Catering

Ärger um das Mittagessen an Hamburgs Schulen

Gesund und lecker soll das Mittagessen an Hamburgs Schulen sein. Um die Qualität zu gewährleisten, verlangen die Caterer mehr Geld.

Gesund und lecker soll das Mittagessen an Hamburgs Schulen sein. Um die Qualität zu gewährleisten, verlangen die Caterer mehr Geld.

Foto: Michael Rauhe

3,50 Euro kostet ein Mittagessen pro Schüler. Zu wenig, sagen die Caterer und fordern mehr Geld. Der Senat stellt sich stur.

Hamburg. Die Mittagsverpflegung an Hamburgs Schulen kostet zu wenig. Das ist das Ergebnis einer bundesweiten Studie des Gesundheitsministeriums. Demnach reichen die derzeit 3,50 Euro, die Eltern für ein Mittagessen pro Kind an den Schulen zahlen, bei weitem nicht aus, damit die Caterer kostendeckend arbeiten können.

„Wenn wir nicht mindestens 4,55 Euro pro Mittagessen verlangen können, lohnt sich das wirtschaftlich nicht, und wir können an kleineren Schulen mit weniger als 200 Schülern kein Essen mehr ausgeben“, sagt Anton Senner vom "Bergedorfer Impuls Catering". Nach der Studie zu Kosten- und Preisstrukturen in der Schulverpflegung (kurz KuPS) müssten Caterer, die das Essen anliefern und vor Ort erwärmen, mindestens 4,23 Euro pro Mittagessen verlangen, Caterer, die frisch an den Schulen kochen, benötigen laut Studie sogar 5,37 Euro pro Essen.

50 Cent zusätzlich pro Mahlzeit notwendig

Seit 2012 wurden die Preise für die Mittagessen nicht an die allgemeinen Preissteigerungen für Lebensmittel und Personalkosten durch den Mindestlohn angepass. Die Caterer verlangen mindestens 50 Cent zusätzlich. „Die 3,50 Euro reichen schon seit Jahren nicht aus“, sagt Petra Lafferentz, Geschäftsführerin der gemeinnützigen Alraune GmbH. Verhandlungen der Caterer mit dem zuständigen Schulsenator Ties Rabe (SPD) blieben erfolglos.

Gibt es nicht mehr Geld, wird Qualität schlechter

„Für 3,50 Euro pro Essen kann ich bei bestem Willen keinen Koch mit Hilfskräften an die Schulen schicken“, so Lafferentz. Alraune kocht derzeit das Essen frisch vor Ort an 24 Schulen. Bekommen die Caterer nicht bald mehr Geld, habe das gravierende Auswirkungen. Anton Senner: „Dann bekommen Hamburgs Schüler schlechteres Essen.“ Das will natürlich kein Caterer. Senner und seine Mitbewerber fordern zudem, dass Preissteigerungen in Zukunft dauerhaft berücksichtigt und Preise entsprechend neu verhandelt werden.

Der Bund könnte mitfinanzieren

Eine Lösung zur Finanzierung sehen die Träger in Mitteln, die die Bundesregierung aus dem Starke-Familien-Gesetz bereitstellt. Seit August 2019 erstattet der Bund über das Gesetz die Essenbeiträge für die 47.000 Kinder aus Hartz-IV-Familien. In den Jahren davor musste Hamburg einen Euro pro Kind und Mahlzeit dazu bezahlen. Petra Lafferenzt: „Diese Millionensumme könnte man nehmen, um die Preiserhöhung für alle Kinder auf vier Euro zu subventionieren.“

Opposition unterstützt die Caterer

Birgit Stöver, schulpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion: „Zu einer guten Ganztagsbetreuung gehört auch gesundes Essen. Von der Schulbehörde ist es unverantwortlich, hierüber die Augen zu verschließen und die Caterer vor die Wahl zu stellen: Entweder minderwertiges Essen oder sie zahlen drauf.“ Es gäbe die Möglichkeit alternative Finanzierungsmethoden zu prüfen, beispielsweise durch den Bund, um Eltern nicht zusätzlich zu belasten.

Sabine Boeddinghaus von den Linken sagte: „Ich erwarte eine sofortige Anpassung der Essensbezuschussung auf mindestens vier Euro pro Essen. Es ist ein Armutszeugnis des Schulsenators, dass er Selbstverständlichkeiten, die im Kita Bereich bei der Essensfinanzierung gelten, nämlich eine regelmäßige Kostenanpassung an Tariferhöhungen vorzunehmen, im Schulbereich ignoriert.“

Allgemeine Qualitätsstandards erfüllt

Barbara Duden, Bildungsexpertin der SPD-Bürgerschaftsfraktion: „Hamburg erfüllt mit seinem Essensangebot an Hamburgs Grundschulen die allgemeinen Qualitätsstandards. Man darf dazu nicht vergessen, dass die Caterer an vielen Schulen kostenlos auf neu eingerichtete Küchen zurückgreifen können, ohne sich an den Betriebskosten beteiligen zu müssen." Wichtig sei es, Wege zu finden, die sicherstellen, dass Schulbehörde und Caterer ihre bisher gute Zusammenarbeit fortsetzen können.

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Anna von Treuenfels, Bildungsexpertin der FDP, meinte: "Zur Gesundheit und Lernfähigkeit von Schulkindern gehört auch ein gutes Schulessen. Unser Anspruch ist es, dass Kinder an allen Schulen ein hochwertiges Essen mit einer sozialverträglichen Preisgestaltung angeboten bekommen. Wenn die Caterer dies nur mit einer leicht angehobenen Finanzierung umsetzen können, dann sollte der Senat für eine entsprechende Finanzierung durch die Stadt oder den Bund sorgen.“

Schulbehörde zeigt sich stur

Die Schulbehörde zeigt sich stur. Sprecher Peter Albrecht sagte: „Im bundesweiten Vergleich liegt Hamburg mit dem Essenpreis deutlich in der oberen Hälfte.“ Kinder, deren Eltern Hartz IV beziehen, essen in Hamburg kostenlos, während bislang in allen anderen Bundesländern eine Eigenbeteiligung von einem Euro pro Essen üblich war, für Eltern mit geringem Einkommen gibt es einen ermäßigten Essenspreis. In schuleigenen Produktionsküchen könnten die Caterer außerdem das Essen frisch zubereiten.

„Die KuP-Studie basiert auf Berechnungen, die in keinem einzigen Bundesland und auch keiner Kommune umgesetzt werden. Hamburg macht da keine Ausnahme.“ Ein unabhängiges Institut solle nun klären und berechnen, ob und wie die KUP-Studie auf Hamburg angewendet werden kann.

Der Idee der Caterer, die Millionen aus dem „Starke-Familien-Gesetz“ für die Schulverpflegung zu nehmen, erteilt die Schulbehörde eine Absage: „Nach ersten Einschätzungen sind das zwischen vier und fünf Millionen Euro. Dieses Geld ist dringend nötig, um die qualitativen Verbesserungen im Kitabereich und in der Inklusion in Kita und Schule zu finanzieren.“

Rund sieben Hamburger Caterer, darunter auch der größte Anbieter Porschke, haben sich zusammengetan und wollen weiterhin mit dem Senator über Preissteigerungen sprechen. Matthias Horn, Geschäftsführer von Porschke: „Das Thema darf nicht auf die lange Bank geschoben werden. Es muss sich etwas tun.“