Coronavirus

Impfzentrum Hamburg: So sehen die Pläne aus

Hamburg: So soll das Impfzentrum in den Messehallen nach den vorläufigen Plänen aussehen.

Hamburg: So soll das Impfzentrum in den Messehallen nach den vorläufigen Plänen aussehen.

Foto: KV Hamburg

Erster Blick in die Messehallen: Wer zuerst gegen das Coronavirus geimpft wird, warum es nur ein Impfzentrum gibt.

Hamburg. Für den ersehnten Schutz vor dem neuartigen Coronavirus ist es die Frage der Fragen: Wer wird zuerst geimpft? Wenn ein Impfstoff in Deutschland zugelassen ist und die Dosen auf die Bundesländer verteilt werden, profitieren im Hamburger Impfzentrum in den Messehallen, das Mitte Dezember eröffnet wird, zunächst Mitarbeiter im Gesundheitswesen, Polizisten und Feuerwehrleute. Die „Risikogruppen“ in der Bevölkerung sollen nach den Mitarbeitern in der „kritischen Infrastruktur“ versorgt werden. Selbst Lehrer können nach derzeitiger Lage nicht automatisch damit rechnen, zu den ersten Impflingen zu gehören. Entschieden wird über die Reihenfolge in der Ständigen Impfkommission (Stiko) beim Robert-Koch-Institut. Dort sitzt unter den 18 Experten der Hamburger Prof. Dr. Gerd-Dieter Burchard (Bernhard-Nocht-Institut). Und hier wird derzeit die Prioritätenliste erarbeitet, die für alle verbindlich ist.

Der Präsident der Hamburger Ärztekammer, Dr. Pedram Emami, macht sich keine Illusionen, dass das Impfen eine heikle Angelegenheit ist – unabhängig davon, wie viel Impfstoff wie schnell zur Verfügung stehen wird. Emami verlangt von den Verantwortlichen in Behörden und Gesundheitswesen eine „klare Kommunikation der Vorgaben und Transparenz bei der Umsetzung“.

Impfzentrum: Ärztekammer-Präsident Emami mahnt

Emami sagte dem Abendblatt: „Die Identifizierung der Berufsgruppen ist selbsterklärend, die Priorisierung von Risikogruppen erfolgt – wie in anderen vergleichbaren Situationen auch – anhand medizinischer Kriterien. Allen anderen Impfwilligen, die nicht zu den priorisierten Gruppen gehören, bitten wir, Solidarität walten zu lassen und die Reihenfolge in diesem Prozess einzuhalten.“

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung, Walter Plassmann, sagte: „Wir können zunächst nur die ersten Tage und Wochen planen.“ Man habe jetzt zwei Messehallen angemietet, eventuell komme noch eine dritte hinzu. Geimpft werde zwar nach dem Infektionsschutzgesetz, aber da habe es ja gerade die dritte Änderung gegeben.

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Das bedeutet: Auch die Ärzte wandeln noch auf unsicherem rechtlichen Terrain. Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) sagte, man orientiere sich an den Vorgaben des Bundes. Und sie kündigte an, es werde künftig ein Terminvergabesystem geben, online und per Brief.

Erster Corona-Impfstoff kommt vermutlich von Biontech

Der Ärztekammer-Präsident ermahnte die Verantwortlichen in Hamburg, auch am Impfzentrum die AHA-Regeln durchzusetzen, „damit das Impfen an sich nicht zum Ansteckungsrisiko wird“. Am Impfzentrum dürfen nur Impfwillige erscheinen, die eine Einladung haben. Vor Ort wird das am Eingang geprüft. Dann wird der Impfling „eingecheckt“, von einem Arzt auf die Impffähigkeit untersucht, erhält das Serum, darf sich ausruhen und anschließend das Impfzentrum mit dem Aufkleber für das verimpfte Mittel verlassen.

Vermutlich wird das von der Mainzer Firma Biontech entwickelte Vakzin verwendet. Es muss bei minus 70 Grad in Ultra-Tiefkühlschränken gelagert werden – in Hamburg an einem geheimen Ort. Im Impfzentrum muss der Impfstoff zwischengelagert, erwärmt und für die Spritze aufbereitet werden. „Das ist für uns ein Blindflug. Wir kennen den Impfstoff noch gar nicht und wissen nicht, wie er sich verhält“, sagte ein Verantwortlicher dem Abendblatt. Deshalb und wegen der notwendigen Ultra-Tiefkühlung ist zunächst nicht damit zu rechnen, dass schnell in Arztpraxen geimpft werden kann.

CDU Hamburg will eigenes Impfkonzept erarbeiten

Der Hamburger CDU gefällt der Senatsplan nicht. Wie ihr gesundheitspolitische Sprecher Stephan Gamm erklärte, wolle seine Fraktion ein eigenes Impfkonzept erarbeiten. „Auch wenn noch nicht feststeht, wie viel Impfstoff zu Beginn zur Verfügung stehen wird, erscheinen die bis zu 7000 Impfungen in den Messehallen am Tag bei rund 1,85 Millionen Einwohnern als viel zu gering.“

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Dem widersprachen der Ärztekammer-Präsident und niedergelassene Ärzte. „Es ist sinnvoll, das Impfen auf so wenig Standorte wie möglich zu konzen­trieren“, sagte Emami. Unter den Praxisärzten heißt es, ein gesichertes Zentrum in verkehrsmäßig guter Lage sei für Hamburg viel effizienter als das, „was die Kollegen in Schleswig-Holstein machen müssen“. Dort gibt es 28 Impfzentren.

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