Hamburg

Namen für 44 neue Schulen gesucht: Was schlagen Sie vor?

Schulsenator Ties Rabe lädt alle Hamburger dazu ein, Namensvorschläge für 44 neu gegründete Schulen abzugeben (Archivbild).

Schulsenator Ties Rabe lädt alle Hamburger dazu ein, Namensvorschläge für 44 neu gegründete Schulen abzugeben (Archivbild).

Foto: picture alliance / Christian Charisius/dpa

Behörde startet Ideenwettbewerb – auch für bestehende Schulen. Welche Kriterien die Namen erfüllen müssen. Die große Übersicht.

Hamburg. Namen sind nur Schall und Rauch? Von wegen. Der Name der eigenen Schule bleibt einem für immer in Erinnerung, er kann Persönlichkeiten würdigen und im besten Fall Identität stiften. Die Hamburger Schulbehörde hat am Donnerstag einen Ideenwettbewerb gestartet, bei dem Namen für 44 neu gegründete Schulen im gesamten Stadtgebiet von Hamburg gesucht werden.

Alle Hamburger können sich beteiligen und sind aufgerufen, Namensvorschläge für neue und eventuell auch für bestehende Schulen abzugeben. "Ich bin schon jetzt sehr gespannt auf viele Mails und Briefe", sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Donnerstag. Laut Schulbehörde ist es der erste Ideenwettbewerb dieser Art in Deutschland.

Schulen in Hamburg: Ein guter Name stiftet Identität

Zum Hintergrund: Von Jahr zu Jahr steigt die Zahl der Hamburger Schüler. Um dieser Entwicklung gerecht zu werden, sollen in Hamburg 44 staatliche Schulen neu gegründet werden – davon 21 Grundschulen, 13 Stadtteilschulen, sieben Gymnasien sowie drei weiterführende Schulen, über deren Schulform noch nicht entschieden ist. Das sieht Hamburgs neuer Schulentwicklungsplan vor. Als erste sollen in den nächsten beiden Jahren zwei neue Schulen in Harburg, zwei in der HafenCity und eine in Rotherbaum fertiggestellt werden.

„Ein guter Schulname prägt eine Schule und stiftet Identität", sagte Ties Rabe. "Zugleich kann der Name eine Anerkennung und Würdigung für Persönlichkeiten sein, die für Schülerinnen und Schüler ein Vorbild sind. Wird ein Namensvorschlag aufgegriffen, werden die Ideengeber zur Schulgründung als Ehrengäste eingeladen und dort entsprechend gewürdigt."

Hamburger Grundschulen meistens nach Straße benannt

„In der Schule bilden sich Freundschaften und Vernetzungen, die mitunter weit über den Schulbesuch hinaus halten", so der Schulsenator. Der Schulname könne für Identifikation, Gemeinschaft und Zusammenhalt stehen. "Und zwar ganz unabhängig davon, ob eine Schule eine jahrhundertelange Tradition hat wie etwa das Johanneum – 490 Jahre – oder das Christianeum – 281 Jahre – oder noch ganz jung ist wie die Wolfgang-Borchert-Grundschule in Eimsbüttel", sagte Rabe. "Zudem kann ein Schulname das Bild einer Schule in der Öffentlichkeit und ihr Profil prägen.“

Aktuell sind die Grundschulen in Hamburg meist nach ihrer Straße benannt, Stadtteilschulen nach ihrem Stadtteil und Gymnasien nach ihrem Stadtteil oder einer Persönlichkeit. Nach Angaben der Schulbehörde sind derzeit 95 Schulen nach Persönlichkeiten benannt – davon 67 männliche und 28 weibliche –, 81 nach Stadtteilen, 170 nach Straßennamen und 16 anderweitig. "Die Persönlichkeiten sind dabei meist Forscher, Naturwissenschaftler, Schriftsteller, Künstler, Politiker oder Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus", heißt es in der aktuellen Mitteilung der Behörde. „Allen gemeinsam ist, dass sie etwas Außergewöhnliches geleistet haben“, so Rabe.

Kriterien für Namen der 44 neuen Schulen in Hamburg

Wer einen Namensvorschlag für eine der 44 neuen Schulen abgeben möchte, sollte einige Kriterien beachten. Die Behörde weist darauf hin, dass kurze und gut einprägsame Namen grundsätzlich im schulischen Alltag von Vorteil sind. Die Schulnamen können einen regionalen Bezug haben: zum Stadtteil, zum Quartier, zu einem Landschaftszug, zur Region oder allgemein zu Norddeutschland.

Vorschläge können – gerne mit Begründung – per E-Mail an schulnamen@bsb.hamburg.de geschickt werden oder per Post an Pressestelle BSB, „Ideenwettbewerb Schulnamen“, Hamburger Str. 31, 22083 Hamburg. Die möglichen Namensgeber werden in der Behörde im Hinblick auf ihren Werdegang, ihre Eignung und Vorbildfunktion geprüft.

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Schulsenator schlägt zwei Frauen als Namensgeber vor

"Wenn eine Persönlichkeit Namenspate für eine neue Schule werden soll, sollte diese eine Vorbildfunktion im Hinblick auf ihr Leben und Wirken haben", heißt es vonseiten der Schulbehörde. Der Schulname könne damit auch eine Aussagekraft für das zukünftige Schulprofil entwickeln. Äußerst willkommen sind übrigens weibliche Paten. Der Grund: Auch in diesem Bereich sind Frauen(-Namen) bislang deutlich unterrepräsentiert – der Anteil beträgt nur 30 Prozent.

Ties Rabe nannte auf der Pressekonferenz am Donnerstag zwei weibliche Persönlichkeiten, die seiner Meinung nach gute Namensgeber wären: die Hamburger SPD-Politikerin Paula Karpinksi, die als erste deutsche Politikerin in ein Landeskabinett berufen wurde und in Hamburg lange Senatorin der Jugendbehörde (später Schulbehörde) war; und die Volksschauspielerin Heidi Kabel, „weil in Hamburg als einzigem Bundesland Theater ein verpflichtendes Schulfach ist.“

Udo-Lindenberg-Schule in Hamburg nicht zulässig

Wer bereits jetzt damit liebäugelt, eine Udo-Lindenberg-Schule vozuschlagen, muss sich ohnehin gleich eine Alternative überlegen. Denn im Unterschied zu anderen Bundesländern können lebende Personen in Hamburg nicht Namenspate für eine Schule sein. Anders sieht das etwa in Mellrichstadt (Bayern) aus, wo es eine Udo-Lindenberg-Mittelschule gibt. In Barsbüttel (Schleswig-Holstein) besuchen Schüler eine Kirsten-Boie-Schule – auch das wäre das in Hamburg nicht zulässig.

Eine Schwierigkeit bei der Namensfindung für die neuen Schulen: Da es in Hamburg bereits viele Schulen gibt, sind auch viele Schulnamen schon vergeben. Ein Namensgeber ist in Hamburg sogar gleich zweimal vertreten, Johann Wolfgang von Goethe: Nach ihm benannt sind das Goethe-Gymnasium in Lurup und die Goethe-Schule Harburg (Stadtteilschule).

Einige beliebte Schulnamen noch nicht in Hamburg vertreten

Ob ein Name in Hamburg aktuell vergeben ist, kann im Schulinformationssystem nachgesehen werden: www.hamburg.de/schulinfosystem (nur staatliche Schulen). Jedoch gibt es noch einige Schulnamen, die in Deutschland sehr beliebt, in Hamburg aktuell aber noch nicht vergeben sind.

Beliebte Schulnamen, die in Hamburg noch nicht vergeben sind:

  • Friedrich Schiller
  • Anne Frank
  • Albert Einstein
  • Astrid Lindgren
  • Theodor Heuss
  • Marie Curie

Die Behörde weist zudem darauf hin, dass auch Namen von früheren Schulen wieder aufleben können und nennt die Wolfgang-Borchert-Schule als Beispiel, die zum letzten Schuljahr in Eimsbüttel neu gegründet wurde. Zuvor hatte von 1969 bis 2010 eine ehemalige Volks- und Realschule in der Erikastraße in Eppendorf den Namen des Schriftstellers getragen. "Insbesondere ab Mitte der 1970er-Jahre und wieder ab Mitte der 2000er-Jahre war es aufgrund von Sparmaßnahmen sowie massiv fallender Schülerzahlen zur Zusammenlegung und Schließung zahlreicher Schulen gekommen – und damit zur Aufgabe vieler Schulnamen", heißt es in der Behördenmitteilung.

Geschlossen oder zusammengelegt wurden zum Beispiel: Bismarck-Gymnasium (Eimsbüttel), Elise-Averdieck-Gymnasium (Barmbek), Ernst-Schlee-Gymnasium (Groß Flottbek), Bruno-Tesch-Gesamtschule (Altona), Gymnasium Uhlenhorst-Barmbek, Grundschule Ifflandstraße (Hohenfelde), Grundschule Schierenberg (Meiendorf), Grundschule Beltgens Garten (Hamm), Gymnasium Tonndorf, Gymnasium St. Georg (Horn), Gymnasium Langenhorn.

Wo Hamburgs neue Schulen entstehen

Die meisten neuen Schulen werden im Bezirk Hamburg-Mitte neu gegründet. Doch auch in den anderen Bezirken entstehen neue Bildungseinrichtungen. Die Gesamtzahl der staatlichen Schulen in Hamburg wird sich nach aktueller Planung von 371 auf 415 erhöhen.

  • Bezirk Hamburg-Mitte (4 Grundschulen, 3 Stadtteilschulen, 2 Gymnasien)
  • Bezirk Bergedorf (3 Grundschulen, 2 Stadtteilschulen, 2 Gymnasien)
  • Bezirk Harburg (4 Grundschulen, 1 Stadtteilschule, 1 Gymnasium, 1 weiterführende Schule)
  • Bezirk Altona (2 Grundschulen, 2 Stadtteilschulen, 2 weiterführende Schulen)
  • Bezirk Eimsbüttel (3 Grundschulen, 2 Stadtteilschulen, 1 Gymnasium)
  • Bezirk Hamburg-Nord (3 Grundschulen, 1 Stadtteilschule, 1 Gymnasium)
  • Wandsbek (2 Grundschulen, 2 Stadtteilschulen)