Newsblog für Norddeutschland

Hamburger Bezirk erlaubt Restaurants jetzt Heizpilze

Corona in Hamburg: Eimsbüttel will Heizpilze erlauben. Hier das Lál Pera an der Osterstraße (Symbolbild).

Corona in Hamburg: Eimsbüttel will Heizpilze erlauben. Hier das Lál Pera an der Osterstraße (Symbolbild).

Foto: Michael Rauhe

Krankenhaus in Buchholz betroffen. Woher die 119 neuen Corona-Fälle in Hamburg stammen. Der Newsblog.

Corona und kein Ende – inzwischen warnen immer mehr Experten vor den Folgen einer zweiten Welle. In Hamburg ist die Zahl der Neuinfektionen am Freitag sprunghaft um 119 Fälle angestiegen. Die für das Ressort Gesundheit zuständige Sozialbehörde kritisiert daraufhin die Hamburger für wiederholte Regel-Verstöße und ordnet das Infektionsgeschehen ein.

In einem Buchholzer Krankenhaus haben sich außerdem mehrere Ärzte und Pfleger infiziert. Und eine Schule in Rendsburg ist vorerst wegen Corona geschlossen.

Unterdessen ist nach dem Covid-19-Ausbruch in der Shishabar Le Vou die Zahl der mit dem Virus Infizierten auf 24 angestiegen. Bei Instagram veröffentlichte Videos werfen zudem Fragen auf.

Der Corona-Newsblog für den Norden am Freitag, 25. September:

Das Coronavirus in Deutschland und weltweit:

Corona-Fall an Grund- und Stadtteilschule Eppendorf

In der Grund- und Stadtteilschule Eppendorf gibt es eine bestätigte Covid19-Infektion. Darüber informierte Schulleiter Carsten Temming Eltern in einem Brief. Demnach ist der Corona-Fall am Oberstufenstandort Schottmüllerstraße aufgetreten. Der komplette Jahrgang 13 und einzelne Lehrkräfte sind bereits vorläufig unter Quarantäne gestellt. Die Schule arbeite eng mit dem Gesundheitsamt zusammen.

Und weiter: "Die Erfahrungen von anderen Schulen haben gezeigt, dass Quarantänemaßnahmen in einzelnen Klassen oder Jahrgangstufen leider auch zu Einschränkungen und Stundenplananpassungen bei den im Präsenzunterricht verbleibenden Lerngruppen führen können, da gegebenenfalls nicht ausreichend Lehrkräfte zur Umsetzung zur Verfügung stehen."

Mit dem stärksten Anstieg der Corona-Neuinfektionen seit Ostern und mindestens sieben Fällen an sechs Schulen im Kreis Pinneberg hat auch das Gesundheitsamt rekordverdächtige Werte vor dem Wochenende gemeldet.

Cloppenburg: Verschärfte Maßnahmen – Ausbrüche in Familien

Wegen anhaltend hoher Infektionszahlen im Landkreis Cloppenburg weitet die Verwaltung ihr Maßnahmenpaket aus. Wie der Landkreis mitteilte, wird die Sportausübung weiter eingeschränkt und sämtliche Sportanlagen sowie Sport- und Turnhallen für den Vereins- und Freizeitsport gesperrt. In sämtlichen Schulen im Landkreis gilt ab der 5. Jahrgangsstufe eine Pflicht zum Tragen eines Mund-Nase-Schutzes auf dem gesamten Schulgelände und auch auf dem Schulweg, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann. Ausgenommen sind Grund- und Förderschulen. Die Maßnahmen gelten zunächst bis zum 11. Oktober.

Im Landkreis Cloppenburg hatten die Corona-Fallzahlen den Grenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen überschritten, waren aber zuletzt wieder gesunken. Besorgt äußerte sich die Kreisverwaltung aber über neue Ausbrüche in größeren Familieneinheiten.

Woher die 119 neuen Corona-Fälle in Hamburg stammen

119 neue Corona-Fälle sind am Freitag hinzugekommen (siehe unten). Doch woher stammt dieser durchaus enorme Anstieg? Die hohen Infektionszahlen seien nicht auf ein "singuläres großes Ausbruchsgeschehen“ zurückzuführen, sagte Sozialbehördensprecher Martin Helfrich dem Abendblatt. Der Anstieg hänge auch kaum noch mit Reiserückkehrern zusammen. Die hohe Zahl von 119 Neuinfektionen stehe "in der Kontinuität der Meldungen der vergangenen Tage“, sagte Helfrich. Es sei zuletzt bekanntlich „vermehrt aufgefallen, dass es Verstöße gegen Regeln gibt“.

Laut Helfrich gebe es schlicht mehr Infizierte, daher verbreite sich das Virus derzeit in der ganzen Stadt wie in einem „Schneeballeffekt“. Zwar habe man auch kleinere familiäre Zusammenhänge registriert, einige Übertragungen in Sportmannschaften oder im Arbeitskontext und in Wohnunterkünften, auch gebe es einzelne Fälle an Schulen – insgesamt aber habe man es mit einem „diffusen Infektionsgeschehen“ zu tun.

Mithin: Das Virus verbreitet sich wieder überall. Ein wichtige Rolle spiele dabei allerdings auch das „Freizeitverhalten“, also die Besuche von Bars und der Gastronomie. So seien in den aktuellen Zahlen auch Meldungen des Ausbruchs in der Schanzen-Bar „Le Vou“ enthalten.

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Corona-Hilfen: Veranstaltungsbranche schlägt Alarm

Mehrere Verbände der Veranstaltungsbranche und das Aktionsbündnis #AlarmstufeRot haben vom Bund massive Änderungen bei den Corona-Hilfen gefordert. Das Hilfsprogramm sei in keiner Weise ausreichend, um dem von den Maßnahmen besonders hart betroffenen Wirtschaftszweig wieder auf die Beine zu helfen, teilte die Gemeinschaft in Hamburg mit. Viele Firmen stünden vor der Insolvenz und hätten keine Perspektive.

Im Kern verlangen das Bündnis und die Verbände eine Ausweitung des Kreises der antragsberechtigten Unternehmen, eine längere Programmlaufzeit und den Wegfall der Begrenzung der Förderhöhe. Außerdem müsse der Katalog förderfähiger Kosten ausgeweitet und der steuerliche Verlustrücktrag ausgedehnt werden. Zusätzlich sollten die Kreditprogramme modifiziert werden.

Schule in Rendsburg wegen Corona geschlossen

Wegen mehrerer Corona-Infektionen ist die Altstadtschule in Rendsburg geschlossen worden. Die Maßnahme werde mindestens bis einschließlich Montag dauern, sagte eine Sprecherin des Corona-Lagezentrums des Kreises Rendsburg-Eckernförde.

Nachdem bereits drei positive Corona-Fälle in sechsten Klassen festgestellt worden waren, kamen am Freitag zwei weitere hinzu: ein Fall betrifft eine neunte, ein anderer eine zehnte Klasse. Am Freitag wurden rund 150 Schüler und 45 Lehrer der Gemeinschaftsschule getestet. Die Ergebnisse sollen am Sonnabend vorliegen. Am Montag wolle man entscheiden, welche Klassen möglicherweise ab Dienstag wieder unterrichtet werden könnten, sagte die Sprecherin.

Schule in Rendsburg: Woher kommen die Infektionen?

Ihr zufolge gebe es mehrere Ansteckungsquellen. Zumindest in zwei Corona-Fällen handele es sich um Cousins oder Cousinen, die unterschiedliche Klassen der Schulen besuchen. Ein Vater, der von einer Auslandsreise zurückgekehrt sei, habe offensichtlich seine Tochter angesteckt. Ob es eine große Familienfeier gegeben habe, sei noch unbekannt.

„Wir sehen kein konkretes Fehlverhalten“, sagte die Sprecherin. Denn Feiern in Gebäuden sind in Schleswig-Holstein für bis zu 50 Personen gestattet.

Hamburger Weltärzte-Chef kritisiert „Narrenfreiheit" des Fußballs

Frank Ulrich Montgomery, Vorstandsvorsitzender des Weltärztebundes, hat aus Anlass des Supercups zwischen Bayern München und dem FC Sevilla (2:1 n.V.) am Donnerstag im Risikogebiet Budapest Kritik am deutschen Rekordmeister geübt. „Der Fußball scheint offenbar Narrenfreiheit zu genießen“, sagte er der „Passauer Neuen Presse". „Das ist kontraproduktiv und ein falsches Signal.“

Der Hamburger Radiologe ergänzte, wenn Funktionäre und Spieler soziale Verantwortung übernehmen wollten, „sollten sie nicht nur an ihre Portemonnaies und die Einnahmen aus Spielen denken“. Wenn es nicht möglich sei, dass normale Bürger ihre Ferien im Ausland verbringen könnten, „aber Bosse und Spieler des FC Bayern in Hochrisikogebiete fliegen, ist das ein verheerendes Zeichen“.

119 neue Corona-Fälle in Hamburg

Die Neuinfektionen mit dem Coronavirus haben in Hamburg erstmals seit Mitte April wieder die 100er-Marke übertroffen – und zwar deutlich. Wie die für das Ressort Gesundheit zuständige Sozialbehörde mitteilte, sind von Donnerstag auf Freitag 119 Corona-Fälle hinzugekommen.

Das sind fast doppelt so viele Neuinfektionen wie am Vortag (62) und der höchste Tageswert seit dem 17. April, als 131 weitere Erkrankungen gezählt wurden. Einen Tag später war die Zahl der neuen Fälle in Hamburg letztmals dreistellig (102). Der Rekordwert war am 24. März mit 248 Neuinfektionen verzeichnet worden, damals bedingt auch durch viele Nachmeldungen.

Zahl der Corona-Patienten bleibt konstant

Seit Beginn der Pandemie haben sich somit 7549 Hamburger mit Covid-19 infiziert. Die Zahl der stationär behandelten Patienten bleibt dagegen konstant auf niedrigem Niveau: Aktuell sind es 30 und damit zwei mehr als am Vortag. Davon werden unverändert zehn Infizierte auf einer Intensivstation behandelt. Todesfälle sind keine weiteren hinzugekommen, die Zahl liegt weiter bei 239.

Mit 26,5 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner liegt Hamburg zwar nach wie vor deutlich unter der Grenze von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen, die neue Beschränkungen nach sich ziehen könnte. Dennoch steigt der Wert derzeit kontinuierlich an – am Vortag lag er noch bei 23,5.

Buchholzer Krankenhaus: Mitarbeiter mit Corona infiziert

Im Krankenhaus in Buchholz sind vier Beschäftigte positiv auf das Coronavirus getestet worden. Es handelt sich um zwei Ärzte und zwei Pflegekräfte, die sich deshalb seit Wochenanfang in Quarantäne befinden, wie der Landkreis Harburg in Winsen (Luhe) mitteilte. Die Notfallversorgung sei dadurch nicht eingeschränkt, einige nicht unbedingt notwendige Operationen seien aber verschoben worden.

Die Infektionen waren nachgewiesen worden, nachdem ein Arzt Krankheitssymptome gezeigt hatte. Bei den anderen drei Infizierten handelt es sich um Kontaktpersonen des Mannes. Bei weiteren Kontaktpersonen fielen die Tests in der ersten Runde demnach negativ aus, es gibt aber einen weiteren Verdachtsfall. Das Krankenhaus in Buchholz hat mehr als 300 Betten.

Eimsbüttel erlaubt Heizpilze für Gastronomen

Im Bezirk Eimsbüttel sind ab dem 1. Oktober bis zum Mai 2021 die aus ökologischer Sicht umstrittenen Heizpilze für die Außengastronomie genehmigt. Die Schwarz-Grüne Koalition hat am Donnerstag einen entsprechenden Wirtschaftsantrag beschlossen. Mit der Entscheidung gehe man in Eimsbüttel zum Wohle der Gastronomie voran, schaffe endlich Fakten und sei schneller als der angekündigte Senatsbeschluss, teilte CDU-Politiker Sascha Greshake mit.

Corona-Ausbruch in Shishabar: 24 Infizierte

Nach dem Corona-Ausbruch in der Hamburger Shishabar Le Vou ist die Zahl der Infizierten inzwischen auf 24 gestiegen. Das bestätigte die Bezirksamtsleiterin aus Altona, Stefanie von Berg (Grüne). Bislang waren 16 Corona-Fälle bekannt, die in Verbindung mit der Bar in der Schanze stehen.

Wie berichtet, haben mehrere Gäste ihre Kontaktdaten nicht wahrheitsgemäß angegeben. Demnach waren ein Drittel aller Kontaktpersonen im Le Vou nicht in den von der Bar bereitgestellten Listen aufgeführt. Darunter sind auch jetzt positiv Getestete.

Für Wirbel sorgen zudem mehrere von der Bar bei Instagram veröffentlichte Videos, auf denen feiernde Gäste ohne die geltende Abstandsregel zu sehen sind. Ein vor drei Wochen gepostetes und nach wie vor aufrufbares Video zeigt beispielsweise tanzende Frauen, die eng beieinanderstehen. Zudem gäbe es laut von Berg belastende Zeugenaussagen. Dem Le Vou drohen nun Bußgelder.

Corona: Tag der Wirtschaft in Altona erstmals digital

Mit dem Themenschwerpunkt „Chancen für Altonas Unternehmen inmitten der Corona-Krise“ wird der Tag der Wirtschaft in Altona in diesem Jahr erstmals in seiner Geschichte in digitaler Form stattfinden. Einen entsprechenden Beschluss hat die Bezirksversammlung Altona am Donnerstag gefasst.

„Gerade in diesen besonderen Zeit ist es wichtig, dass sich die Wirtschaftsunternehmen innerhalb des Bezirks Altona vernetzen können", sagt der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion Altona, Patrick Müller-Constantin. „So bekommen sie, im Rahmen des Tags der Wirtschaft, den Raum für den Austausch von Ideen, Sorgen und Wünschen."

CDU: Corona-App-Empfehlung für Schulen

Die Hamburger CDU fordert, dass die Nutzung der Corona-Warn-App an den weiterführenden Schulen empfohlen wird. Die App sei „ein Erfolgsmodell Made in Germany“ und ein wirksames Instrument, um Kontaktketten nachzuvollziehen und zu unterbrechen, sagte die schulpolitische Sprecherin der Fraktion, Birgit Stöver. In Schleswig-Holstein gebe es bereits eine Empfehlung, für Hamburg bestehe „Nachholbedarf".

„Damit Schulen keine Infektionsherde werden, sollte die Warn-App gerade an Schulen von jedem genutzt werden“, sagte Stöver. Deshalb fordere ihre Fraktion den Senat in einem Antrag für die Bürgerschaftssitzung in der kommenden Woche auf, eine Empfehlung zur Nutzung der Corona-Warn-App in allen weiterführenden Schulen ab Jahrgangsstufe 5 in den Muster-Corona-Hygieneplan aufzunehmen.

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Schleswig-Holstein: 63 neue Corona-Fälle

In Schleswig-Holstein sind 63 Neuinfektionen mit dem Coronavirus bestätigt worden. Die Zahl der nachgewiesenen Fälle seit Beginn der Pandemie erhöhte sich damit auf 4603. Am Vortag waren 42 Neuinfektionen gezählt worden. Die Zahl der Menschen, die an Covid-19 gestorben sind, blieb bei 161. In Krankenhäusern werden aktuell neun Patienten behandelt – einer mehr als am Vortag. Nach Schätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) gelten rund 4100 als genesen.

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum, und halten Sie mindestens 1,50 Meter Abstand zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an Ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

Warnstreiks bei Stadtreinigung und HPA

Mitarbeiter der Stadtreinigung und der Hamburg Port Authority (HPA) sind heute in den Warnstreik getreten. Wie Ver.di-Sprecher bestätigten, versammelten sich die Beschäftigten vor den Betriebsgeländen in Harburg und im Hafen. Gegen 6.00 Uhr sollen bereits rund 150 Mitarbeiter der Stadtreinigung in Harburg zusammengekommen sein. Am Harburger Binnenhafen war später eine Kundgebung geplant.

Mit den ganztägigen Arbeitsniederlegungen will die Gewerkschaft im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes nach zwei ergebnislosen Runden den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen. Ver.di fordert für die bundesweit 2,3 Millionen Tarifbeschäftigten von Bund und Kommunen 4,8 Prozent mehr Geld, mindestens aber 150 Euro, bei einer Laufzeit von 12 Monaten.

Coronavirus – die Fotos zur Krise:

Corona-Krise: Gesundheitssenatorin zur Lage in Hamburg