Hamburg

Rätsel um drohendes Aus für die Pfadfinder in Harvestehude

Kinder und Jugendlichen der Pfadfindergruppe St. Andreas demonstrieren gegen den Rauswurf.

Kinder und Jugendlichen der Pfadfindergruppe St. Andreas demonstrieren gegen den Rauswurf.

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Die 200 Pfadfinder der St. Andreas Gemeinde in Hamburg fürchten das Aus. Kirchenvorstand tagt geheim.

Hamburg.  Mit Lagerfeuer vor der Kirche, Liedern und Transparenten, auf denen „Pfadfinder in Not = Kirche tot“ oder „Jesus würde uns nicht vor die Tür setzen“ steht, demonstrierten am Dienstagabend rund 300 Menschen vor der St. Andreaskirche an der Bogenstraße in Harvestehude gegen das mögliche Aus der Pfadfinder St. Andreas.

Die Kinder und Jugendlichen und deren Eltern fürchten um ihre Zukunft und das Ende einer langen Tradition. Gerade erst hat der Stamm als einer der ältesten in Hamburg sein 70-jähriges Bestehen gefeiert.

Während im Gemeindehaus der Kirchenvorstand über die Zukunft der Pfadfinder tagte, machten die Betroffenen vor der Tür lautstark auf sich aufmerksam. Demnach sollen die Pfadfinder ihre Räume bereits zum Ende des Jahres verlassen. Datenschutzregelungen, Versicherungsschutz und abrechnungsrechtliche Probleme sollen die Gründe für ein mögliches Aus sein. Auch Propst Martin Vetter war am Abend vor Ort, versuchte zu beschwichtigen. Vor der geschlossenen Kirchenvorstandssitzung sagte er: „Die Pfadfinder sind Teil der Gemeinde, aber die Frage ist: Wie sind sie versichert – selbstständig oder als Teil der Gemeinde?“

Pfadfinder fordern Transparenz

Die Pfadfinder fühlen sich vom Kirchenvorstand, der Bischöfin und Pastor Kord Schoele nicht ernst genommen und fordern Transparenz und das direkte Gespräch. Stammesführer Artur Tietgens: „Ich kann nicht verstehen, wie erwachsene Kirchenbeamte, die noch anderen über Nächstenliebe und Vergebung predigen, es zu einer Situation kommen lassen, in der Dutzende von Kindern und deren Leiter um etwas fürchten müssen, das ihnen sehr wichtig ist.“

Er kritisiert, dass die Sitzungen ohne die Pfadfinder stattfinden: „Geheime Sitzungen brauchen nur die, die etwas zu verbergen haben. Transparenz und offene Diskussion gehören zu einer offenen Gesellschaft, in der man sich mit Respekt und Wertschätzung begegnet.“ Die Sippen und ehrenamtlichen, überwiegend minderjährigen Gruppenleiter, hätten sich nichts zu Schulden kommen lassen.

Unterstützung kommt von der Politik. Danial Ilkhanipour, SPD-Bürgerschaftsabgeordneter: „Ich hoffe auf ein Umdenken. So kurzfristig neue Räume zu finden, wäre schwer.“ Gabriele Albers von den Grünen lobte: „Hier beschäftigen sich die Jugendlichen nicht mit dem Handy, sondern sie reden miteinander.“

200 Kinder betroffen

Von einem möglichen Rausschmiss der Pfadfinder aus den Räumen der Gemeinde wären 200 Kinder und Jugendliche zwischen acht und 18 Jahren betroffen. Pfadfinder Yukon, 15 Jahre, seit fünf Jahren dabei: „Ich bin vom Land in die Stadt und brauchte ein Hobby. Ich finde hier ältere Jugendliche und eine Gemeinschaft.“ Die Sitzung wurde am Abend nach gut einer Stunde vertagt. Pfadfinder Helmut Lindner: „Wir bleiben also erstmal im Spiel.“

Solange eine Entscheidung aussteht, ist ab sofort jeden Mittwoch eine Mahnwache im kleinen Kreis vor der Tür geplant.