Sportpolitik

Berlin und Hamburg wollen Olympia nicht

Die Delegierten bei der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Die Delegierten bei der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Foto: dpa

Eine Diskussion um eine neue Bewerbung um Olympische Spiele wird ohne Berlin und Hamburg weitergehen. Beide Städte signalisierten dem DOSB, für 2032 nicht einsteigen zu wollen. Bisher hat nur die Initiative Rhein-Ruhr angemeldet, ins Olympia-Rennen gehen zu wollen.

Frankfurt/Main. Die bedeutendste Nachricht verkündete Alfons Hörmann erst nach der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes. Berlin und Hamburg stehen nicht für eine Olympia-Bewerbung für das Jahr 2032 bereit. "Hamburg hat ein deutliches Signal gegeben, sich eine Olympia-Bewerbung nicht vorstellen zu können", teilte der DOSB-Präsident am Samstag in Frankfurt mit. Berlin habe bekundet, dass 2032 "zu früh kommen könnte", ergänzte Hörmann.

Berlins Sportsenator Andreas Geisel hatte in der Vergangenheit eine Bewerbung für 2036 in die Diskussion gebracht. Als einziger potenzieller Kandidat für eine Olympia-Bewerbung für 2032 hat sich bisher nur die Initiative Rhein-Ruhr positioniert. Hamburg wollte sich für die Spiele 2024 bewerben, scheiterte aber an einer Bürgerbefragung. Berlins Kandidatur für 2000 hatte keinen Erfolg.

Dabei hatte Bundesinnenminister Horst Seehofer dem DOSB zuvor noch die volle Unterstützung für dieses Großprojekt versichert und ihn ermuntert, einen neuen Anlauf für Olympische Spiele zu nehmen. "Ich denke, wir sollten eine Olympia-Bewerbung von Deutschland im Blick haben", sagte er. "Deshalb dürfen wir nicht nachlassen, Sportgroßveranstaltungen bis zu einer Olympia-Bewerbung nach Deutschland zu holen." Dazu sei eine nationale Strategie für Sportgroßveranstaltungen auf den Weg gebracht.

Seehofer forderte aber auch einen Wandel des Images der Spiele, weg von der Kommerzialisierung hin dazu, die Athleten in den Mittelpunkt zu stellen. "Dann haben wir eine Chance, so etwas wieder nach Deutschland zu holen", sagte er. "Wir wollen und wir können es."

So bleibt aktuell die Initiative Rhein-Ruhr City, die die Unterstützung der nordrhein-westfälischen Landesregierung genießt, einziger potenzieller Kandidat für 2032. "Damit steht der deutsche Sport vor der Frage, wie geht er mit dem Thema um. Wir sind mitten in den Gesprächen und der Analyse", erklärte Hörmann. "Die DOSB-Mitgliederversammlung wird zum richtigen Zeitpunkt eine richtige Entscheidung zu treffen haben", sagte er.

Abgesehen vom Olympia-Thema wurde bei dem DOSB-Konvent deutlich, dass die Zusammenarbeit zwischen DOSB und dem Bundesinnenministerium selten so gut und ertragreich war wie aktuell. "Sport ist keine Nebenangelegenheit oder ein Anhängsel, sondern steht im Mittelpunkt der Politik des Innenministers", sagte Seehofer. Der CSU-Politiker stockte in seiner Amtszeit nicht nur die Sportförderung inklusive der 35 Millionen für 2020 auf 279 Millionen Euro auf, sondern kündigte überraschend einen neuen Goldenen Plan zum Sportstättenbau an.

"Wir müssen sehen, dass viele Sportstätten in den 70er Jahren entstanden sind und energetisch, technisch, baulich nicht den aktuellen Anforderungen entsprechen", erklärte Seehofer. Deshalb werde im BMI und mit dem DOSB überlegt, eine Konzeption dafür zu entwickeln. Hörmann war "von der Klarheit", mit der der Minister die "Nachricht des Tages" verkündete, positiv überrascht. Ohne eine genaue Zahl für diese Investitionen zu nennen sprach er von einem "Milliarden-Stau", der in den zweistelligen Bereich gehe.