Stadtplanung

Hamburgs neuer Stadteingang an den Elbbrücken

Diesen Entwurf stellten Gerkan Marg und Partner zusammen mit WES Landschaftsarchitektur vor.

Diesen Entwurf stellten Gerkan Marg und Partner zusammen mit WES Landschaftsarchitektur vor.

Foto: Gmp international mit WES GmbH Landschaftsarchitektur (Hamburg)

Drei Planungsteams präsentierten am Mittwoch ihre Ideen für den Raum zwischen nördlicher Veddel und Hammerbrook.

Hamburg.  Wer heute an der Billhorner Brückenstraße entlangschlendert, benötigt viel Fantasie: Überall sieht man die Mahnmale einer doppelten Zerstörung. Was der Bombenkrieg von Rothenburgsort übrig ließ, haben die Planer in der Nachkriegszeit erledigt – Straßenkreuzungen größer als Fußballfelder, Brachen, Zersiedelung. Eine Magistrale, über die tagtäglich 130.000 Fahrzeuge brausen. Über allem ragt das Holiday Inn, dessen Name an dieser Stelle fast ironisch wirkt, 75 Meter in die Höhe. Sieht so ein würdiger Stadteingang aus?

Wohl kaum. Genau hier aber soll ein neues Hamburg Gestalt annehmen. „Die Elbbrücken und die Billhorner Brückenstraße bilden den südlichen Eingang zur Hamburger Innenstadt“, sagt Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt. „Mit neuen Nutzungen und Freiräumen am Wasser wollen wir dem Raum einen neues Gesicht geben.“ Zu diesem Zweck hat die Hansestadt ein so genanntes „städtebauliches Testplanungsverfahren“ auf den Weg gebracht – eine Art Ideenwerkstatt für den Stadteingang. Gestern präsentierten die Senatorin, Oberbaudirektor Franz-Josef Höing und Jürgen Bruns-Berentelg, der Vorsitzende der Billebogen Entwicklungsgesellschaft, gemeinsam die Ergebnisse von drei renommierten Teams.

Großes Entwicklungspotenzial

Was jetzt noch unwirtlich scheint, ist in Wahrheit ein Gelenkstück in einer wachsenden Stadt – von Westen wächst die HafenCity mit dem Elbtower heran, von Osten entwickelt sich der Billebogen, im Süden sollen die Veddel ans Wasser rücken und der Grasbrook den Sprung über die Elbe ermöglichen. „Hier schlummert ein unglaubliches Entwicklungspotenzial für Gewerbe, aber auch für das Wohnen“, sagt Stapelfeldt. Allerdings eines, das nicht ganz einfach zu entwickeln ist. Schon vor einigen Jahren hatten sich Planer den Kopf zerbrochen – vergeblich. „Das ist eine extrem anspruchsvolle Aufgabe“, sagte Bruns-Berentelg. Und Oberbaudirektor Höing, ein Mann der klaren Worte, spricht von einem „Torso aus Versatzstücken aus 100 Jahren“ und einer Aufgabe von „Don-Quichoteschem Ausmaße“.

Einige Vorgaben zur Entwicklung des Stadteingangs hatte die Stadt den Büros für das 43 Hektar große Gebiet gemacht. So soll das völlig überdimensionierte Autobahnkleeblatt der Brückenstraße zurückgebaut und durch zwei Rampen ersetzt werden. Allein dadurch würden drei Hektar freigeräumt; zur lärmabgewandten Seite nach Osten könnten laut Höing „spannende neue Wohnformen in Rothenburgsort entstehen“. Zudem soll am Billhafen der so genannte Elbdome entstehen – eine Multifunktionshalle für 6000 bis 9000 Zuschauer. Zudem war ein schlüssiges Bild für den Landschaftsraum und eine Neukonzeption des Veddeler Marktplatzes Teil der Aufgabenstellung.

Superblock auf der Insel

Von den drei Planungsteams haben Gerkan Marg und Partner zusammen mit WES Landschaftsarchitektur als Lokalmatadoren den Raum mit seiner Geschichte am besten durchdrungen – und in das grüne Netz der Stadt integriert. Auf der Insel schlägt das Hamburger Team einen Superblock vor, der auf die traditionelle Bauweise von Fritz Schumacher zurückgeht, und einen weiteren Grünraum am Wasser, den Veddeler Balkon. Damit würde der Stadtteil, von dem Höing sagt, „er liegt 100 Meter vom Wasser entfernt, aber sieht die Elbe nicht“, endlich an den Fluss rücken. Der Elbdome hingegen fände seine Heimat rund 650 Meter von der Station Elbbrücken in zweiter Reihe am Billhafen.

Das Planungsteam von Cobe aus Kopenhagen kommt zu ganz anderen Vorschlägen: Die Dänen würden die Mehrzweckhalle direkt an den Elbtower rücken und zwei Grünräume neu schaffen – dafür aber auch Wasserflächen verfüllen. Ein Stakkato von Hochhäusern soll einen großstädtischen Maßstab schaffen. Wenngleich der Oberbaudirektor keine Präferenzen äußern wollte – ein „Gewitter von Hochhäusern“ ist nicht nach seinem Geschmack. Als drittes Büro schlagen E2A mit Hager Partner aus Zürich einen Brückenpark zwischen den Stadtteilen vor, in dem der Elbdome als Solitär herausragt. Rothenburgsort aber bleibt dabei etwas auf der Seite liegen.

Diskussion über Entwürfe

Alle drei Entwürfe sollen nun in bezirklichen und parlamentarischen Gremien diskutiert und der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Am 16. November ist eine Stadtwerkstatt mit Ausstellung und Online-Beteiligung geplant. Bis Mitte 2020 soll darauf aufbauend ein Leitkonzept entwickelt werden, das Hamburgs Stadteingang von der Veddel bis Hammerbrook neu gestalten wird. Dabei können durchaus Teile der drei verschiedenen Entwürfe kombiniert werden.

Der Oberbaudirektor zeigte sich mit den Ideen sehr zufrieden. „Dem Raum fehlte bislang ein Drehbuch“, sagte Höing. „Es gibt aber keine kluge Lösung, wenn man von einer Briefmarke zur anderen plant.“ Die zu entwickelnden Orte seien „keine Ladenhüterflächen, sondern spektakuläre Orte“. Orte, die einmal ein würdiger Stadteingang an den Elbbrücken werden könnten.