Notfälle

Werden ehrenamtliche Retter in Hamburg benachteiligt?

Ein Rettungswagen an der Asklepios Klinik Heidberg.

Ein Rettungswagen an der Asklepios Klinik Heidberg.

Foto: Michael Rauhe

Das Rote Kreuz übt Kritik an dem neuen Gesetz für den Rettungsdienst. Freiwillige bekämen viel weniger Einsätze.

Hamburg. Das neue Gesetz für den Rettungsdienst soll die Versorgung von Notfallpatienten verbessern und den Streit um lukrative Einsätze beenden – vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) kommt nun aber scharfe Kritik an der Innenbehörde. Mit den neuen Maßgaben würden die Hilfsorganisationen geschwächt, heißt es. Auch für ehrenamtliche Retter und den Katastrophenschutz in Hamburg habe das Gesetz mutmaßlich negative Auswirkungen.

In der städtischen Ausschreibung sind nach Angaben des DRK „nur rund 1600 Stunden für sogenannte Sonder­bedarfe veranschlagt“ – also etwa Einsätze bei sportlichen Großveranstaltungen, Volks- und Stadtteilfesten. Das sei nur halb so viel wie die Retter der Wohlfahrtsträger noch im vergangenen Jahr bei solchen Veranstaltungen im Einsatz waren. „Diese Einsätze erfolgen nicht zum Selbstzweck, sondern dienen dazu, unsere Ehrenamtlichen trainiert zu halten“, sagt Dr. Georg Kamp, Vorstand des DRK-Landesverbands. Erfahrene und eingearbeitete Ehrenamtliche seien wiederum nötig, um im Fall eines Terrorangriffs oder anderer Katastrophen schnell und umfassend Verletze zu behandeln.

Retter brauchen Praxis

Es sei zu befürchten, dass die Menschen, die sich etwa beim DRK in ihrer Freizeit zum Rettungssanitäter ausbilden lassen, ihr Wissen kaum noch praktisch anwenden dürfen. „Es ist auch zu befürchten, dass sie dann die Organisation und den Katastrophenschutz verlassen werden“, sagte Kamp. In diesem Fall müsse sich der Senat vorwerfen lassen, bürgerschaftliches Engagement systematisch zurückgedrängt zu haben.

In der Innenbehörde war über Jahre an einer gesetzlichen Neuregelung des Rettungsdienstes gearbeitet worden. Die Hilfsorganisationen hatten bereits zuvor kritisiert, bei medizinischen Notfällen über die Nummer 112 nicht genügend eingebunden zu werden, obwohl sie in vielen Fällen schneller beim Patienten sein könnten als die Feuerwehr. Diese hatte den Vorwurf der Ausbootung jedoch scharf zurückgewiesen.

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In dem neuen Gesetz wurde festgelegt, dass die Feuerwehr die Hoheit über die Einsätze im Rettungsdienst behält. Über eine europaweite Ausschreibung soll aber festgelegt werden, welche Hilfsorganisation in welchen Fällen zuständig ist. Für Einsätze mit Rettungswagen erstatten die Krankenkassen in Hamburg mehr als 60 Millionen Euro pro Jahr.