Prozesse

Sachverständiger: Stutthof-Wachmänner konnten Morde sehen

Ein 93 Jahre alter ehemaliger SS-Wachmann des KZ Stutthof bei Danzig wird in den Gerichtssaal geschoben.

Ein 93 Jahre alter ehemaliger SS-Wachmann des KZ Stutthof bei Danzig wird in den Gerichtssaal geschoben.

Foto: dpa

Hamburg. Der Angeklagte im Hamburger Stutthof-Prozess hatte als Wachmann in dem Konzentrationslager bei Danzig offenbar die Möglichkeit, die Morde der SS zu beobachten. Das Krematorium, vor dem ein Galgen stand, war von zumindest zwei Wachtürmen aus gut zu sehen, erklärte der Sachverständige Alf Klinkhammer vom Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen am Freitag vor der Strafkammer am Landgericht. Das ergebe sich aus seinen Untersuchungen vor Ort im heutigen Polen, aus historischen Dokumenten und aus früheren Zeugenaussagen. 1968 habe ein früherer SS-Wachmann ausgesagt, er habe beobachtet, wie SS-Leute zwei Häftlinge vor dem Krematorium erschossen und einen dritten hängten.

In dem Prozess geht es um Beihilfe zum Mord an 5230 Fällen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 93 Jahre alten Angeklagten vor, er habe als Wachmann zwischen dem 9. August 1944 und dem 26. April 1945 "die heimtückische und grausame Tötung insbesondere jüdischer Häftlinge unterstützt". Der Angeklagte habe teilweise bis ins Detail Kenntnis von den Erschießungen gehabt.