Hamburg

"Schonbereich Luftverkehr" – harte Kritik am Klimaschutzplan

| Lesedauer: 3 Minuten
Axel Ritscher
Die Umweltschützer wollen in Hamburg höhere Landegebühren für Klimasünder.

Die Umweltschützer wollen in Hamburg höhere Landegebühren für Klimasünder.

Foto: Christoph Schmidt / dpa

Lärmschützer fordern Maßnahmen gegen den "Klimaschädling Nummer 1" und wollen Flüge ab Hamburg teurer machen.

Hamburg. Die "Notgemeinschaft der Flughafen-Anlieger Hamburg e.V." hat den Klimaschutzplan des Senats scharf kritisiert. "Ausgerechnet beim Klimaschädling Nummer 1, dem Luftverkehr, fehlen jegliche wirkungsvolle Maßnahmen", sagte der erste Vorsitzende Gebhard Kraft. Die Linkspartei hatte dem Senatskonzept bescheinigt, einen "Schonbereich Luftverkehr" eingerichtet zu haben, die CDU monierte, dass der Senat mit seinen Schutzmaßnahmen in erster Linie Privatleute einschränke.

Der Luftverkehr emittiere in Hamburg jährlich zwei Millionen Tonnen CO2-Äquivalente, sagte Kreft. Laut Senatsstudie entfallen auf den Verkehrssektor insgesamt 4,6 Millionen Tonnen CO2. Zum Luftverkehr finden sich jedoch nur allgemeine Hinweise auf das weiter steigende Flug- und Passagieraufkommen sowie die Empfehlung an die Airlines, neue und umweltfreundliche Flugzeuge wie den Airbus 320 neo einzusetzen. Das Wachstum im Luftverkehr sei bereits klimaneutral. Außerdem gebe es die unverbindliche Verpflichtung der Luftfahrtbranche, unter anderem durch die Verwendung von synthetischem Kerosin einen emissionsfreien Luftverkehr bis 2050 zu erreichen.

"Mit hohen Landegebühren Umweltsünder stoppen!"

Das reicht Kraft nicht. "Düsentriebwerke erzeugen aufgrund der hohen Flughöhen mehr als vier mal so viel Klimaschäden wie Autos. Zieht man die Effekte des synthetischen Kraftstoffs ab, bleiben immer noch 75 Prozent des Klimaschadens unkompensiert." Er forderte den Senat auf, an der Gebührenschraube zu drehen, um die Airlines mit Kostendruck zum Klimaschutz zu zwingen:

  1. Der EU-Beschluss zum Klimanotstand erlaube es bereits heute, Flugzeuge mit schlechterem Standard als dem A320 neu vom Verkehr von und nach Hamburg auszuschließen. Das solle genutzt werden.
  2. Für bestehende unkompensierte Flugverbindungen von und nach Hamburg solle der Senat mithilfe erhöhter Landegebühren eine Vollkompensation sicherstellen, also ab 2020 die Gebühren massiv erhöhen.

Der Senat hat das Sagen am Flughafen

Der Senat ist Mehrheitsgesellschafter der Flughafen GmbH und könnte die Geschäftspoltik bestimmen. "Um den deutschlandweit beschlossenen Klimazielen für 2020 zu entsprechen, müsste der Flugverkehr in Fuhlsbüttel gegenüber dem Basisjahr 1990 halbiert werden", sagte Kreft. Der Flughafen will dagegen weiter wachsen.

Wissenwertes zum Hamburger Flughafen:

  • Der Hamburg Airport hat zwei Terminals und liegt 8,5 Kilometer nordwestlich der Stadtmitte
  • Er wurde 1911 angelegt und ist der älteste und fünftgrößte Flughafen in Deutschland
  • Seit 2016 wird der Flughaften auch Hamburg Airport Helmut Schmidt genannt
  • Er umfasst inzwischen eine Fläche von 570 Hektar
  • Rund 60 Airlines fliegen derzeit den Hamburger Flughafen an (Stand: Dezember 2019)

Die Notgemeinschaft der Flughafen-Anlieger ist üblicherweise in Sachen Fluglärmschutz unterwegs. Allerdings sind in den letzten Jahren immer mehr auch Umweltgesichtspunkte in den Blick gekommen, weil auch sie den Gesundheitsschutz betreffen und Argumente für die Reduzierung des Luftverkehrs liefern.

Das könnte Sie auch interessieren:

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg