Landtag

Todesfälle bei Polizeieinsätzen: Ermittlungen gehen weiter

Blick auf das Kieler Landeshaus.

Blick auf das Kieler Landeshaus.

Foto: dpa

Zwei Männer starben Anfang November im Zusammenhang mit Polizeieinsätzen in Schleswig-Holstein. Die Todesfälle beschäftigen auch den Innen- und Rechtsausschuss des Landtags. In einem Fall wird auf das Ergebnis von Analysen gewartet.

Kiel. Die Ermittlungen nach dem Tod von zwei Männern im Zusammenhang mit Polizeieinsätzen in Schleswig-Holstein dauern an. "Dieses Geschehen hat mich als zuständigen Staatssekretär auch berührt", sagte Innenstaatssekretär Torsten Geerdts (CDU) am Mittwoch im Innen- und Rechtsausschuss des Landtags in Kiel. Gemeinsam mit dem zuständigen Leiter der Bezirkskriminalinspektion Lübeck, Thomas Wolff, berichtete er den Abgeordneten über den Ermittlungsstand in beiden Fällen.

Dabei geht es zum einen um die tödlichen Schüsse eines Polizisten auf einen bewaffneten Mann am 2. November in Lübeck. Dieser habe im Stadtpark einem Mann mit Kinderwagen sinngemäß gesagt: "Wenn das wirklich ein Kind in dem Wagen ist, dann biegen sie besser aus eigenem Interesse ab", sagte Geerdts. Er werde darüber in der Zeitung lesen. Der Zeuge schaltete daraufhin die Polizei ein.

Als Beamte dort wenig später eintrafen, hätten sie gesehen, dass der Mann eine Waffe hatte, wie Wolff schilderte. Diese habe sich zwar später als Schreckschusswaffe herausgestellt. Dies sei für die Beamten aufgrund des Erscheinungsbildes in der konkreten Situation aber nicht zu erkennen gewesen. Nach einem Warnschuss des Beamten sei es zu einem Schusswechsel gekommen. Laut Staatssekretär Geerdts suchten die Beamten dabei Deckung hinter Bäumen.

Der Mann habe dann die Flucht ergriffen, über eine Strecke von 200 Metern sei es wiederholt zur "wechselseitigen Schussabgabe" gekommen, sagte Wolff. Der 52-Jährige sei zu einem Haus in einer angrenzenden Straße gelaufen und habe versucht, durch eine eingeschlagene Scheibe in das bewohnte Gebäude einzudringen. Bei einem weiteren Schusswechsel dort sei er dann tödlich getroffen worden. Nicht äußern wollte sich Wolff am Rande des Ausschusses zu der Frage, wie viele Schüssen bei dem Vorfall von beiden Seiten abgegeben wurden.

Das ganze Geschehen habe etwa dreieinhalb Minuten gedauert, sagte Wolff. Die Ermittler gingen nach Befragungen im Umfeld des Mannes davon aus, dass dieser die Situation habe herbeiführen wollen, um sich von Beamten erschießen zu lassen. Möglicherweise hätten gesundheitliche Gründe eine Rolle gespielt.

Laut Obduktionsergebnis wurde er durch zwei Schüsse am Oberkörper getroffen. Zusätzlich wurde ein Streifschuss am Bein festgestellt. Laut Staatsanwaltschaft war der 52-Jährige in den Jahren 1989 und 1997 zu langjährigen Haftstrafen wegen räuberischer Erpressung und Raubes verurteilt worden. Die Ermittlungen in dem Fall von Anfang November seien noch nicht abgeschlossen, sagte die Lübecker Oberstaatsanwältin Ulla Hingst der Deutschen Presse-Agentur.

Thema war im Ausschuss auch ein Polizeieinsatz am 1. November in Ahrensburg (Kreis Stormarn). Dabei war ein 55 Jahre alter Mann aus bislang ungeklärten Umständen gestorben. Der Mann habe bei seiner Festnahme erheblichen Widerstand geleistet, sagte Geerdts. Deswegen hatten Beamten den Mann schließlich fixiert.

An der Leiche des Mannes waren Druckverletzungen gefunden worden. Außerdem erlitt er laut Staatsanwaltschaft bei der Fixierung einen Kreislaufstillstand. "Wir haben weitere rechtsmedizinische Untersuchungen in Auftrag gegeben, die zeitaufwendig sind", sagte Hingst. Deren Ergebnisse seien eher in Monaten als in wenigen Wochen zu erwarten.

Wolff sagte im Ausschuss, aus den Ermittlungen hätten sich keine Hinweise darauf ergeben, warum sich der 55-Jährige einer Überprüfung durch Beamte entziehen wollte. Das Motiv für sein Vorgehen sei unklar.