Hamburg

Trauer um den Hamburger Mäzen Günter Powalla

Die Hamburger Lieselotte und Günter Powalla (M.) 2007 mit Bürgermeister  Ole von Beust im Michel.

Die Hamburger Lieselotte und Günter Powalla (M.) 2007 mit Bürgermeister Ole von Beust im Michel.

Foto: A3330 Wolfgang Langenstrassen / dpa

Er förderte den Michel mit Millionen Euro: Der Hamburger Unternehmer und Stifter starb kurz vor seinem 100. Geburtstag.

Hamburg. Obwohl er seit Jahrzehnten zahlreiche kirchliche, soziale und kulturelle Projekte in Hamburg mit hohen Beträgen gefördert hat, trat Günter Powalla in der Öffentlichkeit kaum in Erscheinung. Nur wenige Monate vor Vollendung seines 100. Lebensjahres ist der Hamburger Unternehmer und Mäzen am Freitagabend in einem Seniorenheim in Bramfeld gestorben. Das teilte die G. u. L. Powalla Bunny’s Stiftung mit.

Günter Powalla stammte aus Altona, wo er am 27. Dezember 1919 in einfachen Verhältnissen geboren wurde. Nach dem frühen Tod des Vaters zog die Familie nach Hamburg um, wo Powalla den Beruf des Versicherungskaufmanns erlernte. Aufgrund einer Augenerkrankung, die er sich als Kind zugezogen hatte, wurde er von der Wehrmacht ausgemustert. Während des Feuersturms im Juli 1943 lernte er seine spätere Ehefrau Lieselotte Fock kennen. Sie stammte aus einer Familie, die eine kleine Reederei mit mehreren Schuten auf der Elbe betrieb.

Michel-Sanierung finanziert

Lieselotte Fock lebte in einer Wohnung am Schaarmarkt nicht weit von der Hauptkirche St. Michaelis entfernt. Der Michel spielte für ihr Leben eine besondere Rolle, hier wurde sie getauft und später konfirmiert. Am 3. Oktober 1946 heirateten Lieselotte und Günter Powalla im Michel. Die Hauptkirche lag den beiden besonders am Herzen. Ihre Sanierung unterstützten sie mit mehreren Millionen Euro. Allein das Fernwerk, eine im Dachstuhl verborgene Orgel, deren Klänge durch eine Rosette in den Kirchenraum dringen, förderten sie mit mehr als zwei Millionen Euro.

Günter Powalla erwarb nach dem Krieg Trümmergrundstücke in Hamburg, ließ die Ruinen abreißen und baute Wohnhäuser. 1993 erwarben die Powallas, die auch privat gern Kreuzfahrten unternahmen, die kurz zuvor in Finnland gebaute „Hanseatic“, die sie an Hapag-Lloyd Cruises vercharterten. Zu diesem Schiff behielten Lieselotte (sie starb 2009) und Günter Powalla zeitlebens ein besonderes Verhältnis, die Eignerkabine 101 blieb stets für sie reserviert. Später kamen noch zwei weitere Schiffe dazu.

Freude am Stiften

Die Liste der Projekte, die die Powallas oft mit hohen Millionenbeträgen finanzierten, ist lang, sie umfasst die Sanierung von St. Katharinen, zahlreiche Orgelrestaurierungen sowie Sozialprojekte. Was Günter Powalla in seinen späten Jahren dazu angeregt hat, so viel Geld zu stiften, ist wohl vor allem die Freude, die er dabei empfunden hat. Vielleicht war dieser fast 100-jährige Hamburger der letzte jener bekannten oder auch unbekannten Unternehmer, die durch ihr Wirken ganz erheblich zum Wirtschaftswunder und auch noch Jahrzehnte später zum anhaltenden Erfolg der Bundesrepublik beigetragen haben.