Coronavirus

Wie sich Hamburgs Schulen auf Schließungen vorbereiten

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (l., SPD), hier gestern mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) in Berlin, spricht von „großen Herausforderungen“.

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (l., SPD), hier gestern mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) in Berlin, spricht von „großen Herausforderungen“.

Foto: Gregor Fischer / dpa

Unterricht soll nach Frühjahrsferien weitergehen. Im Zweifel entscheiden die Gesundheitsämter. Klassenreisen vorerst untersagt.

Hamburg.  Für alle Schüler, Eltern, Lehrer und Schulleitungen bleibt die Lage in Hamburg ungewiss. Nach jetzigem Stand werden die Kitas und Schulen am Montag wieder öffnen und der Unterricht nach den Frühjahrsferien weitergehen – jedenfalls solange keine andere Entscheidung getroffen wird. Die wichtigste Frage lautet derzeit: Wie können sich die Schulen vorbereiten – und wie sollen sie reagieren, wenn bei ihnen ein Verdachts- oder Krankheitsfall auftritt? Dazu hat die Schulbehörde bereits ein umfangreiches Schreiben an alle Schulleitungen, Lehrer und Eltern verfasst.

Auf fünf Seiten werden Maßnahmen aufgeführt und Handlungsanweisungen gegeben. Die wichtigste lautet nach wie vor, dass Kinder, die in Risikogebieten waren, 14 Tage zu Hause bleiben müssen. Für alle anderen Fälle gilt: Sobald ein Schüler oder Lehrer Krankheitssymptome zeigt, wird er nach Hause geschickt.

Bei Corona-Symptomen muss die Schulleitung informiert werden

Ähneln die Symptome den Corona-Symptomen, muss die Schulleitung informiert werden, die dann das zuständige bezirkliche Gesundheitsamt sowie die Behörde benachrichtigt. Alle weiteren Entscheidungen – welche Kontaktpersonen in häusliche Isolation müssen oder ob eine einzelne Schule geschlossen wird – trifft ausschließlich das zuständige bezirkliche Gesundheitsamt. Das gilt auch, wenn in einer Schule ein Verdachtsfall auftritt. „In der Regel werden Schulen teilweise oder ganz geschlossen, wenn Schülerinnen oder Schüler oder Beschäftigte der Schulen an Corona erkrankt sind“, heißt es in dem Schreiben. In allen anderen Fällen „werden die Gesundheitsämter genau abwägen, wie stark die Kontakte oder Krankheitszeichen sind“.

Sollte es zu einer Schließung kommen, sollten die Lehrer, solange sie nicht selbst erkrankt sind, „die Zeit nutzen“, um Arbeiten zu korrigieren, Prüfungen auszuarbeiten und den Unterricht vor- oder nachzubereiten.

Klassenfahrten in Risikogebiete werden untersagt

Um ein solches Szenario bestmöglich zu vermeiden, gibt es weitere Vorgaben. So müssen schulische Veranstaltungen mit mehr als 30 Teilnehmern abgesagt werden. Ausgenommen sind Lehrerkonferenzen, hier solle jedoch versucht werden, die Zahl der Teilnehmer möglichst zu begrenzen. Ebenfalls untersagt werden Klassenfahrten in Risikogebiete, zunächst für März und April. Über Klassenfahrten in Nicht-Risikogebiete können die Schulleitungen gemeinsam mit den Klassenlehrern und Elternvertretern entscheiden. „Sollen nach Abwägung der Beteiligten Klassenfahrten auch über den 30. April 2020 hinaus storniert werden, wird die getroffene Entscheidung von der zuständigen Behörde unterstützt, auch wenn sich daraus ggf. rechtliche Auseinandersetzungen ergeben“, heißt es.

Coronavirus: So können Sie sich vor Ansteckung schützen

  • Niesen oder husten Sie am besten in ein Einwegtaschentuch, das sie danach wegwerfen. Ist keins griffbereit, halten Sie die Armbeuge vor Mund und Nase. Danach: Händewaschen
  • Regelmäßig und gründlich die Hände mit Seife waschen
  • Das Gesicht nicht mit den Händen berühren, weil die Erreger des Coronavirus über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper eindringen und eine Infektion auslösen können
  • Ein bis zwei Meter Abstand zu Menschen halten, die Infektionssymptome zeigen
  • Schutzmasken und Desinfektionsmittel sind überflüssig – sie können sogar umgekehrt zu Nachlässigkeit in wichtigeren Bereichen führen

Zudem sollen Lehrer und Schulleitungen dafür sorgen, dass die Schüler die bekannten Hygienemaßnahmen ernst nehmen und einhalten. Dazu gehört, dass Schüler sich nicht umarmen und keine Stifte teilen sollen und sich vor dem Essen in der Kantine die Hände waschen müssen. Für „funktionsfähige Waschbecken, gefüllte Seifenspender und ausreichend Einmalhandtücher in allen WC-Anlagen“ werde gesorgt.

Elternkammer plädiert für 14-tägige Schließung der Schulen

Alle Schulleitungen sollen am heutigen Freitag noch einmal angemailt und über weitere Schritte informiert werden. „Wir stehen vor einer bisher so noch nie da gewesenen Situation“, heißt es am Ende des Schreibens. „Es gilt, gemeinsam und mit Augenmaß alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzugrenzen.“

Für die Elternkammer reichen diese Maßnahmen bei Weitem nicht aus. Sie plädiert für eine 14-tägige Schließung der Schulen. „Gerade weil jetzt die Ferien beendet sind, bietet sich eine Auszeit an, während der klar werden wird, ob Kinder erkrankt sind oder nicht“, sagt der Vorsitzende Marc Keynejad.

Zudem könnten Auflagen wie die Begrenzung auf 30 Personen in Pausen und beim Essen nicht eingehalten werden. Die Eltern hätten auch Sorge, ob Hygienepläne wirklich umgesetzt werden. Der Wissenserwerb der Schüler könnte dagegen auch in „Corona-Ferien“ weitergehen, so Keynejad. Dafür gebe es Kommunikationswege wie E-Mail oder Web-Chats.

Große Herausforderungen für Hamburg

Auch Politiker der Opposition kritisieren die Entscheidung, die Hamburger Schulen nicht flächendeckend für mindestens zwei Wochen zu schließen. „Ich kann sie nicht nachvollziehen und halte sie für falsch“, sagt Deniz Celik von den Linken. „Viele Familien kehren nach Ferienende zurück aus Urlaubsregionen, und dadurch haben wir eine erhöhte Gefährdungslage.“

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In Hamburg häufen sich Fälle, in denen Menschen nach einem Ski-Urlaub in den Tiroler Alpen erkrankten. Hamburg bat den Bund, eine Einstufung der Skiregion als Risikogebiet zu prüfen. Bürgermeister Peter Tschen­tscher (SPD) sagte gestern in Berlin: „Die nächsten Monate werden unsere Stadt vor große Herausforderungen stellen.“

Anna von Treuenfels von der FDP sagt: „Wir sollten unsere Kinder und Jugendlichen nicht diesen Gefahren aussetzen.“ Um eine rasche Ausbreitung der Epidemie zu verhindern, würden Schul- und Kita-Schließungen „unumgänglich sein und sollten lieber heute als morgen angeordnet werden“.

Ersatztermine für das Abitur

Dass es noch so kommen könnte, darauf bereiteten sich die Behörden derzeit intensiv vor. „Wir werden in jedem Fall eine Betreuung der Kinder sicherstellen, deren Eltern in Berufen arbeiten, die der Grundversorgung angehören, also beispielsweise Ärzte und Polizisten“, sagte Peter Albrecht, Sprecher der Schulbehörde. Man gehe davon aus, dass das auf rund 20 Prozent aller Hamburger Kinder in Schulen und Kitas zutrifft. „Dieses Betreuungsangebot soll es auch geben, wenn nur einzelne Schulen schließen müssen“, sagt Albrecht.

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Auch das Abitur werde im Falle einer flächendeckenden Schulschließung sichergestellt, die Prüfungen könnten zentral organisiert an anderen Orten stattfinden „Auch Ersatztermine sind bereits festgelegt und vorbereitet“, sagt Albrecht.