Hamburger Kitas

Coronavirus: „Alle Leut’, alle Leut’... bleiben zu Haus“

Coronavirus: Hamburger Kitas sind geschlossen, eine Notbetreuung für ausgewählte Eltern wird angeboten.

Coronavirus: Hamburger Kitas sind geschlossen, eine Notbetreuung für ausgewählte Eltern wird angeboten.

Foto: dpa Picture-Alliance

Ein bisschen Normalität in der digitalen Kita – wie Kinder und Eltern sich online zum Singen treffen und Corona trotzen.

Eimsbüttel. „Guten Morgen, schöner Tag, du lachst mich freundlich an“, singen sie und lächeln in Handy- und Laptopkameras. Es ist 9.30 Uhr, ein Vormittag, der für die Kinder der Elementargruppe der Kita Apostelkirche in Eimsbüttel anders läuft als früher.

Normalerweise säßen die Kleinen um diese Zeit dicht gedrängt im Morgenkreis zusammen. Anschließend würden sie im Garten herumtoben, Verstecken spielen, auf das Holzgerüst klettern, im Sandkasten buddeln. Aber nun ist die Einrichtung geschlossen – wegen der Coronakrise.

Dass ein Beisammensein über viele Wochen hinweg nicht mehr möglich sein könnte, wollten die Eltern der Kinder allerdings nicht akzeptieren – und verabredeten auf die Initiative eines Vaters hin ein tägliches Treffen per Internet mithilfe des Videochat-Programms Zoom. Und so holen sich nun auch an diesem Mittwoch 13 Kinder ohne ihre Erzieherinnen, aber mit ihren Mamas und Papas ein Stück Alltag zurück; sie suchen Nähe in einer Zeit, in der es allerorten heißt: Abstand halten!

Corona-Krise in Hamburg: Etliche Kinder sind durcheinander

Es geht zeitweise drunter und drüber, wenn die Gruppe von Wohnzimmern und Küchentischen aus halbwegs synchron zu singen versucht, aber das stört die Kinder nicht die Bohne; sie kichern, sie winken einander zu, wippen auf und ab, während ihre Eltern von ihren Handys die Texte ablesen, die der Nachwuchs schon gut kennt.

Das nächste Lied ist dran. „Januar, Februar, März, April, die Jahresuhr steht niemals still“, singen alle zusammen. „Mai, Juni, Juli, August. Weckt in uns allen die Lebenslust.“ Die Kinder strahlen.

Mit der Lebenslust ist es allerdings so eine Sache in diesen Tagen für die Kita-Gemeinschaft. Etliche Kinder sind durcheinander, sie vermissen ihre Freundinnen und Freunde, reagieren zeitweise mit Traurigkeit und Trotz auf diesen neuen Alltag im Ausnahme­zustand.

Viele Eltern kämpfen im Homeoffice mit dem Spagat zwischen beruflichen Telefonaten, Videokonferenzen und Computerarbeit einerseits und Puzzle-Spielen, Basteln, Malen, Kochen und Aufräumen andererseits. Die Kitas in Hamburg sollen noch mindestens bis zum 19. April geschlossen bleiben – für Eltern, die keine Notbetreuung in Anspruch nehmen können, ist diese Situation eine Nervenprobe der besonderen Art.

Pastorin spricht von einer „großartigen Initiative“

Von einer „großartigen Initiative“ der Kita-Eltern spricht Nina Schumann, Pastorin und stellvertretende Vorsitzende des Kirchengemeinderats der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Eimsbüttel. „Wir als Kirchengemeinde nehmen beglückt wahr, was an kleinen, kreativen, neuen Formaten entsteht. Sie stellen Bilder von Lebensfreude und Hoffnung neben die Bilder der Zerbrechlichkeit von Gesundheit und Leben“, sagt Schumann. „Das tut gut. Das ist heilsam.“

Im virtuellen Morgenkreis der Kita Apostelkirche sprechen die Kinder auch darüber, wie sie sich die Zeit vertreiben. Zwei Jungs halten Dinosaurier-Figuren in Computerkameras – „Guck mal, ein T-rex­!­­“, „Ich hab auch einen“, rufen sie. Ein anderer Junge hat zu Hause mit Fingerfarben einen Regenbogen auf ein Fenster gemalt, wie es viele andere Kinder derzeit auch tun, als Zeichen gegen Corona.

„Wow, das sieht ja toll aus“, rufen einige Eltern. Wieder andere Kinder präsentieren gemalte Schmetterlinge und gebastelte Ostereier, ein Junge hat sich verkleidet.

Nur etwa eine Viertelstunde lang geht das so, viel mehr Zeit bleibt den Eltern nicht, die Arbeit wartet. Noch ein Lied jetzt. Abgewandelt als spezielle Coronaversion: „Alle Leut’, alle Leut’“, singen Kinder und Erwachsene, „bleiben zu Haus“. Alle lachen. Denn es heißt ja eigentlich: „… gehen jetzt nach Haus“. Zum Abschluss winken sich alle zu und rufen: „Bis morgen!“