Volkstrauertag

Hamburgerin setzt sich für verwahrloste Kriegsgräber ein

Engagieren für die Pflege der Kriegsgräber auf dem Niendorfer Friedhof: Jan Lescow von der Friedhofsverwaltung und Dagmar Bonomé.

Engagieren für die Pflege der Kriegsgräber auf dem Niendorfer Friedhof: Jan Lescow von der Friedhofsverwaltung und Dagmar Bonomé.

Foto: Volksbund / Volksbund Deutsche Kriegsgräberf

62.000 solcher Gräber gibt es in der Stadt, viele wirken ungepflegt. Dagmar Bonomé engagiert sich und wird nun dafür geehrt.

Hamburg. Ihren Halbbruder verlor sie in Russland, ihr Cousin fiel in Frankreich. Ihr Lebensgefährte, der vor zehn Jahren starb, zählte zu den Kriegsversehrten. Dagmar Bonomé (76) kennt die Grausamkeiten des Krieges nur zu gut. Damit die Opfer nicht in Vergessenheit geraten, engagiert sich die Niendorferin seit 60 Jahren für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Vor dem Volkstrauertag, mit dem am Sonntag der Opfer des Nationalsozialismus und der Gefallenen beider Weltkriege gedacht wird, ärgert sie sich umso mehr über den beklagenswerten Zustand vieler Kriegsgräber.

Allein auf dem Ohlsdorfer Friedhof wurden rund 50.000 Kriegstote bestattet, darunter 40.000 zivile Bombenopfer. Insgesamt sind in Hamburg 62.000 Kriegsgräber erfasst. Viele wirken ungepflegt, sind verwittert, die Schriften auf den Gedenksteinen kaum noch lesbar.

Dagmar Bonomé engagiert sich für Kriegsgräber in Niendorf

Dies galt auch für die 95 Kriegsgräber auf dem Niendorfer Friedhof an der Promenadenstraße. „Das hat mir keine Ruhe gelassen“, sagt die ehemalige Kinderkrankenschwester. Als Mitglied des Friedhofausschusses ihrer Kirchengemeinde suchte sie den Kontakt zu Verwaltung und Politikern des zuständigen Bezirks Eimsbüttel.

Erfolgreich war sie am Ende dank intensiver Gespräche mit der Bezirksabgeordneten Ines Schwarzarius und dem Bürgerschaftsabgeordneten Marc Schemmel (beide SPD). Der Historiker engagiert sich seit Jahren für die Opfer der NS-Herrschaft – seine Großeltern überlebten als Häftlinge die Konzentrationslager Sachsenhausen, Neuengamme und Ravensbrück.

Bonomé wird für ihr Engagement ausgezeichnet

Auf Antrag der SPD-Bezirksfraktion bezuschusste der Bezirk die Neugestaltung und Herrichtung der Anlagen mit 27.000 Euro. Ein Steinmetz aus Altona besserte die Steine aus, auch das umliegende Grün wurde neu angelegt. „Dies haben wir der Beharrlichkeit von Dagmar Bonomé zu verdanken“, lobt Christian Lübcke, Geschäftsführer des Hamburger Verbands. Dafür soll die Niendorferin nun mit dem Ehrenkreuz in Gold des Verbandes ausgezeichnet werden.

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So gute Nachrichten freuen Lübcke in diesen Tagen besonders. Denn Corona trifft auch den Verband hart. Die geplante Gedenkstunde an Sonntag im Michel wurde wie die traditionelle Rundfahrt über die Kriegsgräberstätten auf dem Ohlsdorfer Friedhof am Sonnabend abgesagt. „Das ist sehr bitter für unsere Mitglieder, für all die alten Menschen, von denen sich selbst unter diesen Umständen über 200 für die Gedenkstunde im Michel angemeldet hatten“, sagt Lübcke.

Gedenken an die Opfer 75 Jahre nach Kriegsende sei wichtiger denn je. „Wir dürfen die Erinnerungsarbeit nicht vernachlässigen“, mahnt Lübcke – auch mit Blick auf die Attacke gegen einen jüdischen Studenten Anfang Oktober vor der Synagoge Hohe Weide. Wie berichtet, hatte ein 29-Jähriger den Studenten mit einem Klappspaten schwer am Kopf verletzt.