Neuer Vorstoß

Werden Straßen im Hamburger Stadtpark für Autos gesperrt?

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Lukas Homrich und Juliane Lauterbach
Sie stellten die Pläne vor: v. l. Umweltsenator J. Kerstan, Bezirkschef M. Werner-Boelz (beide Grüne) und Finanzsenator A. Dressel (SPD).

Sie stellten die Pläne vor: v. l. Umweltsenator J. Kerstan, Bezirkschef M. Werner-Boelz (beide Grüne) und Finanzsenator A. Dressel (SPD).

Foto: Michael Rauhe

Befragung soll Zukunft von Hamburgs grüner Oase mitprägen. Straßensperrungen geplant. Aber es gibt auch Kritik.

Hamburg. Der Bezirk Nord lässt derzeit umfassend prüfen, wie der Hamburger Stadtpark weiterentwickelt werden kann. Ein zentraler Punkt dabei ist die Frage, ob eine Sperrung des Südrings und eine zumindest teilweise Sperrung der Otto-Wels-Straße für den motorisierten Verkehr etwa an Wochenenden sinnvoll ist. Mit der Studie beauftragt wurden das niederländische Architektenbüro Karres en Brands und das Büro für Gartendenkmalpflege Schnitter.

Gerade in der Corona-Krise wurde das grüne Herz der Stadt zunehmend zur Zuflucht vieler Hamburgerinnen und Hamburger. Schätzungen zufolge besuchten rund 200.000 Menschen an Sommerwochenenden den Stadtpark. „Er ist fast zu populär“, sagte Bart Brands vom Architektenbüro Karres en Brands. Man wolle Aktivitäten aber nicht verbieten, sondern ermöglichen.

Eingriffe in den Autoverkehr im Stadtpark werden schon länger von SPD und Grünen diskutiert. So entstand etwa im Bauforum 2019 der Plan, den Stadtpark durch eine Sperrung des Rings 2 mit dem City-Nord-Park zu verbinden. Dabei würde der Verkehr über den Überseering umgeleitet. „Ich finde das eine grandiose Idee“, sagte gestern der Bezirksamtsleiter Nord, Michael Werner-Boelz (Grüne). Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) betonte, man wolle über die Stadtpark-Entwicklung „nicht am grünen Tisch entscheiden“. Geplant ist deshalb eine große Bürgerbefragung. In der nächsten Woche sollen dazu im Park Plakate mit QR-Codes aufgestellt werden – Besucher können so mit ein paar Klicks an der Umfrage teilnehmen.

Zahl der Besucher des Stadtparks steigt

Die Kosten für den Park-Umbau will Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) durch Gebühren aus Sondernutzungen wie etwa Konzerte hereinholen. „Wir werden über so etwas in den nächsten Jahren reden müssen, um den Park in Zeiten knapper Kassen zu finanzieren.“ Selten war dabei das grüne Herz der Stadt so beliebt wie in den vergangenen Wochen und Monaten. Am Montag stellten Architekt Bart Brands und der Denkmalpfleger Dr. Joachim Schnitter im städtischen Anzuchtsgarten den Plan für eine Untersuchung vor: Sie soll Chancen aufzeigen – wie sich der Stadtpark verändern und wie er weiterentwickelt werden kann.

Warum ein neues Konzept notwendig ist: Der Park steht unter einem enormen Nutzungsdruck, die Zahl der Besucher steigt. Was auch mit Neubauprojekten wie dem Pergolenviertel zusammenhängt, hier entstehen 1.600 neue Wohnungen. Außerdem ziehen Kulturangebote wie die Freilichtbühne immer mehr Menschen an, ganz besonders während der Corona-Krise, die dafür gesorgt hat, dass sich das kulturelle Leben zumindest teilweise in die Grünflächen verlagert hat. Voll wird es auch, weil es diverse Sportangebote im Park gibt, beispielsweise Rugby, Football, Tennis, Beachvolleyball, Fußball und Minigolf. Und schon 2019 äußerte der THC Horn-Hamm den Wunsch nach einer ganzjährigen Trainingsmöglichkeit für Tennisspieler und nach verbesserten Trainings- und Turnierbedingungen für Beachvolleyball.

Gutachten soll neue Ordnung in den Park bringen

Unter dem Strich heißt das: Auf den knapp 150 Hektar wird es zusehends enger. Deshalb hat der Bezirk Nord das Gutachten in Auftrag gegeben: Es soll neue Ordnung in den Park bringen. In den vergangenen Jahren hätten sich die Bedürfnisse der Besucher verändert, sagt Bart Brands. Ganz besonders augenfällig wird das jetzt, während der Corona-Krise: Plötzlich gibt es einen höheren Bedarf nach mehr Freiraum. Für Brands gilt: „Man muss den Park verändern, um ihn zu erhalten.“

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