Hamburg

Gestatten, mein Name ist Corona – die Reaktionen

Corona Unger mit einem Gemälde von Fernando X. González

Corona Unger mit einem Gemälde von Fernando X. González

Foto: Corona Unger

Eine Galeristin, die so heißt wie das Virus, spricht über ihre Erlebnisse. „Dieses Jahr ist wirklich eine Wende in meinem Leben.“

Hamburg.  42 Jahre lang sei sie „sehr glücklich“ gewesen über ihren Vornamen, erzählt Corona Unger. Häufig habe sie Komplimente bekommen, dass der Name außergewöhnlich schön klinge, so selten und daher besonders sei, und dass man ihn in vielen Sprachen so gut aussprechen könne. Deutsch, Italienisch, Englisch, Spanisch – geht alles, wie es die Nachrichten dieser Tage fast im Minutentakt beweisen. „Dieses Jahr ist wirklich eine Wende in meinem Leben“, sagt die Kunsthistorikerin, „plötzlich ist mein Vorname verbunden mit einem schrecklichen Virus, das ist schon gruselig.“

Es sei seltsam, den eigenen Namen jetzt von überall her zu hören. „Anfangs habe ich mich fast angesprochen gefühlt.“ Als sie ihre Galerie in Bremen, die sie seit acht Jahren erfolgreich führt und die – in der Kunstszene üblich – so heißt wie sie selbst mit vollem Namen, wegen der Pandemie schließen musste, habe sie auf dem Informationsblatt an der Tür nur mit „Bis hoffentlich bald. Ihre C. Unger“ unterschrieben. Unbewusst. Aufgefallen sei ihr das erst am Abend, als die Eltern aus Thüringen, denen sie ein Foto aufs Handy geschickt hatte, traurig anriefen: „Jetzt ist es schon so weit, dass du deinen Namen nicht mehr nennst.

Corona: Eltern haben Namen mit viel Bedacht ausgewählt

Dabei hatten die Eltern, beide sehr interessiert an Literatur und Geschichte, den Vornamen der 1977 in Erfurt auf die Welt gekommenen Tochter mit so viel Liebe und Bedacht ausgewählt. „Meine Mutter hat während der Schwangerschaft viel über Goethe gelesen und war dabei auf diesen Namen gestoßen“, erzählt die Galeristin, die auch in Hamburg mit vielen Kunstfreunden eng verbunden ist, da sie ihr Programm seit sechs Jahren auf der Hamburger Kunstmesse prominent präsentiert.

Benannt worden sei sie nach Corona Schröter, einer Sopranistin und Schauspielerin, von der Frauenfreund Goethe so angetan war, dass er sie 1776 von Leipzig an den Weimarer Fürstenhof holte. Diese Corona inspirierte den Dichter, gemeinsam interpretierten sie dessen Stücke vor Herzogin Anna Amalia und deren Hofstaat. So wurde Corona Schröter bekannt als erste Darstellerin von Goethes Iphigenie. 1802 starb sie, recht jung, an Tuberkulose – einer Lungenkrankheit. „Und selbst dein Name ziert, Corona, dich ...“, zitiert Corona Unger Goethe.

Corona bedeutet "Kranz“ oder „Krone“

Früher habe sie immer stolz und mit Freude erzählt, wie ihre Eltern einst auf den Namen gekommen seien. „Heute habe ich dagegen schon in schwachen Minuten daran gedacht, meinen zweiten Vornamen aufzugreifen. Clara, auch mit C“, sagt sie – und lacht. „Nein, natürlich nicht. Ich habe nicht vor, meinen Namen von der Tür zu kratzen.“

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Mittlerweile kenne sie vermutlich jeden Corona-Witz. Nur die Freunde aus Italien, neben Jena und Oxford auch einer ihrer Studienorte, hielten sich zurück. „Erstens ist die Situation dort so bedrückend, dass es einem das Herz zusammenzieht, und zweitens ist Corona dort einfach Teil des Wortschatzes.“

Ursprünglich aus dem Lateinischen, bedeutet es „Kranz“ oder „Krone“. „Und daran erinnert das Virus wohl unter dem Mikroskop­“, sagt Corona Unger. Fast sehnt sie sich in die 90er-Jahre, als der häufigste Spruch gewesen sei, warum sie denn wie ein Bier aus Mexiko heiße. Der einzige Vorteil sei, dass sie ihren Vornamen nicht mehr buchstabieren müsse, scherzt sie. „Viel wichtiger ist, dass wir alle zusammen- und durchhalten.“