Spendenaktion

Hamburg vereint gegen Corona: Große Abendblatt-Hilfsaktion

Besonders alleinerziehende Mütter sind derzeit in Not. Viele von ihnen arbeiten auf 450-Euro-Basis, ihr Einkommen fällt weg.

Besonders alleinerziehende Mütter sind derzeit in Not. Viele von ihnen arbeiten auf 450-Euro-Basis, ihr Einkommen fällt weg.

Foto: Mikolette / Getty Images

Sie leiden Not? Wir helfen! Die Initiative „Von Mensch zu Mensch“ gibt Gutscheine aus. Vereine können Bedarf melden. Spender gesucht.

Hamburg. Jetzt in der Coronakrise fehlt es vielen Menschen vor allem an Geld für Lebensmittel und Hygieneartikel: Familien, Alleinerziehende, Menschen in Kurzarbeit und Selbstständige sind von einem Tag auf den anderen in finanzieller Not.

Jeden Tag erreichen unseren Verein „Hamburger Abendblatt hilft“ verzweifelte Anfragen von sozialen Hilfsinitiativen, die ihren Klienten so gerne helfen möchten, es aber derzeit nicht können. Etliche Beratungsstellen sind geschlossen. Viele Sozialarbeiter sind im Homeoffice, können dadurch nur telefonisch beraten, auch die Ausgabestellen für Lebensmittel sind in der Stadt reduziert.

Corona-Krise: Abendblatt-Verein kauft Lebensmittelgutscheine

Deswegen springt der Abendblatt-Verein mit seiner Hilfsinitiative „Von Mensch zu Mensch“ nun ein. Unser Verein kauft Lebensmittelgutscheine für 50.000 Euro, die ab nächster Woche für gemeinnützige Institutionen, Kirchengemeinden und Sozialträger in Hamburg und der Metropolregion abrufbar sind. Die Verteilung erfolgt unbürokratisch, schnell und vor allem bedarfsorientiert.

Gleichzeitig rufen wir die Leserinnen und Leser, aber auch Unternehmen dazu auf, für die Aktion unter dem Stichwort „Coronahilfe“ zu spenden. Jeder Euro hilft jetzt, um möglichst viele Lebensmittelgutscheine im Wert von 25 Euro kaufen zu können.

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Spendenaktion hilft Menschen in Not kurzfristig

Der Bedarf ist enorm. „Wir könnten jeden Tag 50 Gutscheine verteilen“, sagt eine Mitarbeiterin der Heilsarmee, die derzeit vor allem mobil in der Stadt unterwegs ist und für Bedürftige Lebensmittel ausgibt. Die Diakonie, die Caritas, der DRK-Kreisverband Hamburg-Harburg, die ev. Kirchenkreise und das Erzbistum Hamburg machen bereits bei der Aktion mit.

Aktuell prüfen sie gerade mit ihren Hilfsstellen den Bedarf der Klienten. „Das ist eine großartige Initiative, die den Menschen, die jetzt unter die Räder kommen, wie Obdachlose, Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen und Familien mit wenig Geld, kurzfristig hilft“, sagt Tobias Woydack, Vorstand Diakonisches Werk Hamburg.

Wie die anderen Institutionen wird die Diakonie eine große Anzahl Gutscheine zentral erhalten und die Verteilung regeln. So können Betreuer, die ihre Klienten und deren Lage kennen, diese Gutscheine verschicken oder Termine zur Übergabe machen. Große Menschenansammlungen werden damit vermieden. Institutionen können ab sofort ihren Bedarf melden unter der E-Mail: mensch@abendblatt.de

Schwangere und junge Mütter in Not

Es sind zu Herzen gehende Szenen, die Susanne Germann-Behrens und ihr Team derzeit täglich vor ihrer Beratungsstelle des Sozialdienstes katholischer Frauen e.V. (SkF) in Hohenfelde erleben. „Da stehen hochschwangere Mütter mit ihren Kindern an der Hand und fragen an, ob wir ihnen mit Lebensmitteln und Windeln aushelfen können.

Sie wüssten nicht weiter. Und wir mussten sie immer abweisen. Das ist schrecklich“ , sagt die Einrichtungsleiterin, die derzeit die vielen Schwangeren und jungen Mütter in Not vom Büro aus nur telefonisch beraten und trösten kann.

Ab kommender Woche können die beiden SkF-Stellen, auch die in Altona, auch diesen Frauen mit den Lebensmittelgutscheinen helfen.

Etliche konkrete Anfragen von Hilfsbedürftigen

„Viele unserer Klientinnen sind sehr sparsam, sie arbeiten in Gaststätten und in Reinigungsbetrieben auf 450-Euro-Basis, dieses Einkommen fällt jetzt weg. Doch genau davon haben die Mütter Lebensmittel und Windeln gekauft“, sagt Germann-Behrens, die mit ihrem Team sonst Hilfspakete für die besonders bedürftigen Frauen bereithält.

Jetzt werden sie die Lebensmittelgutscheine an die Frauen per Post verschicken oder an der Haustür der Beratungsstelle ausgegeben. So werden es auch die Mitarbeiter des Harburger DRK machen, die viele Familien, Geflüchtete, Senioren und Kranke betreuen.

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„Wir haben etliche konkrete Anfragen und werden nach Augenmaß an die Menschen Gutscheine verteilen, die sie nun wirklich dringend brauchen“, sagt Sprecherin Sabine Spatzek.

Sozialarbeiter entscheiden über die Weitergabe der Gutscheine

Die Diakonie erhält zentral Gutscheine und wird diese unter anderem an ihren Mitternachtsbus, der derzeit wieder Obdachlose im Stadtgebiet versorgt, an Stadtteilmütter, ihre Schulden- und Schwangerenberater verteilen. „Unsere Sozialarbeiter wissen am besten um die aktuelle Not ihrer Klienten und werden die Gutscheine an sie weitergeben“, sagt Tobias Woydack von der Diakonie.

Michael Edele, Caritas Landesleiter ist dankbar über die unbürokratische Soforthilfe des Abendblatt-Vereins: „Viele Menschen in Not melden sich bei uns und bitten um Unterstützung. Wir sind daher sehr froh, diesen Menschen, Alleinerziehenden, Familien, Wohnungslosen oder auch Migranten nun mit den Lebensmittelgutscheinen helfen zu können.. Das ist eine großartige Aktion des Hamburger Abendblatts.“

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Abendblatt-Aktion gegen Corona: Keine Gutscheine an Einzelne

Die Leiter der Ev.-Luth. Kirchenkreisverbände und des Erzbistums Hamburg hoffen, dass sich auch viele Kirchengemeinden beteiligen und Gutscheine beim Abendblatt-Verein direkt beantragen. „Alle unsere Gemeinden kennen Menschen, die Unterstützung jetzt gut gebrauchen können. Die Aktion trägt dazu bei, ganz hilfreich miteinander in Beziehung zu bleiben“, sagt Erzbischof Stefan Heße. „Da manchen wir aus Überzeugung gerne mit“, meint Propst Karl-Heinrich Melzer.

Der Abendblatt-Verein kann derzeit keine Gutscheine an Einzelne ausgeben, aber sie können sich zum Beispiel vertrauensvoll an Kirchengemeinden wenden. Diese unterstützen auch diejenigen, die in ihrem Leben noch nie um Hilfe gebeten haben, aber derzeit kein Einkommen haben, wie Künstler, Musiker oder Gastronomen. Viele von ihnen haben früher bei Benefiz-Aktionen mitgemacht, da ist es doch sehr schön, wenn Gemeinden nun ihnen helfen können.