Umweltverschmutzung

Gutachten: Vollständige Dekontamination der Wiking-Halbinsel

Blick auf die Schlei bei Schleswig.

Blick auf die Schlei bei Schleswig.

Foto: dpa

Teile der Wiking-Halbinsel in der Schlei sind seit Jahrzehnten mit giftigen Altlasten verseucht. Nun soll das Areal dekontaminiert werden. So empfiehlt es ein Gutachten, auch Landkreis und Stadt Schleswig wollen es so. Bleibt die Frage: Wer zahlt?

Schleswig. Ein Rechtsgutachten empfiehlt die vollständige Dekontamination der mit Altlasten verseuchten Wiking-Halbinsel in der Schlei in Schleswig. Dies beinhalte den Austausch des verunreinigten Bodens sowie der belasteten Schlei-Sedimente, sagte der Landrat des Kreises Schleswig-Flensburg, Wolfgang Buschmann, am Donnerstag in Schleswig bei der Vorstellung des Gutachtens. Die Kosten für die Dekontamination werden auf mehr als 14 Millionen Euro geschätzt. Der Kreis als Bodenschutzbehörde ist für das Verfahren zuständig.

Von dem Grundstück eines ehemaligen Gaswerks und einer Teer- und Dachpappenfabrik am Wikingeck gelangen giftige Stoffe durch den kontaminierten Boden in die Schlei. Das betroffene Areal umfasst rund 6110 Quadratmeter Land- und etwa 3400 Quadratmeter Wasserfläche. Bis in die 1950er Jahre wurde das Gelände industriell genutzt.

Buschmann sagte, "wir als Kreis sprechen uns klar für die Dekontamination aus". Auch die Stadt Schleswig sieht in der zeitnahen, nachhaltigen Sanierung den einzig sinnvollen Weg, wie Bürgermeister Arthur Christiansen sagte. Mit einem Beginn der Arbeiten ist laut Buschmann frühestens im Frühjahr 2022 zu rechnen.

Die Stadt könne die Kosten nicht alleine stemmen, sagte Christiansen. Dies habe der Kreis aber auch verstanden. Auf städtischen Grundstücken befindet sich der größte Anteil der Gesamt-Schadstoffmasse. Buschmann sagte, der Kreis werde die Stadt daher als Hauptverantwortliche in Anspruch nehmen. Er erwarte aber auch, dass sich Land und Bund an den Kosten beteiligen. "Wir als Kreis bieten uns an, bei der Kostenfrage moderierend und zielführend zu unterstützen, um langjährige gerichtliche Verhandlungen zu vermeiden."

Das schleswig-holsteinische Umweltministerium hatte vergangene Woche erklärt, dass entgegen der bisherigen Grundbucheintragung nicht das Land, sondern der Bund Eigentümer der betroffenen Fläche in der Schlei ist. Dies hatte zu Verwunderung bei den Akteuren in Schleswig geführt. Mit einer Grundbuchänderung am 28. November ist auch formal der Bund und nicht mehr das Land zuständig.

Damit obliegt die Reinigung und Sanierung der kontaminierten Flächen nach den Worten von Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) in erster Linie der Stadt Schleswig und dem Bund als Eigentümer. Er betonte aber, "sollten alle Beteiligten in diesem Zusammenhang auch insbesondere die damit verbundene finanzielle Verantwortung wahrnehmen, bin ich sicher, dass auch das Land seinen Teil zu der Bewältigung dieser Aufgabe beitragen wird." Hierzu seien bereits Vorschläge unterbreitet worden und man stehe weiter für Gespräche bereit.

Eine weitere geprüfte Variante, die Errichtung einer Schutzwand rund um das kontaminierte Gelände, wird von Stadt und Kreis abgelehnt. Zwar belaufen sich die geschätzten Kosten auf nur vier Millionen Euro, allerdings wird von rund 200 000 Euro Folgekosten pro Jahr ausgegangen. Und da sich die Schadstoffe nur über mehrere Hundert Jahre von alleine abbauen in, ist diese Variante den Angaben zufolge auf lange Sicht teurer als die Dekontamination.

Zudem sei die Variante nicht nachhaltig und sichere nur den Status quo, sagte der Leiter der Abteilung Bau und Umwelt beim Kreis, Thorsten Roos. Alle Schadstoffe blieben im Untergrund, die Lösung des Problems würde späteren Generationen aufgebürdet.