Hamburg

So wird die "Peking" vom Veermaster zum Museumsschiff

Haben auf der „Peking“ das Ruder (hier: den Holm eines Gangspills) in die Hand genommen: Laura Lühnenschloß und Konstantin Jakobi.

Haben auf der „Peking“ das Ruder (hier: den Holm eines Gangspills) in die Hand genommen: Laura Lühnenschloß und Konstantin Jakobi.

Foto: Thorsten Ahlf

Fahrstühle, Toiletten, Licht- und Tonanlage sind schon eingebaut. Jetzt wird auf der Peters Werft zum Endspurt angesetzt.

Hamburg. Es ist ein bisschen wie bei einem Kind, das man nur ab und zu sieht. Jedes Mal ist es wieder ein Stück gewachsen, hat sich verändert. Bei den Besuchen der „Peking“ auf der Peters Werft ist es ähnlich. Jedes Mal ist der 1911 erbaute Frachtsegler einen großen Schritt weitergekommen auf seinem Weg von einem löchrigen Wrack zu einem stolzen, originalgetreu restaurierten Viermaster.

"Peking" wird "modernes" Museumsschiff

Mittlerweile ist auch seine Bestimmung als „modernes“ Museumsschiff in traditionellem Gewand erkennbar: Unübersehbar sind die gläsernen Aufbauten von Treppenhaus und Fahrstuhl, die sich über dem Deck erheben. Und im Inneren wurden bereits die aufwendige Ton- und Lichtanlage, Sanitärräume, Lüftung und Mitarbeiterräume eingebaut.

Die Ausrüstung zum Museumsschiff findet unter der technischen Leitung von Konstantin Jakobi und den Ingenieuren der ArGe Technolog/ Löll statt. Jakobi und seine Stellvertreterin Laura Lühnenschloß arbeiten für die Stiftung Historische Museen Hamburg (SHMH) und haben das Zepter von Joachim Kaiser übernommen, der für die Stiftung Hamburg Maritim die Restaurierung geleitet hat.

Rigg und Takelage für Frachtsegler

Auf der „Peking“ kennen sie sich bestens aus: Als Mitarbeiter der Hamburger Firmen Georg Albinius Boatbuilding & Rigging und Oevelgönner Tauwerkstatt haben sie bereits Rigg und Takelage für den Frachtsegler angefertigt – Maschinenbauingenieur Jakobi eher im technischen, Taklerin Lühnenschloß im handwerklichen Bereich.

Anders, als es bei Taklern sonst üblich ist, werden sie künftig nur für ein Schiff verantwortlich sein – und zwar für eines, an dem die Takelarbeiten eigentlich bereits abgeschlossen sind. Eine völlig neue Herausforderung für die beiden, aber alles andere als langweilig. „Momentan haben wir alle Hände voll zu tun“, sagt der 27-jährige Projektleiter. „Wir überwachen die Arbeiten zur Publikumsertüchtigung hier auf dem Schiff und am künftigen Liegeplatz im Hamburger Hafen.“

Dort, vor dem Hafenmuseum am Bremer Kai, wurde bereits Platz geschaffen für das 115 Meter lange Stahlschiff, indem Kräne, Barkassen und Museumsschiffe umgelegt wurden. Zudem wurde das Becken ausgebaggert. „Jetzt geht es darum, die Kaikante zu gestalten, die Anfahrtswege und die Besucherzugänge vorzubereiten, die Abfalllogistik zu planen und abzustimmen, wo Wasser, Abwasser und Strom verlegt werden“, sagt Laura Lühnenschloß (34). Auf der „Peking“ müssen die Tätigkeiten der Arbeiter koordiniert werden, die sich noch an vielen Stellen zu schaffen machen.

Originalgetreue Abdeckungen der Ladeluken

Auf dem Hauptdeck werden gerade die Abdeckungen der Ladeluken eingepasst, die – wie so vieles auf der „Peking“ – möglichst originalgetreu, doch den modernen Anforderungen entsprechend angefertigt wurden. Die Luken werden künftig nicht nur mit massiven Nadelholzbohlen bedeckt sein, sondern auch mit Lüftungsgittern, die bei Feuer für die Entrauchung sorgen.

Damit der Anblick der verzinkten Gitter auf dem Traditionsschiff nicht stört, wird eine Plane darüber befestigt, die sich im Brandfall automatisch zur Seite rollt. Parallel zu den Arbeiten an den Lukendeckeln hievt ein Kran Gerüstteile aus dem unteren Laderaum. „Die Aufräumarbeiten sind in vollem Gange“, sagt Jakobi. Tatsächlich bietet sich uns, als wir später nach unten aufs Zwischendeck steigen, zum ersten Mal ein von Gerüststangen unverstellter Blick durch den 85 Meter langen, kathe­dralenartigen Schiffsbauch.

Plastiküberzieher zum Betreten des Hochdecks

Auch die Laufbrücke, die die drei Hochdecks miteinander verbindet, sehen wir zum ersten Mal. Darunter, auf dem bereits abgeschliffenen, honigfarbenen Holzdeck aus Oregon-Pine, liegen Laufstraßen aus Spanplatten. Betreten darf es nur, wer blaue Plastiküberzieher trägt.

Außerdem wird das Holz, damit es keine Trockenheitsrisse bekommt, momentan alle zwei Tage gewässert. Sind da nicht die schwarzen Teerflecken, die an manchen Stellen das schöne Holz verunstalten, ärgerlich? „Nein“, sagt Jakobi. „Das ist die Labsalbe, die wegen der Hitze von den Stagen tropft. Bei Traditionsschiffen ist das so. Andernfalls hätten wir Edelstahldrähte nehmen müssen. Aber die ,Peking‘ ist ja ein Arbeitsschiff, keine Kunststoff-Yacht.“

"Peking" wird nicht mehr segeln

Segeln wird die „Peking“ künftig nicht mehr. Und schwere See würde das stählerne Schiff, das auf seinen Fahrten nach Chile und zurück 34-mal Kap Hoorn umrundet hat, auch gar nicht mehr überstehen. Zum einen war nie geplant, sie segeltüchig auszustatten. Zum anderen wurden für die Barrierefreiheit im Laderaum Durchlässe in die zwischenwandähnlichen Rahmenspanten geschnitten, die so den enormen Druck von Wind und Wellen nicht mehr abfangen könnten.

Der Weg nach unten führt jetzt nicht mehr über Bautreppen, sondern bequem über zwei Treppenhäuser, an deren Verglasung noch letzte Hand angelegt wird. Auch an den zwei Fahrstühlen wird noch gewerkelt. „Die erste TÜV-Abnahme haben sie aber schon hinter sich“, sagt Jakobi.

Auch die 400 Lampen, die digital gesteuert und versetzt werden können, sind bereits montiert. Meterweise Kabel liegen noch herum. Verlegt werden sie unauffällig entlang der Decksbalken. So, dass auch dieser Tribut an die moderne Nutzung der Imposanz der „Peking“ keinen Abbruch tut.