HafenCity

Ausstellung: So können Hamburgs Magistralen entlastet werden

Die Ausstellung Bauforum hat am Donnerstagabend eröffnet.

Die Ausstellung Bauforum hat am Donnerstagabend eröffnet.

Foto: Michael Zapf

Oberbaudirektor Höing nennt Ergebnisse des Bauforums „kleine Feuerwerke“. Was eine Reduzierung des Verkehrs bedeuten würde.

Hamburg. Welche Erkenntnisse und Impulse hat das Bauforum 2019 gebracht? Darüber informiert die Ausstellung „Meilenweise Möglichkeiten“ in der HafenCity, die am Donnerstag vor rund 500 Zuhörern mit zwei Podiumsdiskussionen eröffnet wurde.

In der ersten beleuchteten je ein Teilnehmer eines Planungsteams und ein Baudezernent die Resultate, die für die Magistrale 4 (Innenstadt bis Tonndorf), 6 (Harburg bis Neugraben-Fischbek) und 7 (Ring 2) gefunden wurden. Die Lösungen seien oft überraschend gewesen, so das Fazit.

Wandsbek könnte "interne Flaniermeile“ erhalten

Und an einer Reduzierung des Verkehrs käme man nicht vorbei. Hamburgs Magistralen minderten nicht nur die Wohn- und Aufenthaltsqualität, sondern zerschnitten häufig auch Grünzüge, die bei einer Umstrukturierung wieder verbunden werden könnten. Die Lösung sahen alle in sogenannten Hubs: infrastrukturelle Zentren, an denen man sein Auto abstellen und auf öffentliche Verkehrsmittel wechseln kann.

Das sei etwa an der Magistrale 4 durch den Bau der S4 möglich, sagte Landschaftsarchitekt Michael Kaschke. Der Bahnhof Tonndorf könnte zum multifunktionalen Hub mit Kita und Einkaufsmöglichkeiten ausgebaut werden. Würde der Autoverkehr auf der Wandsbeker Chaussee reduziert, könnten die Wandse erschlossen werden und attraktive Wohnquartiere entstehen. Weniger Verkehr werte auch den Wandsbeker Markts auf, ergänzte Baudezernent Arne Klein. Wandsbeker Chaussee oder Schloßstraße könnten geschlossen werden und Wandsbek eine „interne Flaniermeile“ erhalten.

"Von Eimsbüttel bis zur Elbe flanieren"

„Flanieren“ war ein oft verwendetes Wort an dem Abend. Auch Architekt Sven Ove Cordsen brachte es ins Spiel. Durch eine Reduzierung des Verkehrs könne die Holstenstraße dort, wo sie den Emil-Wendt-Park durchschneide, zu einer einspurigen, verkehrsberuhigten „Parklane“ werden. „Dann könnte man von Eimsbüttel bis zur Elbe flanieren.“ Ihn habe diese Erkenntnis überrascht. „Ich dachte zuerst, dass wir uns an dieser Stelle nur mit Wohnungsbau beschäftigen würden.“

Im Bezirk Nord verwehre der Ring 2 gleich in zwei Bereichen den Zugang zum Grün, fügte Baudezernent Hans-Peter Boltres hinzu. In Winterhude sei das der Jahnring, den er, „wenn es nach ihm ginge, sofort sperren lassen“ würde. „Dann wäre der Stadtpark dort nicht nur durch ein Nadelöhr zu erreichen.“

Auch für Magistrale 6 gab es überraschende Entdeckungen

In Groß Borstel verhindere der vierspurige Ring 2 eine Verbindung zwischen der Alster und dem Eppendorfer Moor. „Durch die Impulse des Bauforums haben wir Lust bekommen, uns mit den jeweiligen Situationen zu beschäftigen“, so Boltres – eine Meinung, die seine Verwaltungskollegen teilten.

Auch für die Magistrale 6 gab es überraschende Entdeckungen. „Der gesichtslose Brei aus Baumärkten, Fastfoodketten und Industrie hat durchaus Potenzial“, so Architekt Nikolaus Goetze. Aus den Stadtteilen entlang der „Magistrale zwischen Geest und Marsch“ könnten individuelle „Polyzentren“ mit eigenen S-Bahnstationen werden. Darüber hinaus könne man auch hier Grünzüge miteinander verbinden.

Oberbaudirektor über Ergebnisse des Bauforums: „Kleine Feuerwerke“

Auch hier war die Verwaltung angetan. „Uns hat die Idee überrascht, die nördlichen und südlichen Siedlungs- und Landschaftsräume zu verbinden“, sagte Jörg Penner aus dem Bezirksamt. Tatsächlich aber könnten so aus „Un-Orten“ schöne Plätze werden und sich Grünzüge bis zur Elbe miteinander verbinden lassen.

Oberbaudirektor Franz-Josef Höing nannte die Ergebnisse des Bauforums in der zweiten Runde „kleine Feuerwerke“. Aufgabe der Stadt sei es, dran zu bleiben. „Wir müssen jetzt arbeiten.“ Bei den Hubs, die als neue Infrastrukturbauten und architektonische Highlights die Magistralen verändern sollen, könnte man schon bald konkreter werden.

Um zu sehen, wie es weitergehen könne, seien die Bezirke gebeten worden, bis Ende Januar erste Startpunkte zu nennen. Dann wolle man die behördliche und bezirkliche Zusammenarbeit strukturieren. Er wünsche sich ein Regelwerk, das ein schnelles Umsetzen von Ideen ermögliche, sagte Höing. „Andernfalls ist die Stadt schon gebaut“.

„Meilenweise Möglichkeiten“ im designexport, Hongkongstraße 8, bis 22. Januar täglich 10–20 Uhr