Demonstrationen

Gleise und Nord-Ostsee-Kanal bei Protest blockiert

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dpa
Eine Person springt von einem Kajak in das Fahrwasser des Nord-Ostsee-Kanals.

Eine Person springt von einem Kajak in das Fahrwasser des Nord-Ostsee-Kanals.

Foto: dpa

Sie sind jung und entschlossen: Mehrere Hundert Demonstranten machen ihren Widerstand gegen den Bau eines Terminals für Flüssigerdgas in Brunsbüttel deutlich. Es geht ihnen um mehr als Klimaschutz. Einige Teilnehmer wurden in Gewahrsam genommen.

Brunsbüttel. Bei einer Demonstration gegen ein geplantes Terminal für Flüssigerdgas (LNG) in Brunsbüttel haben Aktivisten am Sonnabend Gleise in einem Industriegebiet besetzt und den Nord-Ostsee-Kanal mit Kanus blockiert. Nach Angaben der Organisatoren des Bündnisses "Ende Gelände" wurden Schienen zu zwei Chemiefirmen auf beiden Seiten des Nord-Ostsee-Kanals besetzt. Mehrere Aktivisten befuhren den Kanal bei Hochdonn (Kreis Dithmarschen) mit Kanus und Kajaks. Der Schiffsverkehr wurde aus Sicherheitsgründen zunächst eingestellt. Am Abend war der Kanal dann wieder frei, wie ein Sprecher der Polizei sagte.

Die Staatsanwaltschaft Itzehoe sieht in der Kanalblockade laut Polizei eine Nötigung. Gegen die Beteiligten seien Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Nach Angaben der Aktivisten wurden 15 Teilnehmer zeitweise in Gewahrsam genommen.

Die Polizei zog am Sonntagnachmittag dennoch ein positives Resümee des bis dahin noch nicht abgeschlossenen Einsatzes rund um die Proteste. Größere Auseinandersetzungen seien ausgeblieben, hieß es. "Die Proteste verliefen in der Gesamtheit vielfältig und friedlich." Gegen zwei Teilnehmer werde wegen Widerstands gegen Polizeibeamte ermittelt.

In Brunsbüttel ist der Bau eines Terminals zum Umschlag von verflüssigtem Erdgas geplant. Die Stadt liegt auf der schleswig-holsteinischen Seite der Elbmündung. Das südliche Ufer gehört zu Niedersachsen. In Brunsbüttel erreicht der Nord-Ostsee-Kanal die Elbe. In der Stadt gibt es mehrere Chemieunternehmen.

Bereits zu Beginn des Aufzugs am Samstagvormittag hatten sich die Demonstranten auf einer Kreuzung niedergelassen und diese einige Zeit blockiert. Die Polizei war mit mehreren Hundert Beamten aus verschiedenen Bundesländern im Einsatz.

Eine Sprecherin von "Ende Gelände" warf dem Werkschutz eines Unternehmens vor, mit Steinen nach den Demonstranten geworfen zu haben. Die Polizei bestätigte am Sonntag den Vorfall und sucht Zeugen.

Rund 2000 Teilnehmer der Proteste hatten bereits vor dem Wochenende ein Zeltlager in einem Park der Stadt aufgebaut. Von dort aus machten sie sich am Samstagmorgen auf den Weg zur Fähre über den Nord-Ostsee-Kanal, der in Brunsbüttel die Elbmündung erreicht. Die Aktionen standen unter dem Motto "Sauberes Gas ist eine dreckige Lüge". Unterstützt wird "Ende Gelände" im Widerstand gegen die Anlage von der Deutschen Umwelthilfe und dem örtlichen "Klimabündnis gegen LNG".

Die Organisationen lehnen den Import von LNG angesichts des Klimawandels ab. Er widerspreche den Klimazielen und dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutz, sagte Constantin Zerger von der Deutschen Umwelthilfe am Freitag. Er kündigte an, die Deutsche Umwelthilfe werde alle rechtlichen Mittel nutzen, um das Projekt zu stoppen. Es wäre angesichts eines zurückgehenden Erdgasbedarfs nicht wirtschaftlich zu betreiben. Die Demonstranten setzen sich auch gegen die Gewinnung von Erdgas mittels Fracking ein. Sie sehen darin eine Zerstörung der Lebensgrundlagen von Menschen in den betroffen Gebieten und eine Fortsetzung des Kolonialismus.

Fracking zur Erdgasgewinnung wird unter anderem in den USA eingesetzt. Dabei wird Wasser - zum Teil mit Chemikalien versetzt - unter hohem Druck in gashaltige Gesteinsschichten gepresst, um Risse zu erzeugen und so das Gas freizusetzen. Fracking steht wegen seiner Auswirkungen auf die Umwelt in der Kritik.

Die Kieler Koalition aus CDU, Grünen und FDP hatte das Projekt LNG-Terminal im Koalitionsvertrag verankert, ein Parteitag der Grünen rückte jedoch später davon ab. Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) sagte, er wünsche sich, dass das Terminal möglichst von vornherein auf grüne Gase wie Wasserstoff ausgerichtet werde.

© dpa-infocom, dpa:210731-99-641752/3

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