Prozess in Hamburg

Tod des kleinen Mohamed: Eltern sollen ins Gefängnis

Nach dem Tod ihres unterernährten Babys Mohamed im November 2017 mussten sich die Eltern bereits im Juni vor dem Hamburger Amtsgericht wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen verantworten.

Nach dem Tod ihres unterernährten Babys Mohamed im November 2017 mussten sich die Eltern bereits im Juni vor dem Hamburger Amtsgericht wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen verantworten.

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Das Baby wog nach zweieinhalb Monaten weniger als bei seiner Geburt. Schließlich starb es völlig entkräftet.

Hamburg. Eigentlich hätte der kleine Mohamed etwa viereinhalb Kilogramm wiegen müssen. Ein Baby mit runden Wangen und wachem, neugierigen Blick. Doch tatsächlich war der Säugling unglaublich mager mit greisenhaftem Gesicht und tief liegenden Augen, ein Kind, das im Alter von zweieinhalb Monaten weniger auf die Waage brachte als bei seiner Geburt. Schließlich starb der Säugling, vollkommen entkräftet und ausgezehrt war er da.

Jetzt sollen die Eltern für den Tod ihres jüngsten Sohnes zur Verantwortung gezogen werden. Im Prozess vor dem Schwurgericht, wo Marina P. und ihr Mann Said Z. angeklagt sind, forderte die Staatsanwaltschaft am Dienstag zwei Jahre und sechs Monate Freiheitsstrafe für die Mutter beziehungsweise zwei Jahre und zehn Monate Haft für den Vater, jeweils wegen Totschlags durch Unterlassen.

Eltern wussten von Mohameds dramatischem Zustand

Den Eltern könne nicht entgangen sein, wie dramatisch schlecht der Zustand ihres Sohnes war, hatte es schon in der Anklage geheißen. Marina P. und Said Z. hätten Mohamed nicht einem Arzt vorgestellt, obwohl es offensichtlich gewesen sei, dass der Junge chronisch mangelernährt war, lautete der Vorwurf der Staatsanwaltschaft gegen die Eltern.

Sachverständige hatten im Prozess ausgesagt, dass es „für jedermann“ erkennbar gewesen sei, wie lebensbedrohlich der Zustand des Säuglings war. Wenn Mohamed rechtzeitig zum Arzt gebracht worden wäre, so die Experten, hätte sein Leben sicher gerettet werden können. Ein auf einer Familienfeier aufgenommenes Foto des Jungen vom 7. November, also sechs Tage vor seinem Tod, hatte dokumentiert, wie mager der Junge da schon war.

Mohamed wog bei seinem Tod 2823 Gramm

Auch wenn die Eltern, die sechs weitere Kinder haben, Mohameds Tod nicht gewollt hätten, hätten sie sich doch zumindest damit abgefunden, dass er sterben könne – und dies nicht verhindert, hieß es bereits in einem Beschluss des Schöffengerichts, das den Fall schließlich an das jetzt zuständige Schwurgericht verwiesen hatte. Dieses „Abfinden“ reiche aus, um den Tatbestand des „Totschlags durch Unterlassen“ zu erfüllen.

Mohamed war am 13. November 2017 verstorben. Die Eltern hatten an jenem Morgen bemerkt, dass ihr Sohn ganz still im Bett lag und nicht mehr atmete, daraufhin hatten sie den Notruf betätigt. Doch da war der Säugling nicht mehr zu retten. Er wog gerade mal 2823 Gramm.

Die Plädoyers in dem Prozess vor dem Schwurgericht wurden unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehalten. Dies war zwingend erforderlich, weil bereits die angeklagten Eltern auf Antrag der Verteidigung unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesagt hatten, um Einzelheiten „aus ihrem höchst persönlichen Lebensbereich“ zu schützen. Auch die Schlussvorträge der Verteidigung sowie das letzte Wort der Eltern werden unter Anschluss der Öffentlichkeit erfolgen. Die Urteilsverkündung wird wieder öffentlich sein.