Hamburg

S4: Baustart für neue S-Bahn-Linie noch in diesem Jahr?

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Matthias Popien
Diese Visualisierung der Deutschen Bahn zeigt die geplanten Lärmschutzwände entlang der neuen S-4-Strecke zwischen Hamburg und Bad Oldesloe, hier an der neuen Station Hamburg-Pulverhof.

Diese Visualisierung der Deutschen Bahn zeigt die geplanten Lärmschutzwände entlang der neuen S-4-Strecke zwischen Hamburg und Bad Oldesloe, hier an der neuen Station Hamburg-Pulverhof.

Foto: DB Netz AG

Die Pläne für den ersten Abschnitt der neuen S-Bahn-Linie in Wandsbek sind genehmigt. Was den Baustart jetzt noch verzögern könnte.

Hamburg. Der erste, schwierigste Schritt ist geschafft. Das Eisenbahnbundesamt hat die Pläne der Deutschen Bahn für den Bau der S-Bahn-Linie S 4 in dem dicht bebauten Gebiet zwischen Hasselbrook und Luetkensallee in Wandsbek genehmigt. Baubeginn soll in diesem Jahr sein. Allerdings nur dann, wenn niemand gegen den sogenannten Planfeststellungsbeschluss klagt, der sofort vollziehbar ist. Vier Wochen Zeit bleibt für eine Klageerhebung. Sie dürfte das Projekt um mindestens ein Jahr verzögern. Die „Bürgerinitiative an der Bahnstrecke Hamburg–Lübeck“ hat bereits angekündigt, vor Gericht ziehen zu wollen.

Die S 4 soll, wie berichtet, auf einem neuen Doppelgleis fahren und Ahrensburg (Kreis Stormarn) und Wandsbek mit dem Hauptbahnhof verbinden. Rund 1,847 Milliarden Euro kostet das Gesamtprojekt. 17 Kilometer lang ist die Strecke. Für den ersten Bauabschnitt von Hasselbrook bis Luetkensallee liegt nun die Genehmigung vor. Die Pläne für die beiden anderen Abschnitte werden derzeit noch vom Eisenbahnbundesamt geprüft. Sie gelten als deutlich weniger anspruchsvoll, weil sie durch weniger dicht bebautes Gelände führen.

Fünf neue S-Bahn-Stationen in Hamburg, eine in Ahrensburg

Die Linie S 4 soll bis Altona durchgebunden werden. Damit wird eine umstiegsfreie Fahrt von Ahrensburg bis Altona möglich. Für den Stadtteil Wandsbek wäre das eine deutliche Verbesserung. Mit dem Bau der S 4 wird es fünf neue S-Bahn-Stationen geben: in Hamburg an der Claudiusstraße, Bovestraße, Holstenhofweg und Am Pulverhof. In Schleswig-Holstein wird die Station Ahrensburg-West als zusätzlicher Haltepunkt gebaut.

Im Hamburger Senat wurde die Genehmigung für den ersten Abschnitt am Mittwoch mit Freude zur Kenntnis genommen. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sagte: „Mit der S 4 erhalten 250.000 Bürgerinnen und Bürger in Hamburg und Schleswig-Holstein erstmals einen komfortablen Anschluss an das Hamburger S- und U-Bahn-Netz. Zugleich werden der Eisenbahnfernverkehr und der Hamburger Hauptbahnhof entlastet.“ Der Bau der S 4 sei ein „wichtiger Baustein“ in der Strategie des Senats, den öffentlichen Nahverkehr in Hamburg auszubauen und einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz in Deutschland zu leisten.

S4 - "ein Riesengewinn für Pendler und Reisende"

Im Nachbarland Schleswig-Holstein wird das ähnlich gesehen. Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) sagte: „Wir werden die Menschen nur dann überzeugen, auf Bahn und Bus umzusteigen, wenn es gelingt, attraktive Angebote im öffentlichen Nahverkehr anzubieten. Die S 4 ist dabei ein Premium­angebot für die Menschen in Schleswig-Holstein und Hamburg. Im Ergebnis werden davon nicht nur Wirtschaft und Tourismus, sondern vor allem die Menschen in der Metropolregion davon profitieren.”

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Ronald Pofalla, Infrastrukturvorstand bei der Deutschen Bahn, sprach von einem „Meilenstein“. „Wir kommen vom Planen ins Bauen“, sagte er. „Mit der neuen Strecke verbessern wir das Angebot für den Nahverkehr in Hamburg deutlich – ein wichtiger Schritt, um noch mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern.“

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bezeichnete die S 4 als „riesiges Nahverkehrs-Zukunftsprojekt im Norden“. Der öffentliche Nahverkehr in und um Hamburg werde direkter, einfacher, pünktlicher. „Wir entlasten den Hauptbahnhof, und wir schaffen mehr Platz für den Fern- und Güterverkehr. Ein Riesengewinn für Pendler und Reisende“, so Scheuer.

Mit der S-Bahn nach Ahrensburg im Zehn-Minuten-Takt

Auch bei Ole Thorben Buschhüter war die Freude groß. Der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete aus Rahlstedt setzt sich seit 20 Jahren für das Projekt ein. „Das ist wirklich ein großer Schritt“, sagte er. Die weiteren Planfeststellungsverfahren würden nun zumindest in einem Punkt einfacher werden und schneller gehen: „Die Grundsatzfragen wie etwa die Prüfung von Alternativen sind nun geklärt“, so Buschhüter.

Geplant ist derzeit, bis 2025 die Strecke bis Rahlstedt in Betrieb zu nehmen. Etwa 2027/28 könnte der Abschnitt Rahlstedt–Ahrensburg folgen. Die Gesamtkosten von 1,847 Milliarden Euro übernimmt im Wesentlichen der Bund. Hamburg zahlt 230 Millionen Euro, Schleswig-Holstein 93,4 Millionen Euro. Die Deutsche Bahn wird 20 Millionen Euro in das Projekt einbringen. Unterschrieben ist diese Finanzierungsvereinbarung indes noch nicht. Aufgrund der Bedeutung der Strecke Hamburg–Lübeck für die gesamteuropäische Verkehrsinfrastruktur streben die Länder zudem eine Co-Finanzierung aus Fördermitteln der Europäischen Union an.

Nach derzeitigem Stand wird die S-Bahn zukünftig bis Ahrensburg im Zehn-Minuten-Takt fahren. Bis Bargteheide, dann auf den Gleisen der Regionalbahn, wird ein 20-Minuten-Takt angeboten, bis Bad Oldesloe ein 60-Minuten-Takt.

Das sind die Baupläne:

  • Während zwischen Altona und Hasselbrook sowie zwischen Ahrensburg-Gartenholz und Bad Oldesloe die vorhandene Infrastruktur genutzt wird, müssen auf der Strecke von Hamburg-Hasselbrook bis Ahrensburg-Gartenholz zwei neue S-Bahn-Gleise gebaut werden.
  • Auf Hamburger Gebiet werden vier neue Stationen gebaut: Zwischen Hasselbrook und Tonndorf sind die Stationen Claudiusstraße, Bovestraße, Holstenhofweg geplant und zwischen Tonndorf und Rahlstedt soll die Station Am Pulverhof entstehen. Auf Schleswig-Holsteiner Gebiet wird die S-Bahn-Station Ahrensburg-West gebaut.
  • Die gesamte Strecke wird mit elektrischen Oberleitungen beziehungsweise Gleichstrom-Schienen ausgestattet und erhält eine neue Leit- und Sicherungstechnik.
  • Rund 100 Millionen Euro sind für den Lärmschutz vorgesehen. In Hamburg werden davon fast zwei Drittel, in Schleswig-Holstein rund ein Drittel investiert.

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