Hamburg

A-7-Vollsperrung: Was Autofahrer beachten sollten

Autos fahren auf der Autobahn 7 bei Schnelsen in den Schnelsen-Tunnel mit dem Lärmschutzdeckel.

Autos fahren auf der Autobahn 7 bei Schnelsen in den Schnelsen-Tunnel mit dem Lärmschutzdeckel.

Foto: dpa

Der Lärmschutztunnel Schnelsen soll im Januar in Betrieb genommen werden. Am Dienstag endete eine erste Geduldsprobe.

Hamburg. Der erste Hamburger Deckel über der Autobahn 7 ist fertig. Am kommenden Freitag soll der Schnelsener Tunnel offiziell eingeweiht werden, am Montag darauf werden erstmals beide Röhren befahrbar sein. Mit 550 Metern ist er der kürzeste der insgesamt drei Tunnel auf der A 7. Dennoch ist mit seiner Fertigstellung ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer stadtgemäßen Ausgestaltung der Autobahn geschafft. Mehr Platz für Autos, mehr Schutz für Anwohner: Die Deckellösung macht beides möglich. Der Stellinger Deckel soll Ende 2020 fertig sein, der Bahrenfelder Deckel frühestens 2025.

Bevor die Autofahrer in Schnelsen beide Tunnelröhren nutzen können, sind allerdings zwei Komplettsperrungen der A 7 nötig. Die erste Sperrung fand in der Nacht zum Dienstag (22 bis 5 Uhr) wegen eines Funktionstestes statt. Die zweite Sperrung beginnt am kommenden Freitag um 22 Uhr und endet am Montag, 9. Dezember, um 5 Uhr. In dieser Zeit werden die letzten Arbeiten im Tunnel vollzogen. In der Weströhre, die bislang für beide Fahrtrichtungen benutzt wurde, müssen etwa Schilderbrücken abgebaut werden. Am Montag fließt der Verkehr dann durch beide Röhren. Auch die Auffahrt über die Anschlussstelle Hamburg-Schnelsen auf die A 7 in Richtung Süden ist dann wieder möglich.

Mitte Januar sollen beide A-7-Röhren fertig sein

Im Tunnel selbst sind zunächst nur zwei der drei Fahrspuren je Richtung freigegeben. Grund dafür ist das „vollautomatische Mittelstreifenüberleitungssystem“, das dann noch montiert werden muss. Die Schranken stehen vor und hinter dem Tunnel und machen es im Notfall möglich, den kompletten Verkehr durch eine der beiden Röhren zu leiten. So können in der anderen Röhre Wartungsarbeiten vorgenommen werden – oder Rettungsarbeiten, falls es dort zu einem Unfall kommt.

„Mitte Januar sollte aber alles fertig sein“, sagt Florian Zettel, der Sprecher des Baukonsortiums Via Solutions Nord. „Dann fließt der Verkehr auf allen Fahrbahnen in den beiden Röhren.“

A-7-Vollsperrung: Auch Eimsbüttel betroffen

Während der am Freitag beginnenden Vollsperrung ist allerdings noch einmal mit erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen zu rechnen – auch in Eidelstedt und Eimsbüttel. Der Verkehr in Richtung Flensburg wird vom Dreieck Hamburg-Nordwest über die B 4 zur Anschlussstelle Schnelsen-Nord geleitet. In Gegenrichtung geht es in Schnelsen-Nord von der Autobahn ab und dann zum Dreieck Hamburg-Nordwest. Wer zum Flughafen will, sollte mehr Zeit einkalkulieren. Den Anwohnern im Bereich Schnelsen und Stellingen wird geraten, aufs Auto zu verzichten und auf Busse und S-Bahnen umzusteigen.

Der Tunnel Schnelsen ist Teil des derzeit größten Infrastrukturprojekts im Norden. Die A 7 soll vom Dreieck Bordesholm in Schleswig-Holstein bis südlich des Elbtunnels verbreitert werden. Zwischen Bordesholm und der Landesgrenze Hamburg/Schleswig-Holstein sind die Arbeiten schon beendet. Der Tunnel Schnelsen, der zu diesem nördlichen Bauabschnitt gehört, ist gewissermaßen ein Nachzügler. Eigentlich hatte er schon vor einem Jahr fertig sein sollen. Doch schon recht bald nach dem Baubeginn Anfang 2015 war klar, dass dieser Termin nicht zu halten sein würde. Die Gründung des Deckels erwies sich wesentlich aufwendiger als gedacht.

Beim Baukonsortium Via Solutions Nord sorgte das für erhebliche Nervosität. Schließlich hatte sich das Unternehmen vertraglich verpflichtet, bis Ende 2018 mit allen Arbeiten fertig zu sein. Eine hohe Vertragsstrafe drohte. Doch am Ende verzichtete der Staat auf die Strafe – mit der Begründung, die Verzögerung sei nicht vorhersehbar gewesen.

Auf A-7-Deckel entstehen 42 Kleingärten und ein Park

Der 550 Meter lange Tunnel ist durchaus ein beeindruckendes Bauwerk. Er steht auf 757 Bohrpfählen, die bis zu 24 Meter lang sind. Jede Tunnelröhre ist gut 15 Meter breit, die lichte Höhe beträgt 4,90 Meter. Der Deckel ist 90 Zentimeter dick, an den Rahmenecken sind es sogar bis zu 1,40 Meter. Etwa 5000 Lkw-Ladungen Beton wurden verbaut. Zwölf Belüftungsturbinen sorgen dafür, dass der Tunnel im Brandfall nicht verqualmt wird. 60 Kameras behalten den Verkehr im und am Tunnel im Blick.

Und oben, auf dem Deckel? Dort wird es erst erdig, dann grün. 1,20 Meter stark soll die Erdschicht werden. Das Baukonsortium übernimmt einen Teil der Arbeiten, für den Rest ist das Bezirksamt Eimsbüttel zuständig. Dann wird gepflanzt. Am Ende werden sich auf den Deckeln 42 Kleingärten und eine öffentliche Parkanlage befinden. Die Architekten haben sich bei der Gestaltung angeblich von Edouard Manets Gemälde „Das Frühstück im Grünen“ inspirieren lassen. Oben rauscht der Wind in den Bäumen und Büschen, unten rauscht der Verkehr.

Und was hat das alles gekostet? Nun, es ist jedenfalls teurer geworden. Im Jahr 2009 hatte sich der Senat dazu durchgerungen, zusätzlich zu den vom Bund ohnehin geplanten Lärmschutzmaßnahmen beim Ausbau der A 7 (dazu gehörte der Deckel Stellingen) auch in Schnelsen die Autobahn zu überdeckeln. 27 Millionen Euro würde das Hamburg kosten, rechnete man damals vor. Dann stiegen die Gesamtkosten. 2011 wurde mit 163,8 Millionen Euro gerechnet, 2014 waren es bereits 225,3 Millionen Euro. Hamburg sollte nicht mehr 27 Millionen Euro, sondern rund 70 Millionen Euro zahlen. Dabei ist es nach Angaben der Verkehrsbehörde auch geblieben. „Das gesamte Projekt wurde zu den vereinbarten Kosten fertiggestellt“, sagte Susanne Meinecke, Sprecherin der Wirtschaftsbehörde. Keine Kostensteigerungen in den vergangenen fünf Jahren: Das gleicht einem Wunder.