Hamburg

Sommersemester 2020 startet mit rein digitaler Lehre

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Insa Gall
Das Sommersemester 2020 soll digital starten: Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne)

Das Sommersemester 2020 soll digital starten: Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne)

Foto: Roland Magunia/Hamburger Abendblatt

Präsenzveranstaltungen könnten später möglich werden. Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank erklärt, wie das geht.

Hamburg. Nach der Verschiebung des Semesterstarts 2020 soll der Lehrbetrieb an Hamburgs Hochschulen am 20. April beginnen – allerdings zunächst in digitaler Form. Überlegungen, den Start nochmals zu verschieben oder das Semester gar ganz ausfallen zu lassen, sind damit vom Tisch.

Im Interview erklärt Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) die Beweggründe für die Entscheidung und erläutert, wie das Online-Studium funktionieren soll. Auch für Medizinstudenten beginnt der Semesterbetrieb am UKE am 20. April.

Nach Informationen des Abendblatts können Technische Universität, Hafencity Universität und die Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) ihre Lehrinhalte weitestgehend auf digitale Formate umstellen, an der Universität Hamburg sind es bis zu 80 Prozent.

Hamburger Abendblatt: Den Lehrbetrieb an den Hochschulen vorerst ganz absagen, den Start noch einmal verschieben oder das Semester weitestgehend digital durchführen -- was wollen Sie für die Hamburger Hochschulen?

Katharina Fegebank: Wir sind es den Studierenden schuldig, dass wir ihnen ein Semester bieten. Darum habe ich auch nichts davon gehalten, das Semester ausfallen zu lassen. Das sehen die Hochschulen in Hamburg genauso.

Wie würde das konkret ausgestaltet?

Der Vorlesungsbetrieb wird in Hamburg zum 20. April starten, zunächst digital. Das werden nach aktuellem Stand auch die allermeisten anderen Länder so machen. Wenn Präsenzveranstaltungen in diesem Semester auch weiterhin nicht stattfinden können, werden wir die nötigen Anpassungen zusammen mit den Hochschulen flexibel vornehmen. Alles was zu klären ist, klären wir schnell.

Was ist der Vorteil gegenüber anderen Modelle, die zuletzt bundesweit diskutiert wurden?

Die Hochschulen und die Studierenden brauchen jetzt Klarheit. Den Vorlesungsbeginn immer wieder zu verschieben hilft da nicht. Deswegen sagen wir: Es geht jetzt zum 20. April digital los.

Einen wie großen Anteil an Lehrveranstaltungen können die einzelnen Hochschulen digital organisieren?

Für uns alle, auch für die Hochschulen, ist die Corona-Krise daher bei allen enormen Kraftanstrengungen, die damit verbunden sind, auch ein digitaler Modernisierungsschub. Unser gemeinsames Ziel ist es, die Lehrangebote möglichst umfangreich digital anzubieten. Die Hochschulen leisten hier unter schwierigen Bedingungen Großartiges. Dabei hilft es, dass die Studierenden ja schon heute in allen Lebensbereichen digital voll unterwegs sind.

Stimmt es, dass die HAW ganz weit vorn ist?

Die HAW ist schon deswegen ganz vorne mit dabei, weil ihr Semester früher begonnen hat als an den anderen Hochschulen. Sie konnte sich daher früher auf die Situation einstellen und hat das auch hervorragend getan.

Wie lassen sich Prüfungen organisieren?

Auch lässt sich sehr viel digital machen, zum Beispiel mündliche Prüfungen durch Videokonferenzen. Allerdings stellen sich an jeder Hochschule ganz unterschiedliche Fragen. An der Hochschule für Musik und Theater (HfMT) beispielsweise finden die musikalischen Prüfungen durch Vorspielen statt. Natürlich ist es hier schwieriger, Ensembleprüfungen digital durchzuführen als Einzelprüfungen. Und überall dort, wo etwa Labore für Lehre oder Prüfungen benötigt werden, ist es mit der Digitalisierung natürlich schwierig. Aber auch hier arbeiten alle an kreativen Lösungen.

Hat Hamburg bei der digitalen Lehre einiges nachzuholen?

Vorweg: In normalen Zeiten darf der direkte Austausch in Vorlesungen und Seminaren nicht vollständig durch digitale Lehre ersetzt werden. Denn der unmittelbare menschliche Kontakt ist wichtig für kreatives Denken. Klar ist auch, dass wir mehr digitale Angebote machen müssen. Das haben wir in Hamburg schon früh erkannt und darum zusammen mit den Hochschulen zum Beispiel die Hamburg Open Online University gegründet. Natürlich kann dieses Format jetzt nicht alles auffangen. Aber wir profitieren jetzt davon, dass wir uns zusammen mit den Hochschulen frühzeitig Gedanken gemacht haben, wie man Lehre digital denken und gestalten muss.

Was, wenn Studierende nicht alle Leistungsnachweise in diesem Semester erbringen können?

Über allem steht: Studierende, die aufgrund der bewegten Zeiten, die wir alle gerade erleben, nicht alle Leistungen erbringen können, werden dadurch keine Nachteile erleiden. Ich werde mich zusammen mit den Länderkolleginnen und -kollegen gegenüber dem Bund dafür einsetzen, dass überall dort wo es nötig ist, jetzt entsprechende Lösungen gefunden werden.

Wie sieht es für Medizinstudenten am UKE aus? Gibt es da eine Sonderregelung? Die Curricula sind ja ohnehin sehr verdichtet und Unterricht am Krankenbett dürfte angesichts der Infektionsgefahr schwierig sein.

Viele Medizinstudierende helfen in der aktuellen Lage gerade in den Krankenhäusern und Gesundheitsämtern. Dafür bin ich außerordentlich dankbar. Um die Interessen der Medizinstudierenden zu wahren, finden wir zusammen mit dem UKE auch hier flexible Lösungen. Zum Beispiel, indem Pflegepraktika in der frühen Studienphase nicht mehr über einen bestimmten Zeitraum zusammenhängend absolviert werden müssen. Oder indem Hilfe in der Corona-Krankenversorgung anderweitig für den Studienerfolg berücksichtigt werden kann. Mit dem Modellstudium iMED ist das UKE ohnehin ganz vorne in der digitalen Lehre.

Können die Zweiten Staatsexamen in Medizin stattfinden, nach denen die Studierenden ins Praktische Jahr an die Kliniken wechseln - wo sie derzeit sehr gebraucht werden?

In Hamburg sind wir uns einig, dass das Zweite Medizinische Staatsexamen stattfinden soll. Die Studierenden haben sich hierauf in den letzten Wochen intensiv vorbereitet. Natürlich werden dabei die strengen Hygienevorschriften beachtet. Ein „Hammerexamen“, bei dem beide Prüfungen im nächsten Jahr zusammen absolviert werden, wollen wir in Hamburg nicht.

Wie wird verhindert, dass Bafög-Empfänger Nachteile haben?

Bundesministerin Karliczek hat bereits vor einigen Wochen klargestellt, dass den Studierenden auch beim BAföG keine Nachteile entstehen sollen. Zu allen Detailfragen hierzu sind wir weiterhin mit dem Bund in engem Austausch. Aber es geht ja nicht nur ums BAföG, sondern auch um den Anspruch auf Kindergeld oder die Möglichkeit, sich über die Eltern krankenversichern zu lassen. Auch hier klären wir alles Nötige schnell.

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