Glosse

Eine Generationenfrage: Was zockst du, Alter?

Der Autor ist Redakteur im Onlineressort vom Hamburger Abendblatt

Der Autor ist Redakteur im Onlineressort vom Hamburger Abendblatt

Foto: Mark Sandten

Jeder vierte 50- bis 69-Jährige spielt täglich am Computer – mehr als die Jüngeren. Was unsere Eltern wohl sonst noch treiben?

Hamburg. „Du sollst doch nicht so viel zocken!“ „Nur noch fünf Minuten!“ Dieser Dialog kommt Ihnen bekannt vor? Dann lassen Sie mich kurz erklären, wer da wen ermahnt: Die angeblich dauerverdrahtete Nachwuchsgeneration ihre Eltern.

Glauben Sie nicht? Ich habe die Statistik auf meiner Seite: Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage spielt jeder Vierte der 50- bis 69-Jährigen täglich Computerspiele – in der Generation der 16- bis 29-Jährigen sagt das von sich nur jeder Siebte. Abgründe tun sich auf, die den üblichen Streitgesprächen zwischen Jung und Alt völlig neue Nahrung geben: der mysteriöse Schwund im Schnapsschrank? Vatis „Schlummertrunk“, mit dem man einen Zuchtbullen auf Tage hinaus sedieren könnte.

Ich falle genau in die Zock-Nicht-Zock-Alterslücke

Die grünen Brösel im Nachttisch der Tochter, von denen sie angeblich „keine Ahnung, ehrlich“ hat, wie die da hingekommen sind: Mutters verdienter Ausgleich für 365 Tage Dauertätigkeit als Familienmanagerin, Fahrdienst, Putzkolonne und Küchenbrigade. Der schon wieder leere Tank? Opa hat sich den Familienvan „geborgt“, um mit seiner neuen Flamme eine Spritztour zum nächsten barrierefreien Computerladen zu machen. Eine neue Grafikkarte muss her, will man dem jungen Gesindel auch weiterhin zeigen, wo bei „Call of Duty – Warzone“ die digitale AK-47 hängt.

So, nachdem ich nun einige der größten Rätsel der Erziehungsgeschichte gelöst (und einige Diskussionen am Multigenerationentisch ausgelöst) habe, kann ich mich selbst altersangemessener Unterhaltung widmen – wenn ich bloß wüsste, was ich tun soll: Ich falle genau in die Zock-Nicht-Zock-Alterslücke und schwanke zwischen einem guten Buch, einer lebensbejahenden Runde „Doom Eternal“ und einem Spaziergang. Ich glaube, ich frag mal meine Eltern …