Kirche

Zentralkomitee fordert von Woelki Offenlegung des Gutachtens

Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln.

Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln.

Foto: dpa

Der massiv in der Kritik stehende Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki bekommt nun auch Gegenwind aus dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Dabei geht es um ein brisantes Gutachten.

Bonn/Köln. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (Zdk) hat den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki zur Offenlegung des von ihm zurückgehaltenen Missbrauchsgutachtens aufgefordert. "Aktuell sind wir Zeuginnen und Zeugen intransparenter Vorgänge im Erzbistum Köln", kritisierte die Vollversammlung des ZdK am Freitag in einer Erklärung. "Wir fordern, diese vollständig offen zu legen und insbesondere die Ergebnisse aus dem Gutachten der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl zugänglich zu machen." Das ZdK ist die Vertretung der katholischen Laien, der normalen Gläubigen.

Das Gutachten zum Umgang des Erzbistums Köln mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Priester war von Woelki selbst in Auftrag gegeben worden. Mittlerweile hat er sich allerdings entschlossen, das Gutachten doch nicht zu veröffentlichen. Als Begründung führt er rechtliche Bedenken an. Bekannt geworden ist bereits, dass in dem Gutachten der Hamburger Erzbischof Stefan Heße - früher Personalchef im Erzbistum Köln - kritisch beurteilt wird. Heße bestreitet die Vorwürfe.

"Wenn die Pressemeldungen stimmen, dann ist das ein unglaublicher Skandal, einen Betroffenenbeirat auszunutzen und da sogar eine Retraumatisierung von Betroffenen in Kauf zu nehmen", sagte ZdK-Präsident Thomas Sternberg in einer Pressekonferenz. Zwei zurückgetretene Sprecher des Betroffenenbeirats im Erzbistum Köln, Patrick Bauer und Karl Haucke, hatten in der "Süddeutschen Zeitung" einen "erneuten Missbrauch von Missbrauchsopfern" beklagt. Sie hätten sich von Woelki unter Druck gesetzt gefühlt, der Nichtveröffentlichung des Gutachtens zuzustimmen, sagten sie.

Woelki hat stattdessen ein neues Gutachten bei einem Kölner Strafrechtler in Auftrag gegeben. Die Münchner Kanzlei bestreitet, dass ihr Gutachten mangelhaft ist. In der vergangenen Woche hatte sie ein vergleichbares Gutachten für das Bistum Aachen vorgelegt.

Das derzeitige Geschehen erschüttere "ganz sicher das Erzbistum Köln ganz massiv", sagte Sternberg. "Es ist für Köln eine bisher so noch nicht da gewesene Situation." Das Erzbistum Köln ist das größte katholische Bistum in Deutschland.

Als Konsequenz aus der öffentlichen Debatte um das Gutachten hat sich Heße entschlossen, sein Amt als Geistlicher Assistent des ZdK ruhen zu lassen. Aufgabe des Geistlichen Assistenten ist es, das Zentralkomitee in theologischen Fragen zu beraten und den Kontakt zur Deutschen Bischofskonferenz zu halten. Die Vollversammlung des ZdK bis einschließlich Samstag findet wegen der Corona-Pandemie digital statt. Sie wird in Teilen live im Internet übertragen.