Jahresrückblick 2019

Luxushotels, Schnullergate und denkwürdige Spitzenköche

Die Sterneköche Cornelius Speinle (l.) und Kevin Fehling dominierten das Hamburger Gastro-Jahr. Im Zentrum der Debatte: Das Luxushotel The Fontenay von Milliardär Klaus-Michael Kühne.

Die Sterneköche Cornelius Speinle (l.) und Kevin Fehling dominierten das Hamburger Gastro-Jahr. Im Zentrum der Debatte: Das Luxushotel The Fontenay von Milliardär Klaus-Michael Kühne.

Foto: Rauhe/Magunia/Laible; Montage: HA

Spannende Neueröffnungen, die größten Aufreger und noch mehr Sterne: So kurios war das Gastro- und Hoteljahr 2019 im Norden.

Hamburg. Der überraschende Abgang von Sternekoch Cornelius Speinle im Luxushotel The Fontenay hatte jüngst eine kuriose Debatte über die Spitzenküche zur Folge – sogar von Tiefkühlfisch war die Rede. Investor Klaus-Michael Kühne trat gegen seinen Hoffnungsträger nach, Top-Gourmets sprangen Speinle bei, und Dreisternekoch Kevin Fehling setzte noch einen drauf. Damit fand das Jahr im Gastgewerbe seinen absurden Höhepunkt. Es war aber nicht die einzige bemerkenswerte Nachricht aus der Branche.

Abendblatt.de liefert einen Überblick über spektakuläre Neueröffnungen an Alster und Elbe, die größten Aufreger und überraschende Schließungen. Über Projekte an Nord- und Ostsee, aus denen nichts geworden ist, und solche, die noch verwirklicht werden sollen. Am Ende folgen die wichtigsten Auszeichnungen und neue Geheimtipps.

So war das Gastro- und Hoteljahr 2019 in Hamburg und dem Norden:

Hotels und Restaurants in Hamburg – die Zahlen

Noch nie war das Angebot im Gastgewerbe der Hansestadt so groß wie jetzt: Gut 6700 Hotels und Restaurants gibt es in Hamburg, und am laufenden Band eröffnen neue Betriebe. Doch die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steigt nicht mit. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) schätzt, dass in den Hotels und Restaurants 5000 Stellen nicht besetzt sind. Der Fachkräftemonitor Hamburg 2019 der Handelskammer geht von 4200 offenen Jobs aus. Einige Lokale öffnen daher nur noch abends. Andere legen mehr Ruhetage ein.

Bei Hamburgs Hotels macht sich die geringe Auslastung an den Preisen bemerkbar – laut "Hotelmarktbericht Hamburg 2019" sinken diese im Schnitt. Das Statistikamt Nord hat die Zimmerauslastung in Privat- und Kettenhotels allein von Januar bis April ausgewertet und kam nur auf einen Wert von 70,5 Prozent. Das Bettenangebot der Hamburger Hotellerie wächst nach vielen Jahren einer parallelen Entwicklung inzwischen schneller als die Nachfrage.

Doch das schreckt Investoren und Gastronomen nicht ab, weiterhin ambitionierte Projekte umzusetzen. Die Tourismuszahlen versprechen eine größere Nachfrage, denn Hamburg wird bei Gästen aus dem In- und Ausland immer beliebter. In diesem Jahr wurde die 15-Millionen-Marke bei den Übernachtungen geknackt und 2020 dürften die Aussichten der Branche noch besser werden. In den kommenden Jahren eröffnen in Hamburg 30 weitere Hotels und vermutlich unzählige Restaurants und Bars.

Speinle, Kühne und das Lakeside – der größte Krach

Speinle wirft im Fontenay hin, und Kühne ist verärgert

Zu den spannendsten Neueröffnungen der vergangenen Jahre gehört das Fünfsterne-Superior-Hotel The Fontenay von Logistikunternehmer und HSV-Investor Klaus-Michael Kühne. Erst im März 2018 eröffnet, kann Kühne schon auf viel Wirbel in seiner "kleinen Elbphilharmonie" zurückblicken. Wirbel, der gar keiner hätte sein müssen. Als Cornelius Speinle im Oktober 2019 hinwarf – er hatte als Chefkoch des Hotelrestaurants Lakeside gerade erst einen Michelin-Stern bekommen –, tat er das leise und zurückhaltend.

Speinle verließ das Hotel mit Beginn seiner Elternzeit und wollte danach nicht mehr zurückkehren, da er die geforderte Neuausrichtung des Lakeside nicht umsetzen mochte. Kühne schien deutlich erbost über seinen einstigen Hoffnungsträger und holte im Abendblatt-Gespräch zum Nachschlag aus. „Der Sternekoch Speinle hat uns enttäuscht, nicht der Qualität wegen, die exzellent war, sondern weil es ihm nicht gelang, die Küche personell stabil zu halten und wirtschaftlich auszurichten. Es wurde zum Beispiel viel zu teuer eingekauft“, sagte der Milliardär. Speinle verlor in Kühnes Augen wegen „Personalproblemen und Kritik an seiner ökonomischen Verhaltensweise Interesse an seiner Aufgabe.“ Harter Tobak.

Jedoch ist der Ärger durchaus nachvollziehbar, denn Kühne gönnt sich neben dem HSV mit seinem Hotel an der Alster seit 2019 ein weiteres teures – und offenbar bislang wenig lukratives – Hobby: Die durchschnittliche Zimmerauslastung des Fontenay liegt bei knapp unter 60 Prozent. Mit Marketingdirektorin Stefanie Brückner und Salesmanager Quinten T. Salma haben in diesem Jahr zwei wichtige Namen das Hotel verlassen. Und nun steht der Gourmettempel des Hauses auch noch ohne sein einstiges Aushängeschild dar.

Tiefkühlfisch und Subventionen für Spitzengastronomie

Ausnahmetalent Speinle äußerte sich dann doch und warf seinem ehemaligen Chef vor, die für Sterneküche erforderliche Geduld und Sorgfalt zu verkennen. Die Antwort des jungen Schweizers auf den Vorwurf, es sei zu teuer eingekauft worden: "Natürlich hat hochwertige Ware ihren Preis. Die Gäste, die viel Geld für ein Menü bezahlen, haben auch ein Anrecht darauf, dass ihnen ein hohes Niveau geboten wird.“ Da könne man keinen tiefgefrorenen Fisch anbieten.

Das rief auch andere auf den Plan: Weltklassekoch Kevin Fehling (The Table) und TV-Koch Tim Mälzer (Die Bullerei) sprangen ihrem Berufskollegen Speinle bei und forderten öffentliche Zuschüsse für die Spitzengastronomie. Man stelle sich die Jahresagenda des neuen Senats nach der Bürgerschaftswahl vor: Wohnungsbau, Nahverkehr, Klimawandel – und Sterneküche. Abendblatt-Leser auf Facebook nannten die Idee der Hamburger Köche "völlig abgedreht."

Schnullergate und Jellyfish – die größten Aufreger

"Schnullergate" mit Shitstorm in Eimsbüttel

Für deutlich bodenständigeren Ärger sorgte das Café Moki's Goodies am Eppendorfer Weg in Eimsbüttel. Zwar wirbt es auf der Internetseite mit "Love, Peace and Happiness", doch für Kinder gilt dieser Anspruch offenbar nicht. Inhaberin Monika Ertl verweigert Mädchen und Jungen unter sechs Jahren den Zutritt.

Im März gab es deshalb Gegenwind: Eine Kundin entfachte auf Instagram einen Shitstorm. (Völlig verständlich, herrscht in Eimsbüttel doch ein großer Mangel an anderen Cafés mit Latte Macchiato im Angebot.) Inhaberin Ertl blieb jedenfalls standhaft und kritisierte die "Supermuttis" für ihre Boshaftigkeit. Sie selbst sei nicht kinderfeindlich, ganz im Gegenteil: Sie sei selbst Mutter.

Vandalismus-Attacken auf Sterne-Newcomer Jellyfish

Es war wohl die schwerste Woche des Jahres für Hauke Neubecker. Dreimal wurde sein Sternerestaurant Jellyfish innerhalb weniger Tage im April von Einbrechern heimgesucht und verwüstet, nachdem bereits Ende März die Scheiben eingeworfen waren. Die Täter stahlen mehrere Apple-Rechner und Bargeld in einer vierstelligen Summe, sie zerstörten Tiefkühlgeräte und Vorratsschränke, verteilten Lebensmittel auf dem Boden. Kaum waren Küche und Gastraum wieder aufgeräumt, folgte der nächste Einbruch. Wieder wurden wertvolle vorbereitete Speisen vernichtet – fatal für ein Fischrestaurant.

Der Mitinhaber fühlte sich von der Polizei allein gelassen, zumal das Lokal am Rande des Schanzenviertels wegen der Einbruchsserie nicht mehr versicherbar ist. Die Eigentümer bleiben auf den Schäden sitzen und können über das Motiv für die Angriffe nur rätseln. Im Mai kapitulierten die Inhaber schließlich und sprachen den zehn Mitarbeitern, darunter Sternekoch Stefan Barnhusen, die Kündigung aus. Wenige Monate später gab es für das Jellyfish aber ein vorläufiges Happy End: Der ehemalige Sous-Chef Stefan Fäth hat das Restaurant übernommen.

Alex, Pierdrei, Lighthouse – spannende Neueröffnungen

Status spielt hier keine Rolle, der Name allerdings schon: Rocky und Toni Henssler haben im Mai das Petit Delice in der Galleria an den Großen Bleichen übernommen. Ihr Vater Werner Henssler hatte den Treffpunkt für Liebhaber der französischen Küche Mitte der 1980er-Jahre eröffnet, doch nach zwölf Jahren wechselten die Betreiber mehrfach. Nun gibt es in dem Restaurant am Fleet ein Comeback der Gourmetfamilie. Eine Fernsehkarriere wie ihr berühmter Bruder Steffen streben sie aber nicht an.

Steffen Henssler hatte ohnehin genug mit seinen eigenen Projekten zu tun. Mit HSV-Präsident Marcell Jansen will der Sushi-Experte den Hamburgern die kalifornische Lebensart näherbringen. Das Kinneloa eröffnete im Mai in der Europa-Passage. Zwischen Palmen und Grünpflanzen wird den Gästen Süsskartoffel-Tomatensuppe oder Dinkelpasta in Variationen serviert. Wichtig sei die Mischung aus leckerem Essen und Lifestyle, sagte Jansen. Er selbst sei sich auch nicht "zu schade dafür, mal ein paar Teller abzuräumen".

Sein Geschäftspartner betreibt allein in Hamburg mittlerweile fünf Lokale und eine Kochschule. Nun hat der 46-Jährige in Richtung Ostsee expandiert und im November einen Ableger seines Restaurants Ahoi by Steffen Henssler, das es bereits an der Spitalerstraße gibt, auf dem Priwall in Travemünde eröffnet.

Die Gastronomiekette Alex, die bereits den Alsterpavillon am Jungfernstieg betreibt, hat sich 2019 den nächsten Touristen-Hotspot der Stadt gesichert: Das Unternehmen hat eine Filiale im futuristischen Neubau mit Glasfassade an der Überseebrücke eröffnet. 300 Quadratmeter, 200 Sitzplätze innen, 160 außen, 70 Mitarbeiter und zwei Ebenen mit Blick auf den Hafen. Das zweite Alex der Stadt soll laut Betriebsleiter Reza Hesse eine "unvergessliche, emotionale Erlebniswelt schaffen".

Luxushotel für Langzeitgäste: die Fraser Suites

Mit den Fraser Suites am Rödingsmarkt hat Hamburg 2019 ein weiteres Luxushotel bekommen. Das Haus mit 154 Zimmern hat im Mai in der ehemaligen Oberfinanzdirektion eröffnet und soll vor allem Langzeitgäste beherbergen. Das „Fine Dining“-Restaurant aber soll auch Hamburger Gäste bewirten. Küchenchef Daniel Thompson kochte bereits für Queen Elizabeth II. im Buckingham-Palast und war stellvertretender Küchenleiter im Hotel Vier Jahreszeiten und im Louis C. Jacob an der Elbchaussee. Seine Frau Carolin arbeitet auch für die Gastronomie im Fraser Suites und hat bereits in mehreren Luxushotels als Barmanagerin gearbeitet.

Wohnwagen und eine Märchenhöhle in der HafenCity

Die zweifelsohne ungewöhnlichste Neueröffnung bietet drei Wohnwagen, eine Kletterwand und eine Märchenhöhle. Ach ja: Zimmer gibt es im Pierdrei natürlich auch noch. Nach zwei Jahren Verzögerung haben Hotelier Kai Hollmann und Direktor Stefan Pallasch das Hotel in der HafenCity Ende September eröffnet. Weitere Betreiber sind die Miniatur-Wunderland-Macher Gerrit und Frederik Braun mit ihrem Bruder Sebastian Drechsler sowie Theaterunternehmer Norbert Aust (Schmidt).

Die verschiedenen Einflüsse der Investoren machen sich an der Einrichtung bemerkbar: In der Halle hängt ein überdimensionaler Holzanker, in der Bar mit dem Kupfertresen steht ein 60 Jahre alter Gummibaum und in der Bibliothek stehen Marmortische aus den 60er-Jahren. Ein Angebot an Lesungen, Fußball-Live-Übertragungen und kollektives "Tatort"-Gucken soll das Pierdrei auch zum Treffpunkt für Hamburger machen.

Seit August wartet ein weiteres modernes Haus auf Büsum-Besucher. Das Lighthouse Hotel & Spa verspricht Hafencharme Deluxe zwischen Museumshafen und Nordsee. Es ist das bislang erste Vier-Sterne-Plus-Hotel der Heimathafen Hotels, zu denen auch die Beach Motels in St. Peter-Ording und Heiligenhafen gehören. Der Stil: eine Mischung aus nordischem und exquisitem Ambiente. Die Ausstattung: 108 Zimmer und Suiten, drei Appartements, drei Restaurants, inklusive einem Fine-Dining-Restaurant, zwei Bars sowie ein Spa mit drei Saunen und Liegepool mit Whirlfunktion.

Til Schweiger – der Promi unter den Gastgebern

Schauspieler und Filmemacher Til Schweiger ist bereits 2017 mit seinem ersten Barefoot-Hotel am Timmendorfer Strand auf den Hotelmarkt gedrängt, in diesem Jahr war wieder die Gastronomie dran: Der 55-Jährige hat im September sein neues Konzept vorgestellt, das nach einem Esel benannt wurde. Immerhin: ein mallorquinischer Esel. Auf der Speisekarte im Barefood Deli gibt es unter dem Namen "Henry Likes Pizza" zwölf Pizzen von der klassischen Margherita (9,90 Euro) bis zur extravaganten Variante mit Garnelen, Trüffelcreme und Steinpilzen. Dazu gibt's Champagner. Ob Henry den auch mag?

Hindukusch, Rainvilles, Rach & Ritchy – die Schließungen

Erst wurde ein Kastanienbaum vor der Tür gefällt, nun muss auch das Restaurant dahinter dran glauben. Nach 40 Jahren soll das Hindukusch am Grindelhof schließen. Es ist eines der ältesten Restaurants Hamburgs und besonders bei Studenten der Universität in unmittelbarer Nähe beliebt. Sie schätzten die günstige, authentisch afghanische Küche, die behagliche Einrichtung aus handgeknüpften Teppichen und Kunsthandwerk aus dem Orient. Die vielen Rezensionen bei den gängigen Online-Bewertungsportalen sind durchweg positiv.

Laut Inhaber Kaneschka Ghischtallei habe die Vermieterin plötzlich und ohne Gesprächsangebot den Vertrag gekündigt. Bis spätestens März 2020 muss das Lokal schließen. Offenbar erhofft sich die Besitzerin der Immobilie einen höheren Ertrag durch neue Mieter – und bringt einige Hamburger Studenten gewissermaßen um ihr zweites Wohnzimmer.

Auch Rainvilles Elbterrassen werden unfreiwillig geschlossen. Hotel und Restaurant in dem Gebäude der ehemaligen Seefahrtschule in Altona haben Ende April dichtgemacht. Zwar wurde Inhaber Constantin Urmersbach, der auch das Restaurant Parlament im Hamburger Rathaus führt, nicht hinausgeworfen. Doch die Miete für die Immobilie sei einfach zu hoch gewesen. Gespräche mit den Eigentümern haben nicht gefruchtet. Schließlich sei im Februar für die Betreibergesellschaft Insolvenz angemeldet worden.

Christian Rach muss dem Radweg weichen

Aus freien Stücken dagegen schließt zum Jahresende das Grillhaus Rach & Ritchy am Holstenkamp in Bahrenfeld. Weil, so sagte Geschäftsführer und Küchenchef Ritchy Mayer dem Abendblatt, "ich nach zehn Jahren einfach mal Lust auf etwas anderes habe, vielleicht mache ich ein kleines Bistro auf". Einer der Namensgeber ist Christian Rach: Der im Fernsehen sehr präsente ehemalige Sternekoch ist schon seit Längerem nicht mehr in dem Restaurant aktiv tätig.

Er hatte für den Standort am Holstenkamp aber offenbar schon ein neues Konzept mit einem Gastronomen-Ehepaar aus den Elbvororten entwickelt. Nun macht ihm der Bezirk einen Strich durch die Rechnung: Das Gebäude, in dem Christian Rachs Karriere vor mehr als 30 Jahren angefangen hatte, soll nun abgerissen werden. Der 62-Jährige ist enttäuscht. Er verbindet den Ort mit vielen Erinnerungen, hat nach eigenen Angaben mehrere Hunderttausend Euro investiert. Warum nun der Abriss? Ein neuer Radweg soll über das Grundstück am Holstenkamp führen.

Das Dünenhotel – daraus ist nichts geworden

Schon als das Bauvorhaben vorgestellt wurde, gab es Kritik. Nun sieht es so aus, als ob die Bauausschussmitglieder St. Peter-Ordings die Entstehung des 16 Meter hohen Dünenhotels in der Nordseegemeinde endgültig verhindert haben. Der futuristische Neubau sei zu groß, zu hoch und zu nah. Außerdem wurden Verkehrsprobleme befürchtet.

Der Investor, die Dritte Hotel Seeburg GmbH, hinter der sich die Unternehmerfamilie Mankel verbirgt, hatte ein Vier-Sterne-Wellnesshotel direkt am Strand mit 120 Zimmern geplant. Das Hamburger Architektenbüro MPP lieferte den Entwurf für das sternenförmige Dünenhotel, das auf einem 14.000 Quadratmeter großen Areal gebaut werden sollte. Wegen der Struktur mit drei Armen und einem zentralen Erschließungsknoten erinnert der Entwurf an ein Ufo. Ob der Investor seine Pläne jetzt ganz auf Eis legt oder der Politik einen neuen Entwurf vorlegt, ist noch unklar.

Lanserhof, Bunker, Reetdach-Dorf – was kommen soll

In einem 580 Jahre alten denkmalgeschützten Haus in Lüneburg eröffnet Pächter Marc Blancke im Frühjahr 2020 sein Hotel Wyndberg. Als Geschäftspartner hat er sich Hamburger Gastronomie-Prominenz ins Boot geholt: Christopher Weckler war bislang Direktor für Food und Beverage bei der Hamburger East-Gruppe. Dominik Lang soll das Hotelrestaurant verantworten und bringt Erfahrungen aus einem von Hamburg berühmtesten Traditionshäusern mit: Er war Küchenchef im Kleinen Jacob, das zum Luxushotel Louis C. Jacob gehört.

Rund 100 Millionen Euro soll das neue Lanserhof-Gesundheitsresort auf Sylt kosten, das auf dem Gelände des ehemaligen Offiziersheimes in List auf einer Fläche von 20.000 Quadratmetern entstehen wird. Fertig soll es im Frühjahr 2021 sein. Dann hat Sylt mit dem neuen Hotel das größte Reetdach Europas vorzuweisen. Darunter soll es einen rund 5.000 Quadratmeter großen Behandlungsbereich und eine medizinische Abteilung geben. Außerdem einen Spa-Bereich mit Saunen, Dampfbädern sowie Innen- und Außenschwimmbad.

Reetdach-Dorf an der Geltinger Birk

Mitten im Naturschutzgebiet, am äußersten Zipfel Schleswig-Holsteins und mit Blick nach Dänemark, entsteht ein Reetdach-Dorf aus 48 Luxusunterkünften. Bis 2020 soll das Bauvorhaben auf dem ehemaligen Bundeswehr-Areal in Nieby an der Geltinger Birk fertiggestellt sein. 16 Millionen Euro investiert das Ehepaar Marion und Norbert Essing, legt beim Bau Wert auf Naturmaterialien und eine Photovoltaikanlage.

Büsum erfindet sich neu, oder wird neu erfunden, insbesondere von den Hoteliers der Nordseeküste. Gerade erst hat das Lighthouse Hotel & Spa an der Waterkant des Küstenorts eröffnet, schon stehen die Bagger für die nächsten hippen Herbergen bereit. Büsum soll Beachapartments sowie eine Bretterbude nach dem Vorbild in Heiligenhafen bekommen. Surferstil, lässig, mit viel Holz.

Das neue größte Hotel Hamburgs

Es ist noch einige Jahre hin, aber die Pläne für das neue Kongresshotel der Superlative sind schon konkret: Ende 2023 soll das 240-Millionen-Euro-Projekt der Entwickler ECE im Elbbrückenquartier in der HafenCity fertiggestellt sein. Den Zuschlag für das 19-stöckige Gebäude mit 655 Zimmern haben zwei Marken im Vier-Sterne-Segment des amerikanischen Hotelkonzerns Marriott bekommen. Das eine ist AC Marriott mit 510 Zimmern, zu dem auch der Kongressbereich gehört, und das andere Residence by Marriott mit 145 Zimmern. In Hamburg ist das Radisson Blu am Bahnhof Dammtor mit 556 Zimmern das größte Hotel.

Der Feldstraßenbunker steht vor einer radikalen Veränderung. Neben der Aufstockung auf fünf Geschosse und die umfassende Dachbegrünung soll mit dem "nhow Hamburg" ein Lifestyle-Hotel mit 136 Zimmern in den alten Hochbunker ziehen. Die NH Hotel Group hat den Zuschlag bekommen und plant die Eröffnung für Mitte 2021.

Viele Anwohner des alternativen Karoviertels lehnen die Bunkeraufstockung generell ab, daher setzt der Vermieter EHP voraus, dass "sich das Hotel mit Offenheit in das kreative Viertel einbringt und zudem Verantwortung gegenüber der Geschichte des Bunkers zeigt". Das sagte Geschäftsführer und Projektleiter Paul Hahnert dem Abendblatt im September.

Guide Michelin, Gault&Millau und weitere Auszeichnungen

Guide Michelin: neue Sterne in Hamburg

Spitzenleistungen in der Küche bringen nach Ansicht der Kritiker des Guide Michelin 13 Hamburger Restaurants, denen im Februar insgesamt 18 Sterne verliehen wurden. Darunter auch drei neue Adressen im Sternesegment.

Neu dazugekommen sind:

  • Bianc, Matteo Ferrantino (1)
  • Lakeside, Cornelius Speinle (1, der dort inzwischen nicht mehr arbeitet)
  • 100/200, Thomas Imbusch (1)

Das Canard Nouveau an der Elbchaussee ist nach einem Brand noch geschlossen und bekam keinen Stern mehr. Im Hamburger Umland kann sich Jens Rittmeyer mit dem No. 4 in Buxtehude weiterhin über einen Stern freuen. Weit entfernt von einstiger Größe ist die Lieblingsinsel der Hamburger aus kulinarischer Sicht: Gab es auf Sylt im Jahr 2014 noch sieben Sternerestaurants, so sind es 2019 gerade mal noch drei: Söl'ring Hof in Rantum (2), KAI3 in Hörnum (1), BODENDORF's in Tinnum (1).

Gault&Millau: Punkte auf Weltklasseniveau

Neben den üblichen Top-Restaurants haben Tester des renommierten Gault&Millau im November auch an weniger bekannte Aufsteiger Punkte verliehen. Wie in den vergangenen acht Jahren führt Christoph Rüffer, Koch im Haerlin im Hotel Vier Jahreszeiten, die Liste der besten Köche in der Stadt an. Dieses Mal teilt er sich den ersten Platz mit Kevin Fehling vom Restaurant „The Table“.

Der 43 Jahre alte Fehling, der im vergangenen Jahr 18 von 20 möglichen Punkten erreichte, schafft es nun mit 19 Punkten auch im Gault&Millau auf Weltklasseniveau, das er im Guide Michelin mit drei Sternen bereits innehat. Er festigt seinen Platz als angesagtester Maî­t­re de Cuisine des Landes. Zu den Newcomern zählen das "Heimatjuwel" (mit 14 Punkten der höchste Neueinstieg), die "Hobenköök", das "Mi Chii" und das "Salt&Silver". Hier finden Sie die besten Restaurants in Hamburg nach dem "Gault&Millau".

"Bib Gourmand Deutschland": überragende Küche im mittleren Preissegment

Wem anspruchsvolle Küche schmeckt, der muss ausgerechnet in Hamburg nicht zwangsläufig tief in die Tasche greifen. Denn der "Bib Gourmand Deutschland" – gewissermaßen der "kleine Guide Michelin" – führt in ganz Deutschland 424 Topadressen für Gourmetküche im mittleren Preissegment. Mit 16 Nennungen ist Hamburg der Hotspot für preisbewusste Feinschmecker. Hier geht es zu den Nennungen im Überblick.

Wer noch was gewonnen hat

Und weil drei Gourmetführer für diese Stadt einfach noch nicht genügen, folgt nun eine unvollständige Auswahl weiterer Auszeichnungen und Rankings.

Das Gourmet-Portal www.restaurant-ranglisten.de beispielsweise hat alle Ausgaben der führenden Restaurant-Guides für 2019 ausgewertet und bestätigt, was ohnehin bekannt war: Kevin Fehling (43) gehört mit seinem "The Table" an die Spitze der Hamburger Küche, deutschlandweit belegt er Platz zehn. Die weiteren Ränge finden Sie hier. "Der Große Restaurant & Hotel Guide" sieht das offenbar anders und kürt Christoph Rüffer, Chefkoch des Haerlin im Luxushotel Vier Jahreszeiten zum "Koch des Jahres".

"Feinschmecker": The Table, Haerlin und Seven Seas

Die Fachzeitschrift "Der Feinschmecker" rundet das Bild ab und hat 20 Hamburger Gastronomiebetriebe in die Liste der "500 besten Restaurants Deutschland" aufgenommen. Die drei bestplatzierten sind das The Table, das Haerlin und das Seven Seas.

Vier Jahreszeiten: "Zeitlose Eleganz der alten Welt Europa"

Die Leser des US-Magazins "Condé Nast Traveler" haben das Hotel Vier Jahreszeiten unter die 50 besten Hotels der Welt gewählt. In der internationalen Lesergunst landet das Hotel auf Rang 32 und ist nach diesem Ranking das beste Hotel Deutschlands. Die Begründung klang dann auch sehr US-amerikanisch: Die Macher des Magazins schwärmten von der "zeitlosen Eleganz der alten Welt Europa", die Gäste in der 1897 eröffneten "Grand Dame" an der Binnenalster erleben könnten. Service, Diskretion und Liebe zum Detail wurden hervorgehoben.

Trostpflaster für Kühne: die beste Hotelbar Deutschlands

Wer sich den Bauch nun vollgeschlagen hat und einen ausgezeichneten Drink genießen möchte, kann sich auf den Weg ins The Fontenay machen. Während im Hotelrestaurant zuletzt die Fetzen flogen, geht es in der Bar des Hauses gemächlicher zu. Bei den Mixology Bar Awards in Berlin wurde diese nämlich zur Hotelbar des Jahres gekürt. Ein Trostpflaster für Klaus-Michael Kühne nach diesem aufreibenden Jahr.