Verkehr

S4: Bau der neuen S-Bahn-Linie könnte 2020 beginnen

Der S 4 – hier bei einer Erprobungsfahrt – soll auf zwei neuen Gleisen verkehren.

Der S 4 – hier bei einer Erprobungsfahrt – soll auf zwei neuen Gleisen verkehren.

Foto: Bertold Fabricius

Am Freitag unterzeichnen Hamburg und Schleswig-Holstein die Vereinbarung, mit der die Finanzierung endgültig gesichert wird.

Kiel/Hamburg.  Sie bezahlen es, sie bezahlen es nicht, sie bezahlen es, sie bezahlen es nicht: Das Hin und Her um die Finanzierung der neuen S-Bahn S4 zwischen Hamburg und Bad Oldesloe scheint nun tatsächlich ein Ende gefunden zu haben. Dieses Ende war in den vergangenen Monaten schon mehrfach verkündet und mehrfach wieder zurückgenommen worden. Aber diesmal soll es klappen. Am kommenden Freitag wollen Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher die abschließende Finanzierungsvereinbarung unterzeichnen. Im kommenden Jahr könnte dann mit dem Bau begonnen werden.

1,847 Milliarden Euro soll das Schienenprojekt kosten, das im Wesentlichen aus zwei neuen Gleisen zwischen Hamburg-Hasselbrook und Ahrensburg besteht. Den Löwenanteil der Kosten übernimmt der Bund, die beiden Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein dürfen sich über relativ kleine Zuzahlungen freuen. In den letzten Verhandlungen haben sich die Zahlen sogar noch weiter verbessert. Während Hamburg Ende Oktober mit einem Kostenanteil von 236 Millionen Euro rechnete, sollen es jetzt nur noch rund 230 Millionen Euro sein.

Verhandlungserfolg für Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein hatte ursprünglich 118 Millionen Euro zahlen sollen, nun sind es nur noch 93,4 Millionen Euro. In Kiel freut man sich über diesen Verhandlungserfolg - und rechnet vor, nur 5,1 Prozent der Gesamtkosten zahlen zu müssen. „Unser Anteil ist deutlich geringer geworden“, sagt Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP). Sein Fazit: „Schleswig-Holstein ist zäh geblieben.“

Nicht nur wegen Schleswig-Holsteins Haltung hatten sich die Verhandlungen über die Finanzierung der S4 von Anfang an als zäh erwiesen. Das Schienenprojekt fällt eigentlich aus allen Fördertöpfen. Es dient zwar dem Nahverkehr und müsste deshalb eigentlich mit Geld aus Nahverkehrs-Förderprogrammen bezahlt werden. Zugleich entlastet die S4 aber auch den Hamburger Hauptbahnhof, nutzt also dem Fernverkehr, auch dem Güterfernverkehr. Wie lässt sich für diese Zwitterstellung eines Bauvorhabens eine sinnvolle Kostenverteilung finden? Es begann die Suche nach einem „Deal“.

Hamburger Senat wollte schnelle Einigung

Mehrfach meldeten einzelne Vertragspartner, dass man sich geeinigt habe – woraufhin die jeweils anderen widersprachen. Der Kieler Landesregierung war es wichtig, die klammen Landesfinanzen möglichst zu schonen. Der Hamburger Senat hingegen wollte unbedingt noch vor der Bürgerschaftswahl eine Einigung verkünden.

Zuletzt legte das Bundesverkehrsministerium Wert auf die Feststellung, dass man noch längst nicht fertig sei – sondern ganz im Gegenteil einige Probleme der Klärung bedürften. „Es gibt noch keine finale Entscheidung zur wichtigen Frage des Umgangs mit eventuell auftretenden Kostensteigerungen“, sagte Enak Ferlemann (CDU), Staatssekretär im Verkehrsministerium, vor rund zwei Wochen.

Neue Aufteilung im Fallvon Kostensteigerungen

Auch für dieses Problem ist mittlerweile eine Lösung gefunden worden. Nach Abendblatt-Informationen werden eventuelle Kostensteigerungen Im Verhältnis von 58,4 Prozent (Bund) zu 41,6 Prozent (Hamburg und Schleswig-Holstein) aufgeteilt. Von dem auf die beiden Länder entfallenen Anteil trägt wiederum Hamburg 71,17 Prozent. Schleswig-Holstein ist mit 28,83 Prozent dabei.

Die Finanzierungsvereinbarung, die dieses und weitere Details festhält, soll am Freitag in Berlin unterzeichnet werden. Für den Bund wird der Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) unterschreiben. Die beiden Regierungschefs Tschentscher und Günther halten sich wegen einer Bundesratssitzung ohnehin in der Hauptstadt auf. 2025 könnte die Strecke bis Rahlstedt in Betrieb genommen werden, etwa 2027/28 könnte der Abschnitt Rahlstedt–Ahrensburg–Bad Oldesloe folgen.

Fünf neue S-Bahn-Stationen in Hamburg

Parallel dazu starten die parlamentarischen Beratungen. In Schleswig-Holstein wird sich am Donnerstag der Finanzausschuss mit dem Thema befassen. In Hamburg hat der Verkehrsausschuss die entsprechende Senatsdrucksache (mit den nun veralteten Zahlen) bereits einstimmig verabschiedet. Am 18. Dezember will die Bürgerschaft über die Finanzierungsvereinbarung diskutieren.

Die neue S-Bahn soll bis Ahrensburg im Zehn-Minuten-Takt verkehren. Im Hamburger Hauptbahnhof werden durch den Bau des Doppelgleises die Bahnsteige der jetzigen Regionalbahn frei. Die S4 wird unterirdisch in den Bahnhof einfahren und dort die Gleise 1 bis 4 der S-Bahnen benutzen. Das Umsteigen auf andere S-Bahnen wird so erleichtert, die Treppen und Bahnsteige im oberirdischen Teil werden entlastet.

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Mit dem Bau der S4 wird es fünf neue S-Bahn-Stationen geben: in Hamburg an der Claudiusstraße, Bovestraße, Holstenhofweg und Am Pulverhof. In Schleswig-Holstein wird die Station Ahrensburg-West als zusätzlicher Haltepunkt gebaut.