Max Liebermann

Kunstspiel: „Ich sehe was, was du nicht siehst“

| Lesedauer: 3 Minuten
Volker Behrens
Max Liebermann wohnte im Sommer 1902 im Hotel Jacob, als er das Bild malte.

Max Liebermann wohnte im Sommer 1902 im Hotel Jacob, als er das Bild malte.

Foto: © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford

Das Kunstspiel zum Mitmachen – jeden Montag im Abendblatt. Heute: „Terrasse im Restaurant Jacob an der Elbe“ von Max Liebermann.

Hamburg. Hell und heiter hat der Maler, Zeichner und Grafiker Max Liebermann (1847–1935) die Terrasse im Restaurant Jacob in Szene gesetzt. Zwischen zwei Baumreihen sieht man die Kinder und Erwachsenen, rechts, den Schiffsverkehr auf der Elbe. Es ist einer der schönsten Orte in Hamburg, das blieb ihm als Augenmensch natürlich nicht verborgen. Lichtdurchflutet ist die Szenerie. Damit hat er sowohl sich als auch dem mehr als 200 Jahre alten Hotel über der Elbe ein Denkmal gesetzt. Das Bild zählt zu der „Sammlung von Bildern aus Hamburg“.

Die „lichte Farbigkeit“ und der „schwungvolle Farbauftrag“ gehörten zu den Markenzeichen des in Berlin geborenen und gestorbenen Künstlers. Er repräsentierte mit seinen Werken den Übergang vom 19. Jahrhundert zur Zeit der Weimarer Republik und gilt als her­ausragender Repräsentant des deutschen Impressionismus.

Wohlhabende Industriellenfamilie

Liebermann stammte aus einer wohlhabenden Industriellenfamilie. Seine Eltern hielten sich mit der Förderung ihres künstlerisch begabten Filius vornehm zurück. Als er 13 Jahre alt war, verbot ihm sein Vater, den Namen Liebermann unter seine Arbeiten zu setzen.

Sein erstes großes Gemälde fertigte er an, als er 25 Jahre alt und noch ein Studierender in Weimar war. Es heißt „Gänserupferinnen“. Obwohl er dafür kaum Anerkennung bekam, konnte er es an den reichen Eisenbahn-Millionär Bethel Strousberg verkaufen. Nach dem Abitur begann er ein Chemiestudium, das er allerdings nicht beendete. Im Deutsch-Französischen Krieg 1870 arbeitete er für die Johanniter. Die Kriegserlebnisse schockierten ihn.

Gutes Verhältnis hatte Liebermann zu Theodor Fontane

1873 ging er nach Paris, blieb dort aber erfolglos, weil er mit den Größen wie Monet, Renoir, Pissarro und Degas nicht mithalten konnte. Die Nazis verbannten die Werke des Juden Liebermann aus den Museen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg hatten Kunst­­liebaber die Gelegenheit, seine Werke wieder­zuentdecken – wie es auch mit Nolde, Kokoschka, Kirchner, Beckmann oder Klee geschah.

Ein gutes Verhältnis hatte Liebermann zu Theodor Fontane. Der Maler und der Autor kannten sich, denn Liebermann zeichnete 1896 ein Porträt von ihm. In einem Brief an seine Tochter Mette schrieb der Autor: „Ich gehe, wie Dir Mama wohl schon geschrieben hat, unruhigen Tagen entgegen, Sitzungstage, Maltage. Ich freue mich aber darauf, einmal weil es nun doch endlich mal ein richtiger Maler ist, dem ich in die Hände falle, dann weil Liebermann ein ebenso liebenswürdiger wie kluger Mann ist.“

Von 1920 bis 1932 war Liebermann Präsident der Berliner Secession

Von 1920 bis 1932 war Liebermann Präsident der Berliner Secession, er war sogar Ehrenpräsident der Preußischen Akademie der Künste, aber nach 1933 musste er sich trotzdem wegen der Gleichschaltungspolitik der Nazis von diesen Ämtern zurückziehen.

Jemand, der Liebermanns Qualitäten früh erkannte, war der erste Direktor der Hamburger Kunsthalle Alfred Lichtwark. 1902 beendete der Maler sein Terrassen-Bild, schon ein Jahr später kaufte es Lichtwark. Die beiden Männer mochten sich. Das ging sogar so weit, dass sie miteinander Rezepte über die beste Zubereitung für rote Grütze austauschten.

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