Corona-Pandemie

Kommt das Abiturzeugnis in Hamburg mit der Post?

| Lesedauer: 7 Minuten
Elisabeth Jessen
Kommende Woche laufen noch schriftliche Abiprüfungen, die mündlichen folgen Anfang Juni.

Kommende Woche laufen noch schriftliche Abiprüfungen, die mündlichen folgen Anfang Juni.

Foto: picture alliance / dpa

Feierliche Abschiede fallen in diesem Sommer aus. Schulen überlegen Alternativen in Zeiten der Kontaktbeschränkungen.

Hamburg. Mit dem Abitur geht für junge Menschen ein großer Lebens­abschnitt zu Ende. Zwölf oder 13 Jahre sind sie zur Schule gegangen, und nun endet ihre Schullaufbahn deutlich weniger glamourös als üblich. Die Abi-Entlassungsfeiern in den Schulen wird es in der gewohnten Form nicht geben können, und auch Abibälle dürfen wegen der Kontaktbeschränkungen nicht stattfinden. Außerdem gilt für Zehntklässler, die die Mittlere Reife jetzt ablegen, dass sie ein recht glanzloses Ende ihres Schülerdaseins hinnehmen müssen.

„Tatsächlich beschäftigen sich Kolleginnen und Kollegen im Amt für Bildung derzeit mit der Frage, wie der Abschluss des laufenden Schuljahres, aber auch der Anfang des Schuljahres 2020/21 für die Schülerinnen und Schüler unter den gegebenen Bedingungen bestmöglich gestaltet werden kann“, sagt Peter Albrecht, Sprecher der Hamburger Schulbehörde. Zum jetzigen Zeitpunkt sei nicht absehbar, wie die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie zum Zeitpunkt der Abiturentlassungen Mitte Juni sein wird und welche Beschränkungen dann wirksam sein werden.

Zeugnis-Zustellung durch Briefträger ist unpersönlich

„Lockerungen sind bis dahin durchaus möglich, sodass gegebenenfalls bei Einhaltung der Mindestabstände und sonstigen hygienischen Vorgaben kleinen Schülergruppen Entlassungszeugnisse übergeben werden könnten“, sagt Albrecht. Es gebe zu diesen Fragestellungen auch einen Austausch mit den Schulleitungen. Nach jetzigem Stand seien für die Übergabe der Abiturzeugnisse nur Veranstaltungen mit wenigen Abiturienten denkbar, aber ohne Familie. Das bedeutet, dass Eltern, Großeltern oder Geschwister der etwa 9800 Abitur-Prüflinge nicht oder nur sehr eingeschränkt dabei sein können, wenn diese ihr Reifezeugnis erhalten.

Am Gymnasium Ohmoor in Niendorf beispielsweise überlegt Schulleiterin Gudrun Müller gemeinsam mit dem Oberstufenkoordinator einen Ausweg, der etwas persönlicher ist als eine Zustellung durch den Briefträger. „Wir haben das feste Ziel, dass wir das Zeugnis nicht per Post verschicken müssen“, sagt Müller. Denkbar sei beispielsweise, dass die Schüler der jeweiligen sechs Profile in kleinen Gruppen verabschiedet würden. Jeder Schüler sei beim Schulstart am Gymnasium mit einer Blume begrüßt worden und solle auch mit einer Blume verabschiedet werden. „Wir überlegen auch, ob eine Fotografin an dem Tag kommt und wir den Schülern diese Fotos schenken“, sagt Müller. Natürlich könne es keine Gruppenfotos geben.

Verleihung der Abiturzeugnisse im Stream?

Auch am Gymnasium Eppendorf soll die Übergabe der Abiturzeugnisse trotz allem etwas Besonderes werden. „Wir werden in irgendeiner Form eine feierliche Übergabe machen“, sagt Schulleiterin Maike Languth. So sei denkbar, diese Feier im Innenhof des Neubaus zu veranstalten. Die 80 Schüler der fünf Profile könnten dann einzeln vortreten und ihr Zeugnis entgegennehmen. Denkbar sei zudem, die Verleihung zu streamen, damit Familienmitglieder zu Hause die Feier virtuell miterleben können. Auch die Abireden könne man verschicken.

„Die Abiturienten haben auf alles Mögliche verzichten müssen“, sagt Languth. Für die Zehntklässler und Abiturienten der Ida-Ehre-Schule in Eimsbüttel will Schulleiterin Nicole Boutez auf jeden Fall einen festlichen Abschluss mit einem würdigen Rahmen sicherstellen. „Wir werden die Klassen und Profile in Zehnergruppen aufteilen und jeweils in der Aula der beiden Standorte verabschieden.“

Teilnahme der Eltern leider nicht möglich

Die Eltern könnten dabei sein, aber mehr an Familie sei leider nicht möglich, sagt die Leiterin der Stadtteilschule. „Da kommt eine Schülerin mit einem Einhornranzen und angeschrammten Knien zu uns, und neun Jahre später haben wir eine junge Frau gegenüber“, sagt Boutez, das sei auch für Lehrer ein hochemotionaler Moment, den man gebührend begehen müsse – natürlich unter Einhaltung der Hygienevorschriften und Abstandsregeln.

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Auch Oliver Lech, Leiter der Gyula-Trebitsch-Schule Tonndorf, sagt, die Zeugnisübergabe in großem Maßstab sei zwar abgesagt, aber solange die Behörde keine Einwände habe, werde man klassenweise unter Einhaltung des Mindestabstands das Zeugnis feierlich übergeben. Immerhin seien an der Schule etwa 110 bis 120 Schüler, die ihre Mittlere Reife absolvieren, und etwa 110 Abiturienten. Die Teilnahme der Eltern sei leider nicht möglich.

Suche nach Alternativterminen

Und auch wenn die jungen Leute nach bestandener Prüfung allen Grund hätten, beim Abiball kräftig gemeinsam zu feiern, wird das fürs Erste nichts, denn Großveranstaltungen sind bis 31. August verboten. „Wir haben 33 gebuchte Abibälle“, sagt Marcel Klangwart, geschäftsführender Gesellschafter von Abiconnection­. Bislang habe noch keine Schule abgesagt, sagt der Firmenchef, dessen Unternehmen nach eigenen Angaben der größte Anbieter von Abibällen in Hamburg ist. Er führe viele Gespräche mit Eltern, Elternvertretern und Mitgliedern der Abiball-Komitees, sagt Klangwart, alle hätten Verständnis für die schwierige Situation.

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Man versuche nun, gemeinsam Alternativtermine zu finden. Klangwart, der die Feiern beispielsweise im Edelfettwerk und auf der Trabrennbahn Bahrenfeld veranstaltet, appelliert an Schüler und ihre Eltern, nicht massenhaft zu stornieren. „Die Arbeit, die bisher angefallen ist, die muss bezahlt werden“, sagt der Firmenchef, dessen 40 Mitarbeiter in Kurzarbeit sind.

Auch mit dem zweiten Standbein des Unternehmens, acht Geschäften für Abendgarderobe – davon eines in Hamburg – sei derzeit kein Geld zu verdienen. Seit Mitte März sei es quasi zum Stillstand gekommen. Auch über den Onlineshop, den er eingerichtet hat, werde nur sehr wenig verkauft. Wer kauft in diesen Zeiten schon ein Abendkleid für einen Ball, von dem man nicht weiß, wann und ob er stattfindet. Sollten dennoch massenhaft Absagen kommen, daran lässt Klangwart keinen Zweifel, dann wäre das finanziell für das Unternehmen nur schwer verkraftbar.

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum und halten Sie Abstand von mindestens 1,50 Metern zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

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