Hamburg

Messerangriff auf Seniorin: wieder lebenslange Haft

Die Angeklagte neben ihrem Anwalt Johannes Santen. Der beinahe tödliche Messerangriff auf eine 93-jährige Frau in Hamburg-Poppenbüttel wird erneut vor dem Hamburger Landgericht verhandelt.

Die Angeklagte neben ihrem Anwalt Johannes Santen. Der beinahe tödliche Messerangriff auf eine 93-jährige Frau in Hamburg-Poppenbüttel wird erneut vor dem Hamburger Landgericht verhandelt.

Foto: Christian Charisius/dpa

Die ehemalige Altenpflegeschülerin soll mit "außerordentlicher Brutalität" vorgegangen sein. Das sagt der Verteidiger der 41-Jährigen.

Hamburg. Auch im zweiten Anlauf vor dem Landgericht Hamburg ist die Angeklagte Miriam M. (41) wegen versuchten Mordes an einer 93 Jahre alten Rentnerin zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Die Schuldige aus Norderstedt hatte ihrem Opfer mit einem Messer 32 Stich- und Schnittwunden zugefügt und Bargeld in Höhe von 405 Euro erbeutet. Der Notrufknopf an ihrer Halskette rettete der zuvor agilen Seniorin das Leben. Heute sitzt die Geschädigte im Rollstuhl und steht unter ständiger Pflege.

Messerangriff – wie durch ein Wunder überlebte die Seniorin

Die Vorsitzende Richterin Birgit Woitas sprach bei der Urteilsverkündung von der „hohen kriminellen Energie“, die von der Angeklagten ausgehe. „Sie verbringen den ganzen Tag im Bett, schütten sich mit Drogen voll und schaffen es dann aber doch die Tat zu planen“, sagte sie. „Das Absurde“ sei der geringe Betrag, für den solch ein Verbrechen begangen wurde. Die Angeklagte habe kaum davon ausgehen können, mehr Geld zu erbeuten. Deshalb verkündete sie: „Wir können nicht anders, als (die Strafe) nicht zu mindern.“

Reue, ein weitgehendes Geständnis, psychische Probleme, die persönliche Notsituation – das alles habe zwar für die 41-Jährige gesprochen. Doch die negativen Punkte waren nach Ansicht des Gerichts zu stark. Die Verletzungen seien so gravierend gewesen, dass es an ein Wunder grenze, dass die Seniorin überlebt habe, sagte Woitas weiter.

Messerangriff: Angeklagte weint vor Gericht

Trotzdem fügte die Richterin dem Urteilsspruch eine Passage hinzu: Die Angeklagte sei „therapiewillig und therapiebedürftig“. Darauf hatten die reumütige Miriam M. und ihr Verteidiger bestanden. „Meine Mandantin braucht eine Perspektive. Sie ist krank“, forderte Anwalt Johannes Santen. Er bemängelte beim ersten Verfahren, dass kein zweites psychisches Gutachten erstellt wurde. Dieses hätte strafmindernd wirken können. Die Angeklagte sagte unter Tränen: „Ich wollte nicht, dass jemand stirbt. Es belastet mich, dass ich als Monster dargestellt werde.“

Seit mehr als zwei Jahren sitzt die Frau in Untersuchungshaft. Sie wolle gerne eine Therapie beginnen, versicherte sie. Frühere Versuche hatte sie abgebrochen.

Die Bilder der Messerattacke im Pflegeheim:

Wie Miriam M. ihre Tat plante

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, eine Revision ist möglich. Nach der ersten Verurteilung hatte der Bundesgerichtshof bemängelt, dass mildernde Umstände nicht ausreichend abgewogen worden seien. Am Tathergang ließen die Bundesrichter keinen Zweifel, Miriam M. bereitete sich darauf vor. In Internetsuchmaschinen tippte sie „Türen leise aufbrechen“ und „Menschen töten leicht gemacht“ ein. Wenige Minuten nach der Tat, noch bevor die Presse berichtete, suchte sie online nach „tote Rentnerin Wohnung Hamburg“. Ein Überwachungsvideo identifizierte die Angeklagte, deren Kleidung später zusammen mit Gummihandschuhen und dem Portemonnaie der Geschädigten in einem Müllsack gefunden wurde.

Damit hatte sich die Angeklagte des versuchten Mordes, des besonders schweren Raubes, der gefährlichen Körperverletzung und weiterer Straftaten schuldig gemacht. Es musste ein neuer Prozess um das Strafmaß beginnen. „Es tut mir unendlich leid“, sagte die ehemalige Altenpflegeschülerin in ihrem sogenannten letzten Wort. „Ich bin kein eiskalter Mensch.“