Baustopp-Moratorium für die U5 und die S32 noch vor Baubeginn. Dafür brauchen wir jetzt eine breite Diskussion in der Stadt zu den anstehenden Großvorhaben. Die Entscheidung, ob ebenerdige Stadtbahneinführung oder U5-Tieftunnelbau, wird die Stadt Hamburg auf Jahrzehnte prägen.“

Mobilität müsse vor dem Hintergrund aller Schadstoff-Emissionen neu gedacht werden. Die Initiative hat alle Bundestagskandidaten der betroffenen Wahlkreise angeschrieben, um sie für die Kosten und die Umweltbilanz zu sensibilisieren. Ob ein Baubeginn aufgehalten werden kann und was ein Verwaltungsgericht zu möglichen Klagen sagen würde, muss sich zeigen.

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