Hamburg

"Grindel leuchtet": Anwohner erinnern an Opfer des Holocaust

Am Sonnabend wollen die Anwohner des Grindelviertels erneut mit Kerzen auf die ehemaligen jüdischen Bewohner der Häuser erinnern.

Am Sonnabend wollen die Anwohner des Grindelviertels erneut mit Kerzen auf die ehemaligen jüdischen Bewohner der Häuser erinnern.

Foto: picture alliance / Markus Scholz

Am 9. November stellen Hamburger seit mehr als 25 Jahren brennende Kerzen neben die Stolpersteine im Grindelviertel.

Hamburg. Unter dem Motto "Grindel leuchtet" erinnern Anwohner des Hamburger Grindelviertels am Sonnabend an die ermordeten Juden in ihrem Stadtteil. Von 16.30 Uhr an wollen sie Kerzen neben die Stolpersteine stellen, die vor den Häusern auf die ehemaligen jüdischen Bewohner hinweisen. Seit 1995 erinnert der Künstler Gunter Demnig mit seinem Projekt durch kleine Gedenksteine an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und die Opfer des Holocaust. Bis jetzt wurden in Hamburg 5684 Stolpersteine verlegt.

Am 9. November 1938 hatten die Nationalsozialisten Synagogen in ganz Deutschland angezündet. Auch in Hamburg wurden etliche jüdische Einrichtungen zerstört, darunter die Bornplatz-Synagoge am Joseph-Carlebach-Platz in der Nähe der Universität. Das Bethaus war bis 1938 das Wahrzeichen jüdischen Lebens in der Hansestadt. Zahlreiche Politiker und Kirchenvertreter befürworteten in dieser Woche einen Wiederaufbau der zerstörten Synagoge.

Grindelviertel war Zentrum des jüdischen Lebens

Das Grindelviertel hatte sich im 19. Jahrhundert zum Zentrum des jüdischen Lebens in Hamburg entwickelt. Ausdruck hierfür war unter anderem der Bau mehrerer neuer Synagogen. Daneben entstanden Einrichtungen wie die Talmud-Tora-Schule am Grindelhof, die 2004 wiedereröffnet wurde. Zum Zeitpunkt der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 lebten rund 20 000 Angehörige jüdischer Gemeinden in Hamburg. Rund 8000 Hamburger Juden kamen während der Verfolgung durch die Nationalsozialisten ums Leben.