Rathauspassage

„Sozialer Hafen“ mit Blick auf das Alsterfleet

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Friederike Ulrich
In Hamburgs guter Stube:  Björn Dobbertin (Leiter Rathauspassage, v.l.), Astrid Nissen-Schmidt und Norbert Aust (Handelskammer) und Gudrun Stefaniak (passage GmbH).

In Hamburgs guter Stube: Björn Dobbertin (Leiter Rathauspassage, v.l.), Astrid Nissen-Schmidt und Norbert Aust (Handelskammer) und Gudrun Stefaniak (passage GmbH).

Foto: Marcelo Hernandez

Die Rathauspassage wird umgebaut - mit neuen Angeboten besonders für Langzeitarbeitslose und einer tollen Gastronomie mit Alsterblick.

Hamburg. Seit mehr als 20 Jahren schlägt Hamburgs soziales Herz unter dem Rathausmarkt eher im Schatten. Von den meisten Passanten in der City kaum wahrgenommen, eilen hier viele lediglich auf dem Weg zur S-Bahn vorbei. Doch jetzt strebt die Rathauspassage ans Licht. Derzeit wird das Sozialprojekt mit Antiquariat, Hamburg-Info und Bistro für knapp 4,5 Millionen Euro umgebaut: 600.000 Euro sind bereits vorhanden, 2,6 Millionen Euro übernimmt die Stadt. Die restlichen 1,2 Millionen Euro sollen durch Spenden und den Verkauf von „Empathie-Aktien“ für je 100 Euro aufgebracht werden.

In einer kleinen Feierstunde wurden am Dienstag Banner zur Spendenkampagne am Bauzaun befestigt. „Wir sind seit mehr als 20 Jahren Anlaufstelle, Arbeitgeber und Wohlfühlort für Menschen, die lange arbeitslos waren“, sagte Gudrun Stefaniak, Geschäftsführerin der passage GmbH. Nach dem Umbau werde der Ort mit attraktiven Veranstaltungen und Qualitätsgastronomie einzigartig für Hamburger und Touristen sein – „der soziale Hafen der Hansestadt“. Björn Dobbertin, Leiter der Rathauspassage, ergänzte: „Nach den vielen Hiobsbotschaften aus der City ist es ein schönes Signal, dass die Innenstadt künftig durch ein besonderes Projekt speziell für Langzeitarbeitslose bereichert wird.“

Frisch gestalteter Eingang im Bereich Reesendamm

Als Zeichen ihrer Unterstützung nahmen auch Handelskammer-Präses Norbert Aust und seine Stellvertreterin Astrid Nissen-Schmidt teil. „Hamburgs Wirtschaft übernimmt seit Generationen Verantwortung für ein lebendiges Gemein­wesen und wird das auch künftig tun“, betonte Aust. Aktuell stehe jedoch bei einigen Unternehmen weniger Geld für Spenden und Sponsoring zur Verfügung – daher wäre es erfreulich, wenn möglichst viele Hamburgerinnen und Hamburger die Rathauspassage durch Spenden unterstützen würden.

Nach der Eröffnung der Rathauspassage, die sich coronabedingt vom Frühjahr in die zweite Jahreshälfte 2021 verschiebt, werden sich die neuen Räumlichkeiten dank eines Durchbruchs zur Kleinen Alster hin hell und einladend präsentieren und – zu Füßen des Kriegerdenkmals und vis-à-vis der Alsterarkaden – deutlich wahrnehmbar sein. Die auf 1000 Quadratmeter angewachsenen Fläche wird weiterhin eine Buchhandlung mit Hamburgs längstem Bücherregal (145 Meter), einen Charity-Shop, eine Hamburg-Info (mit Stempelstelle für Jakobsweg-Pilger) und Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose bieten. Neu dazu kommen ein frisch gestalteter Eingang im Bereich Reesendamm sowie, zu Füßen des Kriegerdenkmals zum Fleet hin gelegen, eine Gastronomie mit Außenplätzen.

Rathauspassage befindet sich knapp einen Meter unter dem Wasserspiegel

„Anders als bisher möchten wir hier nicht nur Snacks anbieten, sondern Frühstück, Kaffee und Kuchen sowie modern interpretierte Hamburger Traditionsgerichte“, so Passage-Geschäftsführerin Stefaniak bei einer Besichtigung der Baustelle. Sie öffnet die Tür zu den ehemaligen Räumlichkeiten, die – bis auf den 2019 eröffneten „Charity-Laden“ – komplett entkernt worden sind. Der Durchbruch zum Alsterfleet ist bereits fertig, sogar die Fenster sind schon eingebaut. Eigentlich bodentief konzipiert, schweben sie noch in etwa 1,50 Meter Höhe. Die Rathauspassage befindet sich knapp einen Meter unter dem Wasserspiegel, der Gastronomiebereich wird daher entsprechend angehoben.

Coronavirus – die Fotos zur Krise

„Wir bauen hier über die gesamte Länge einen Podest mit Sitz- und Gehstufen“, erklärt Gudrun Stefaniak. Dann weist sie auf zwei Glastüren zwischen den Fenstern, durch die die Gäste später auf den etwa drei Meter breiten Balkon direkt am Wasser gelangen werden. Sein Metallgitter wird denen der benachbarten Treppenanlage entsprechen: Es stammt noch aus der Bauzeit um 1840 und war aufgehoben worden.

Mehr Aufenthaltsqualität

Noch sind deren Treppenstufen der Anlage von Unrat und Taubenkot verdreckt. Doch geht es nach den Vorstellungen von Gudrun Stefaniak und ihrem Team, soll hier in Zukunft mehr Aufenthaltsqualität herrschen: Die passage GmbH könnte die Treppenanlage sauber halten und dort zudem einen Außer-Haus-Service anbieten. „Speisen und Getränke könnten dann nicht nur im Bistro, sondern auch den mit Sitzkissen ausgelegten Treppenstufen verzehrt werden“, so die Geschäftsführerin, die dazu bereits Gespräche mit den Behörden führt.

Wie die Innengestaltung genau aussehen wird, stehe noch nicht fest. „Holz könnte mit seiner Maserung zu unruhig aussehen, Beton ist zu empfindlich. Da wir großen Wert auf Nachhaltigkeit legen, könnten wir uns aber einen Boden aus Kautschuk sehr gut vorstellen.“ Bis auf Podest, Balkon und Stufen soll in der übrigen Passage Barrierefreiheit herrschen. Ermöglich wird das durch den von der Hochbahn geplanten barrierefreien Ausbau der Haltestelle Rathaus, der 2022 abgeschlossen sein soll. Neben Fahrstühlen ist auch eine „Aufrüstung“ der von der passage GmbH betriebenen Toilettenanlage im Gespräch.

Baustellenbesichtigung exklusiv für Abendblatt-Leser

Anstoß für den Komplett-Umbau der Räumlichkeiten unter dem Rathausmarkt war ein lange unentdeckter Wasserschaden, der durch Kondenswasser aus einer falsch eingebauten Klimaanlage verursacht wurde. Nachdem 2012 das Ausmaß des Schadens deutlich geworden war, der den gesamten Fußboden betraf, gab es zunächst nur Überlegungen für eine Sanierung der 1997 errichteten Räume. Dann lieferte ein Wettbewerb, an dem sich Stadtplanungssudenten der HafenCity Universität beteiligten, die zündende Idee. „Der Siegerentwurf sah zum ersten Mal eine Öffnung zum Alsterfleet hin vor“, sagt Gudrun Stefaniak. „Darauf war vorher noch nie jemand gekommen.“

Um die benötigten Spenden einzutreiben, sollen in den kommenden Monaten immer wieder Veranstaltungen rund um die Rathauspassage stattfinden. „Wir planen beispielsweise im kommenden Frühjahr eine Charity-Auktion in Kooperation mit dem Bucerius Kunst Forum“, sagt Fundraiser Jorg Foitzik von der Agentur Uniconcepts. Jeder kann die Rathauspassage unterstützen. Am 4. September haben Leser des Hamburger Abendblatts die Möglichkeit, an einer exklusiven Veranstaltung teilzunehmen – Baustellenbesichtigung, Insiderinfos und Empathie-Aktie inklusive.

Nähere Informationen und Tickets gibt es auf abendblatt.de/leserevents, unter der Nummer040/30 30 98 98 oder in der Hamburger Abendblatt-Geschäftsstelle am Großen Burstah.

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