Corona-Krise

Was wird aus den Hamburger Straßenfesten?

| Lesedauer: 5 Minuten
Tausende Besucher schieben sich eng an eng über das Eppendorfer Landstraßenfest. In diesem Jahr wird es – wenn überhaupt – zu einem späteren Termin stattfinden.

Tausende Besucher schieben sich eng an eng über das Eppendorfer Landstraßenfest. In diesem Jahr wird es – wenn überhaupt – zu einem späteren Termin stattfinden.

Foto: Thomas Panzau

Gibt es im Jahr 2021 eine Chance für Osterstraßenfest in Eimsbüttel, Altonale und Co.? Was die Veranstalter planen.

Hamburg.  Normalerweise würde es so aussehen: Anfang Mai läutet das Osterstraßenfest in Eimsbüttel traditionell die Straßenfestsaison in Hamburg ein. Danach folgen mehrere Straßen-, Stadtteil- und Stadtfeste von Eppendorfer Landstraßenfest bis Altonale überall in der Stadt. Und Ende des Jahres oder spätestens Anfang des Folgejahres beginnen schon die Vorbereitungen für die nächste Straßenfestsaison. Doch in diesem Jahr ist bekanntermaßen alles anders.

Verlässliche Aussagen dazu, wie sich die Corona-Lage in wenigen Monaten entwickelt haben wird, gibt es nicht. Wie viele Menschen werden dann geimpft sein? Welche Rolle werden die Mutationen dann spielen? Und vor allen Dingen: Welche Regeln werden im Sommer gelten?

Die Organisationen der Straßen- und Stadtteilfeste stellt diese Unsicherheit vor große Herausforderungen. So auch Uwe Bergmann von der Bergmanngruppe, die unter anderem das Eppendorfer Landstraßenfest veranstaltet. Klar ist schon jetzt: Das Eppendorfer Landstraßenfest wird in diesem Jahr nicht wie sonst im Juni stattfinden können. „Wir haben uns dazu entschlossen, die Veranstaltung auf den September zu verlegen, weil wir hoffen, dass die Lage dann deutlich entspannter ist“, so Bergmann.

Stand jetzt soll das Eppendorfer Landstraßenfest nun am 11. und 12. September stattfinden. Der Antrag sei bereits gestellt, eine feste Genehmigung stehe aber noch aus. Laut Bergmann würden jetzt normalerweise die Vorbereitungen auf Hochtouren laufen. „In diesen Tagen würden wir jetzt normalerweise Künstler buchen, würden Standverträge schließen und Konzepte ausarbeiten.“

Abstandsregeln sind ein großes Problem

Aber das würde in diesem Jahr noch keinen Sinn machen. „Es gibt noch so viele Fragezeichen, dass wir uns noch nicht mit Vollgas in die Arbeit stürzen können“, so Bergmann. Dass bereits erledigte Arbeit manchmal umsonst sein kann, haben er und sein Team im vergangenen Jahr erfahren müssen.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

„In 2020 haben wir viel geplant und verschoben, am Ende ist alles abgesagt worden“, so Bergmann. Welche Bedingungen aber sind aus seiner Sicht dafür entscheidend, dass das Fest ausgerichtet werden kann? Das ist für Bergmann ganz klar: „Solange es Abstandsregeln gibt, wird es kein Eppendorfer Landstraßenfest geben. So etwas geht nur ganz oder gar nicht.“

Wackelige Perspektive auch für das Osterstraßenfest

Ähnlich wackelig sieht auch die Perspektive für das Osterstraßenfest in Eimsbüttel aus. „Wie hier die Perspektive aussieht, ist derzeit schwer bis gar nicht zu beantworten, da sich immer noch wöchentlich die Wasserstandsmeldungen ändern und die Impfungen nicht so richtig in Fahrt kommen, sich aber die Mutationen gleichzeitig immer weiter ausbreiten.“

Nur so viel sei derzeit klar: Zum traditionellen Termin Anfang Mai wird das Osterstraßenfest mit Sicherheit nicht stattfinden. Denn: „Unabhängig davon, dass wir dann noch nicht dürfen werden, ist es eh schon zu spät für die Vorbereitung.“ Und so wäre es ein Plan, die Veranstaltung auf die zweite Jahreshälfte zu verlegen. Allerdings habe man das auch 2020 versucht, und am Ende habe es doch nicht geklappt. Problematisch könnte 2021 auch folgender Punkt werden. „Viele Veranstalter werden versuchen, ihre Events auf die zweite Jahreshälfte zu legen, sodass vieles parallel laufen würde.“

Weniger Besucher

Die Menschen müssten sich also entscheiden, und zu den einzelnen Festen würden weniger Besucher kommen, was sich natürlich dann wieder an den Standumsätzen bemerkbar machen würde. Zusammenfassend könnten belastbare Aussagen derzeit nicht getroffen werden. Und das würde genauso für das Weinfest gelten, das normalerweise Ende August auf dem Fanny-Mendelssohn-Platz stattfindet.

Unklar sieht es auch für Norddeutschlands größtes Kultur- und Stadtteilfest „Altonale“ mit mehr als 200 Veranstaltungen und bis zu 600.000 Besuchern aus. Die Organisatoren waren zwar bis Redaktionsschluss für das Abendblatt nicht zu erreichen. Das zuständige Bezirksamt teilte aber mit, dass bisher kein Antrag für das Event vorliegen würde, das normalerweise im Juni stattfindet.

Ungewiss ist ebenso das Stadtfest Winterhude rund um den Mühlenkamp, das von der Agentur Ahoi Events veranstaltet wird. Auch dort beginnen die Vorbereitungen nur schleppend. Nach Angaben eines Mitarbeiters sei man gerade erst aus der Kurzarbeit zurück, konzentriere sich derzeit vor allen Dingen auf größere Events, da diese in der Vorbereitung aufwendiger seien, als auf kleinere Stadtteilfeste.

Behörde hofft auf Normalität, wagt aber keine Prognose

Und wie schätzt die für die Bezirke zuständige Wissenschaftsbehörde die Chancen und Perspektiven für die Straßenfeste ein? Sprecher Jon Mendrala fällt es schwer, konkrete Aussagen zur Entwicklung zu machen: „Die Hoffnung auf ein Stück Normalität – wie bei einem Straßenfest in der Nachbarschaft – haben wir alle.

Lesen Sie auch:

Niemand kann vorhersagen, wie sich die noch immer dynamische Infektionslage trotz aller Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie in den kommenden Monaten entwickelt. Wann demnächst welche Veranstaltungen in den Bezirken stattfinden können, lässt sich daher heute seriöserweise nicht sicher sagen.“

Am Ende werden die kommenden Wochen darüber entscheiden, was wann möglich ist. Insbesondere für größere Veranstaltungen wird es dann aber wohl zu spät sein.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg