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1000 Gegner der Corona-Regeln protestieren am Jungfernstieg

Etwa 800 Gegner der Corona-Schutzmaßnahmen versammelten sich am Sonnabendnachmittag zu einer Kundgebung unter dem Motto "Mahnwache für das Grundgesetz" am Jungfernstieg.

Etwa 800 Gegner der Corona-Schutzmaßnahmen versammelten sich am Sonnabendnachmittag zu einer Kundgebung unter dem Motto "Mahnwache für das Grundgesetz" am Jungfernstieg.

Foto: Markus Scholz / dpa

Corona-Tag im Überblick: Strände überfüllt. Spanien-Rückkehrer stürmen Testzentrum am Flughafen. Fußballer fordern Lockerungen.

Hamburg. Kurz nachdem das Robert-Koch-Institut am späten Freitagnachtmittag Spanien mit Ausnahme der Kanaren zum Corona-Risikogebiet erklärt hatte, erlebte das Testzentrum am Hamburg Airport noch am Abend einen Ansturm: Vor der Teststation im „Terminal Tango“ bildete sich eine lange Schlange mit Reiserückkehrern. Auch am Sonnabend standen mehr als Hundert Menschen insbesondere aus Mallorca vor der Teststation Schlange.

Von einem Ansturm kann in Hamburger Kliniken hingegen keine Rede sein. Auch wenn die Zahl der Infizierten in den vergangenen Tagen wieder gestiegen ist, müssen nur wenige Corona-Patienten in einer Klinik behandelt werden. Unterdessen protestierten in der Hamburger Innenstadt Hunderte Menschen gegen die Maßnahmen der Bundesregierung zur Eindämmung der Pandemie.

Lesen Sie hier alle Nachrichten zu Corona am Sonnabend, 14. August:

Schleswig-Holstein meldet 14 Corona-Neuinfektionen

In Schleswig-Holstein ist die Zahl der Corona-Infizierten innerhalb eines Tages um 14 gestiegen. Wie die Landesregierung mitteilte, wurden bisher – Stand Sonnabendabend – insgesamt 3782 Corona-Fälle im nördlichsten Bundesland registriert. Im Zusammenhang mit dem Coronavirus starben 158 Menschen, diese Zahl hat sich nicht erhöht.

Im Krankenhaus werden 19 Corona-Patienten behandelt. Rund 3300 der seit Beginn der Pandemie in Schleswig-Holstein nachweislich mit Sars-CoV-2 Infizierten gelten laut Landesregierung inzwischen als genesen.

Hamburgs Fußballer fordern Ende der Corona-Beschränkungen

Hamburg ist inzwischen das letzte Bundesland, in dem der Ball noch nicht wieder frei rollen darf. Am Freitag hatte der letzte Verbündete Schleswig-Holstein die Corona-Beschränkungen weitgehend aufgeweicht. Vom nächsten Mittwoch an können Fußballer, Handballer und andere Teamsportler mit ihren Amateurvereinen in die neue Saison starten. Auch Trainings- und Wettkampfspiele sind dann wieder erlaubt.

Der Hamburger Fußball-Verband (HFV) sieht sich und seine in der Stadt ansässigen Vereine dadurch klar benachteiligt und fordert Hamburg auf nachzuziehen. Präsident Dirk Fischer forderte den Senat auf, auf seiner Sitzung am kommenden Dienstag „den Beginn des Mannschaftstrainings und Testspiele ab dem 20. August zu genehmigen, damit auch der Saisonbeginn im NFV in den Regionalligen der Herren, Frauen und Junioren und im HFV ab dem 5./6. September möglich wird".

In Hamburg dürfen Amateursportler in Gruppen zu höchstens zehn Personen trainieren. Sollte diese Regel wie geplant bis mindestens 1. September gelten, müsste der Beginn des Spielbetrieb auf Mitte September verschoben werden, warnt der Verband. Auch der Start der Regionalliga Nord ist gefährdet.

1000 Kritiker der Corona-Maßnahmen protestieren am Jungfernstieg

Rund 1000 Menschen haben am Sonnabend in der Hamburger Innenstadt gegen Maskenpflicht und die Corona-Politik von Bund und Ländern demonstriert. Die Polizei zählte bei hochsommerlichen Temperaturen am Nachmittag auf dem Jungfernstieg rund 900 Protestler, doch auch auf den breiten Bürgersteigen rechts und links mischten sich Sympathisanten, Unterstützer, Gegner, Neugierige und unbeteiligte Passanten in großer Zahl.

Die Anliegen der Kundgebenden blieben zumindest in den Redebeiträgen eher verschwommen. Oft ging es darum, dass die Demonstration stattfinden könne und sich die Veranstalter darüber sehr freuten, dass es schon zuvor eine Demonstration gegeben habe (am 1. August in Berlin) – und demnächst eine weitere geplant ist (am 29. August wiederum in Berlin).

Auch Frl. Menke, ein Neue-Deutsche-Welle-Star der 80er-Jahre („Hohe Berge“), war bei der „Mahnwache für das Grundgesetz“ dabei. Sie könne nicht gut reden, sagte die 59-Jährige und sang stattdessen das Volkslied „Die Gedanken sind frei“. Verschiedene Redner betonten die Friedfertigkeit und Dialogbereitschaft der Initiative „Querdenken“ und erklärten, die Corona-Maßnahmen in Deutschland verstießen gegen mehrere Artikel des Grundgesetzes.

Gesichtsmasken trug kaum einer der Demonstranten. Und je länger die Veranstaltung dauerte, desto kürzer wurden die Abstände der Teilnehmer zueinander. Schließlich bat die Polizei, die Kundgebung zu beenden, da die Auflagen nicht mehr eingehalten würden. Die Veranstalter reagierten darauf, indem sie die Demonstranten sich neu aufstellen ließen – mit Erfolg: Die Demo durfte fortgesetzt werden.

525 Teilnehmer hatte der Veranstalter zuvor zu der sogenannten Querdenken-Demonstration angemeldet. Einige schwarz gekleidete Gegendemonstranten versammelten sich um eine schwarz-rote Antifa-Fahne, vermummt mit schwarzem Mund-Nasen-Schutz. Aus ihrer Reihe erklangen „Haut ab, haut ab“-Sprechchöre, sie konnten die Versammlung jedoch nicht stören.

Strandampel: Strände in Niendorf und Timmendorfer Strand gesperrt

Am Sonnabendnachmittag waren an der Ostsee mehrere Strandabschnitte wegen zu vieler Besucher gesperrt. In Niendorf und Scharbeutz wurden auf zahlreiche Strände keine Gäste mehr gelassen. Laut der Strandampel waren nur noch vereinzelt Plätze frei. Lediglich der Strandabschnitt 1–8 in Scharbeutz hatte gegen 15 Uhr noch so viele Plätze frei, dass die Ampel dort noch auf Grün stand. Eine Stunde später stand die Ampel schon auf Gelb. Das bedeutet, dass es nur noch wenige Plätze gab und einzelne Abschnitte bereits gesperrt waren.

In Haffkrug, Sierksdorf, Neustadt und Pelzerhaken war die Strandampel schon früher auf Gelb geschaltet. Für den Stand in Rettin zeigte die Strandampel am Nachmittag hingegen Rot.

Test vor Abflug am Flughafen Hamburg ab kommenden Woche möglich

Am Hamburg Airport eröffnet kommende Woche ein zweites Corona-Testzentrum. Laut NDR wird es von einem privaten Anbieter betrieben, der auch in Frankfurt am Flughafen Corona-Tests anbietet. Urlauber haben die Möglichkeit, sich im Hamburger Flughafen vor dem Abflug auf das Coronavirus testen lassen.

Reisende könnten so eine Quarantäne am Zielort vermeiden, die bei der Einreise in einigen Ländern vorgeschrieben ist. Laut NDR sollen die Ergebnisse des Rachenabstrichs nach etwa sechs Stunden vorliegen.

Corona-Krise sorgt für mehr Anfragen bei Verbraucherzentrale

Die neue Verbraucherschutzsenatorin Anna Gallina (Grüne) hat sich am Freitag ein Bild von der Arbeit der Verbraucherzentrale gemacht. Fast 35.000 Kontakte zu Ratsuchenden verzeichnete die Institution mit Beginn der Corona-Pandemie im März bis einschließlich Ende Juli 2020. Zukünftig soll es mehr digitale Informations- und Beratungsangebote geben. In der Corona-Krise kämen viele Fragen geballt auf die Verbraucher zu, sagte Gallina. Die Verbraucherzentrale könne in solchen Fällen Orientierung bieten und den Bürgern konkret helfen.

Um Verbrauchern trotz Kontakteinschränkungen weiterhelfen zu können, baute die Verbraucherzentrale ihre telefonische Erreichbarkeit aus und veröffentlichte fast tägliche neue Meldungen auf ihrer Internetseite. Rund 400.000-mal wurden die entsprechenden Artikel abgerufen. Vor allem das Thema Reisen, aber auch abgesagte Veranstaltungen, Ärger mit laufenden Verträgen, fehlende Krankenversicherungen und sinnvolle Hygienemaßnahmen bewegten die Menschen in den zurückliegenden Monaten. Aktuell führen Fluggesellschaften und deren schlechte Zahlungsmoral zu zahlreichen Beschwerden

28 Neuinfektionen in Hamburg – weniger Corona-Patienten in Kliniken

In Hamburg sind den Gesundheitsbehörden am Sonnabend 28 Corona-Neuinfektionen gemeldet worden. Damit steigt die Zahl der bislang mit Sars-CoV-2 infizierten Hamburger auf 5877. Laut Robert-Koch-Institut gelten davon 5100 als wieder geheilt. 231 Hamburger sind bislang an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben.

Einen Rückgang gibt es bei der Zahl der Corona-Patienten, die in Krankenhäusern behandelt werden müssen. Während am Freitag laut Behörde 20 Covid-19-Erkrankte in einem Hamburger Krankenhaus behandelt werden müssten, waren es am Sonnabend nur noch 15 Menschen (davon zehn aus Hamburg). Neun der 15 Corona-Patienten mussten auf einer Intensivstation versorgt werden (sieben aus Hamburg).

Ansturm auf das Corona-Testzentrum am Hamburger Airport

Am Hamburger Flughafen in Fuhlsbüttel hat sich am Sonnabend vor dem Corona-Testzentrum im „Terminal Tango“ eine lange Schlangen mit Reiserückkehrern gebildet. Am Freitagabend hatte das Robert-Koch-Institut Spanien zum Coronavirus-Risikogebiet erklärt. Nur die Kanaren sind von der Regelung ausgenommen.

Am Sonnabend sollen bis zum späten Abend neun Flieger aus spanischen Risikogebieten am Hamburg Airport landet, davon sechs aus Palma de Mallorca. Alle Reisendende aus Risikogebieten müssen sich beim Gesundheitsamt melden und sind verpflichtet, sich unverzüglich und auf direktem Weg in häusliche Quarantäne zu begeben (§ 35 HmbSARS-CoV-2-EindämmungsVO).

Von der Quarantäne kann nur mit einem anerkannten, negativen Testergebnis abgesehen werden. Reiserückkehrern aus Corona-Risikogebieten steht dafür das vom Deutschen Roten Kreuz betriebene Testzentrum am Flughafen zur Verfügung. Ferner gibt es zwei Testzentren der Kassenärztliche Vereinigung Hamburg in Farmsen und Altona.

Am Sonnabendnachmittag hat sich zeitweise eine Schlange von bis zu 200 Reisenden vor der Teststation gebildet. Die Menschen nahmen die verschärften Regeln jedoch gelassen, auch wenn einige erst im Flieger erfahren haben, dass für sie nun schärfere Regeln gelten.

Auch Rettungsschwimmer müssen wegen Corona Abstand halten

Die Rettungsschwimmer an der Ostsee stecken in diesem Sommer in einem Dilemma. Die Abstandsregeln wegen der Corona-Pandemie erschwerten die Rettungseinsätze, sagte Hans-Jörg Andonovic-Wagner von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Lübeck-Travemünde. Außerdem seien viele der Wachstationen nicht mit der vollen Personalstärke besetzt, da eine Reihe von ehrenamtlichen Rettern aus Angst vor einer Infektion ihren Einsatz abgesagt hätten. Probleme bei Rettungseinsätzen habe es aber trotz der vollen Strände der vergangenen Tage nicht gegeben, sagte Andonovic-Wagner.

Auch am Strand von Warnemünde in Mecklenburg-Vorpommern achten die Rettungsschwimmer der DRK-Wasserwacht bei ihren Einsätzen auf Abstand. Wenn sich enger Patientenkontakt nicht vermeiden lasse, gebe es Masken, Handschuhe und Schutzkittel für die Helfer, sagte deren Chef Lukas Knaup. Sorgen bereitet der Wasserwacht dagegen die Aggression gegenüber den Rettungsschwimmern. Das gehe bis zur Androhung von Schlägen, sagte der Chef der DRK-Wasserwacht in Mecklenburg-Vorpommern, Thomas Powasserat.

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum, und halten Sie mindestens 1,50 Meter Abstand zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an Ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

Kliniken könnten zehnmal so viele Corona-Patienten behandeln

Fünf Monate nach dem Anfang der Corona-Pandemie arbeiten Hamburgs Krankenhäuser in einer neuen Form des Normalbetriebs. Aufgeschobene Operationen und Behandlungen würden nachgeholt, doch könnten unter der anhaltenden Corona-Gefahr nicht alle Betten belegt werden, sagte Claudia Brase, Geschäftsführerin der Hamburgischen Krankenhausgesellschaft. „Die Pandemiemaßnahmen erfordern mehr Aufwand und lassen eine normale Auslastung nicht zu“, sagte sie. Das Leistungsangebot der 35 Krankenhäuser werde jedoch vollständig vorgehalten. Die medizinische Versorgung der Bevölkerung sei gesichert.

Mit Blick auf 12.500 Krankenhausbetten und rund 15 stationär (davon 10 Hamburger, Stand 15. August) behandelten Covid-Patienten seien die Krankenhäuser durch die unmittelbare Behandlung von Pandemie-Opfern nicht mehr stark belastet. Auch die zehnfache Zahl von Covid-Patienten wäre gut zu schaffen. „Wir haben aber Respekt und stehen auf Standby“, sagte Brase. „Die Pandemie ist nicht vorbei und es hängt vom Verhalten der Bevölkerung ab, wie sich die Infektionen ausbreiten.“

Dänemark schafft Sechs-Tage-Regel für Einreisende ab

Touristen müssen bei der Einreise nach Dänemark künftig nicht mehr nachweisen, dass sie mindestens sechs Übernachtungen im Land gebucht haben. Die Regierung und die Parlamentsparteien einigten sich am Freitag nach stundenlangen Verhandlungen darauf, die umstrittene Sechs-Tages-Regel abzuschaffen.

Deutsche Touristen dürfen seit Mitte Juni wieder nach Dänemark einreisen. Sie und Reisende aus mehreren anderen europäischen Ländern mussten bislang jedoch sechs Übernachtungen etwa in einem Hotel oder auf einem Campingplatz vorweisen, um ins Land gelassen zu werden. Einwohner Schleswig-Holsteins waren von dieser Regel ausgenommen.

Coronavirus: Das müssen Sie über Fachbegriffe wissen

  • Coronavirus: Eine Klasse von Viren, zu denen der neuartige Erreger gehört
  • Sars-CoV-2: Die genaue Bezeichnung des Virus, das sich von China aus verbreitet
  • Covid-19: Die Erkrankung, die das Virus auslöst

Lesen Sie hier den Corona-Newsblog von Freitag, 14. August