Hamburg

Klimakillergas: Kerstan schreibt an Hafenwirtschaft

Umweltsenator Kerstan (Grüne) warnt vor Sulfuryldifluorid.

Umweltsenator Kerstan (Grüne) warnt vor Sulfuryldifluorid.

Foto: Marcelo Hernandez

Hamburgs Umweltsenator plädiert für gemeinsame Lösungen. Appell auch an Bundesumweltministerin Schulze.

Hamburg.  Im Streit um die stark angestiegene Nutzung des extrem klimaschädlichen Gases Sulfuryldifluorid (kurz: SF) hat sich Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) in Briefen an die Hafenwirtschaft und die Bundesumweltministerin Svenja Schulze gewandt. SF wird, wie berichtet, im Hafen immer häufiger für die Begasung von Exportholz eingesetzt, weil mehr Staaten dies zur Schädlingsbekämpfung verlangen. SF ist laut Umweltbundesamt 4090-mal so schädlich für das Klima wie CO2. Gleichwohl hat sich die im Hafen genutzte Menge seit 2015 auf 203,7 Tonnen in 2019 etwa verzwölffacht. Das entspricht rund 833.000 Tonnen CO2 oder dem jährlichen Ausstoß von 92.000 Hamburgern.

Nachdem das Abendblatt über das Thema berichtet und auch die Kerstan-Kritik transportiert hatte, schrieb Norman Zurke, Hauptgeschäftsführer des Unternehmensverbandes Hafen Hamburg (UVHH), einen Brief an Kerstan. Darin betonte er, dass ein Verbot von SF zur Folge hätte, „dass keinerlei Güter mehr in Länder exportiert werden könnten, die eine Behandlung gegen Schädlinge verpflichtend vorschreiben, da es zurzeit keine Alternativen dazu gibt“.

Sulfuryldifluorid auf ein Minimum reduzieren

Die Anforderungen der Länder seien für ihn „kein ausreichender Grund“, Treibhausemissionen in diesem Ausmaß hinzunehmen, schreibt Kerstan in seinem Antwortbrief, der dem Abendblatt vorliegt. Denn es sei davon auszugehen, dass sich die Mengen auch andernorts erhöhten. „Mir geht es nicht prinzipiell um ein Verbot von SF, sondern darum, seine Freisetzung in Hamburg so schnell wie möglich auf ein Minimum und wenn irgend möglich auf null zu reduzieren“, so Kerstan.

„Für das Ziel sollten alle Beteiligten zusammenarbeiten und alsbald in konstruktive Gespräche eintreten.“ Dabei gehe es um „rechtliche Vorgaben“ und neue Technologien zur „Rückgewinnung von SF oder klimafreundlichere Alternativen“, so der Senator. Er sehe „Hamburg in der Pflicht, an einer umfassenden Lösung mitzuwirken und dabei mit eigenen Beiträgen voranzugehen“.

Wissenswertes zum Hamburger Hafen:

  • Der Hamburger Hafen ist der größte Seehafen Deutschlands und der drittgrößte Europas
  • Der Hamburger Hafen wird von der Hamburg Port Authority (HPA) verwaltet
  • Im Hamburger Hafen werden 13 Hafenbecken und Kaianlagen für den Warenumschlag oder spezifische Zwecke genutzt
  • Der Hamburger Hafen hat rund 320 Liegeplätze für Seeschiffe an 43 Kilometer Kaimauer

Parallel hat Kerstan sich per Brief auch an Bundesumweltministerin Schulze (SPD) gewandt. Darin bittet der Senator die Ministerin, „sich dieses Problems schnell anzunehmen und auf europäischer und internationaler Ebene Gespräche zu führen und Lösungen zu erarbeiten, die insbesondere den hafenseitigen Export weiter ermöglichen, ohne die Klimaziele zu gefährden“. Er hoffe, so Kerstan in dem Schreiben an die SPD-Politikerin, „dass es uns – gemeinsam mit allen relevanten Akteuren – gelingt, das Problem der klimaschädlichen Verwendung von SF zu lösen“.