Tierpark in Hamburg

Endlich Frieden bei Hagenbeck? Betriebsratschef darf bleiben

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Nico Binde und Christoph Heinemann
Tierpark Hagenbeck in Hamburg: Im Streit zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat scheint es eine Wendung zu geben (Archivbild).

Tierpark Hagenbeck in Hamburg: Im Streit zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat scheint es eine Wendung zu geben (Archivbild).

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Geschäftsführer nimmt Kündigung von beliebtem Giraffenpfleger zurück. Aber beide Seiten sehen sich weiter im Recht.

Hamburg. Überraschende Wendung im Streit zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat im Hamburger Tierpark Hagenbeck: Nach einem Gespräch am Mittwoch hat der umstrittene Tierpark-Chef Dirk Albrecht die Kündigung für den Betriebsratsvorsitzenden Thomas Günther zurückgenommen. Der Giraffenpfleger darf vom 1. März an wieder bei Hagenbeck arbeiten.

In der eskalierten internen Auseinandersetzung, die zuvor in aller Öffentlichkeit ausgetragen wurde, scheint nun ein bisschen außergerichtlicher Frieden erreicht. Denn eigentlich sollte Anfang März ein Arbeitsgericht über die fristlose Entlassung entscheiden, nachdem Hagenbecks Betriebsrat seine Zustimmung zum Rauswurf Günthers verweigert hatte.

Hagenbeck: Tierpark-Chef Albrecht sieht Erfolg auf seiner Seite

Dem Betriebsratsvorsitzenden, seit 20 Jahren im Tierpark und von Kollegen nur "Erbse" genannt, war Mitte Dezember gekündigt worden. Nach Darstellung des Geschäftsführers war er trotz mehrfacher Aufforderung nicht bereit, wegen Corona auf Präsenztermine mit Gewerkschaftsvertretern im Tierpark zu verzichten. Die zuständige Gewerkschaft IG Bau sah das als Fußtritt gegen das Mitbestimmungsrecht.

Während Gewerkschaftssekretär Dirk Johne die nun erreichte Weiterbeschäftigung des Betriebsratsvorsitzenden als "Erfolg" wertet, da die Hagenbeck-Geschäftsführung mit ihrem Einlenken einer gerichtlichen Niederlage zuvorgekommen sei, sieht Tierpark-Chef Dirk Albrecht den Erfolg auf seiner Seite.

Autokratischer Führungsstil: Albrecht wies Vorwürfe zurück

Er sei "erleichtert über die vorläufige Beilegung des Streits", sagte Albrecht dem Abendblatt. Davon, dass sich der Betriebsratsvorsitzende durchgesetzt hätte, könne keine Rede sein. „Ich bin froh, dass Herr Günther Einsicht gezeigt und sich verpflichtet hat, keine betriebsfremden Personen mehr auf das Gelände zu lassen – und somit die Gesundheit von Mitarbeitern und Tieren in unserem Tierpark zu schützen“, so Albrecht. „Deshalb konnten wir nun von einer Kündigung absehen.“

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Die Gewerkschaft spricht indes nicht von einer Verpflichtung, sondern von einer Absichtserklärung, die Günther unterschrieben habe. Albrecht hatte zuvor betont, den Konflikt nicht gewollt zu haben. Vielmehr sei es ihm die ganze Zeit um das Wohl des Tierparks gegangen. Vorwürfe, er pflege einen autokratischen Führungsstil und habe die Mitarbeiter unangemessen unter Druck gesetzt, hatte Albrecht stets zurückgewiesen.

Gewerkschaft: "Sieg der Geschlossenheit" von Tierpark-Mitarbeitern

Zwar räumte er ein, dass gerade in Krisenzeiten eine „straffe Führung“ nötig sei. Teilweise seien jedoch einzelne Vorfälle auch böswillig verdreht worden, um seinem Ansehen zu schaden. Nichtsdestotrotz halte ein großer Teil der Belegschaft weiter zu ihm, so Albrecht.

Gewerkschaftsvertreter Johne spricht dagegen von einem "Sieg der Geschlossenheit" von Mitarbeitern und Betriebsrat des Tierparks. "Thomas Günther hat enormes Rückgrat und Durchhaltevermögen bewiesen", so Johne. Für den Tierpfleger und seine Betriebsratskollegen sei es nicht einfach gewesen, "die steten Angriffe der Geschäftsführung abzuwehren".

Streit im Tierpark Hagenbeck war im Dezember eskaliert

Im Übrigen sei Geschäftsführer Albrecht mit dem Einlenken nur einer Klatsche vor Gericht zuvorgekommen. Bereits in der ersten Instanz, bei der es um das weitere Betretungsrecht des Betriebstratsvorsitzenden trotz Kündigung ging, hatte die Richterin zugunsten von Thomas Günther entschieden. Beim drohenden Verfahren zur eigentlichen Kündigung des Giraffenpflegers Anfang März hätte die Richterin wohl ähnlich entschieden, ist sich die Gewerkschaft sicher.

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Eskaliert war der Streit im Tierpark, als die Gewerkschafter am 21. Dezember zu einem Verhandlungstermin über die Kurzarbeit erscheinen waren und Albrecht sie der Anlage verweisen wollte. Der Betriebsrat beschloss daraufhin eine Begehung mit den Gewerkschaftern, auf die Geschäftsführer Albrecht mit Sicherheitsdienst und Polizei reagierte.

Tierpark Hamburg sucht neue Mitarbeiter – auch einen Anwalt

Inwieweit die anscheinende Beilegung des Streits die künftige Zusammenarbeit von Betriebsrat und Geschäftsführung beeinflusst, steht noch in den Sternen. Zunächst muss noch in diesem Frühjahr ein neuer Betriebsrat gewählt werden, weil das alte Gremium durch Austritte und Kündigungen dezimiert worden war. Nach Abendblatt-Informationen wollen aber alle aktuellen Betriebsräte erneut antreten.

Wissenswertes zum Tierpark Hagenbeck:

  • Hagenbecks Tierpark wurde im Mai 1907 eröffnet
  • Er liegt im Hamburger Stadtteil Stellingen und umfasst eine Fläche von 19 Hektar
  • Im Tierpark gibt es mehr als 1850 Tiere aller Kontinente, darunter eine der größten Elefantenherden Europas
  • Alle Bereiche im Tropen-Aquarium und der Rundweg im Tierpark Hagenbeck sind behindertengerecht
  • Die Mitnahme von Hunden ist nicht erlaubt

Zudem sucht der Tierpark wegen der vorangegangenen Kündigungswelle neue Leute. Neben Tierpflegern, einem technischen Leiter und Kassenpersonal ist auch eine Rechtsanwaltsstelle ausgeschrieben. Dirk Johne von der IG Bau: "Wir hoffen eigentlich, dass künftig normale Gespräche ohne rechtlichen Beistand stattfinden können, um das Betriebsklima zu normalisieren." Doch offenbar sucht Dirk Albrecht einen Profi für künftige justiziable Fragen.

In der Stellenausschreibung heißt es: "Wir bieten Ihnen einen anspruchsvollen Arbeitsplatz in einer außergewöhnlichen Arbeitsumgebung. Wir pflegen eine offene und transparente Kommunikation. Sie sind Teil eines motivierten Teams."

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