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Gästerekord bei Reeperbahn-Festival

Besucher des Reeperbahn-Festival verlassen am späten Abend das Festival-Village vor dem Millerntorstadion.

Besucher des Reeperbahn-Festival verlassen am späten Abend das Festival-Village vor dem Millerntorstadion.

Foto: dpa

Das Reeperbahn-Festival bietet auch in seinem 14. Jahr vor allem: Musik, Musik, Musik. Für Gesprächsstoff sorgen der Auftritt eines umstrittenen Künstlers - und das Spontankonzert einer Hamburger Band.

Hamburg. Beim Reeperbahn-Festival hat sich das grellbunte Amüsierviertel wieder zur lautstarken Musikmeile verwandelt - mit Überraschungskonzerten, Gigs an verrückten Orten und jeder Menge Geheimtipps. Am Ende zählten die Veranstalter des viertägigen Musikspektakels und Branchentreffs nach eigenen Angaben mehr als 50 000 Gäste, darunter rund 5900 Fachbesucher, so viele wie nie zuvor. "Einmal mehr wurde der Stadtteil St. Pauli zum Schmelztiegel der spannendsten neuen internationalen Talente", bilanzierten die Veranstalter nach den letzten Konzerten in der Nacht zu Sonntag.

Am letzten Festivaltag gewann die ukrainische Rapperin alyona alyona den "Anchor"-Award als beste Newcomerin. Die kraftvollen Songs hätten ihn förmlich umgehauen, sagte Jury-Mitglied Bob Rock. Die Jury war mit den Musikerinnen Kate Nash und Peaches, dem Beatsteaks-Sänger Arnim Teutoburg-Weiß, der australischen Moderatorin Zan Rowe und den beiden Musikproduzenten Rock und Tony Visconti hochkarätig besetzt. Dass sie es auch selbst können, zeigten einige Mitglieder der Jury, die bei der Award-Show gemeinsam mit dem Kaiser Quartett den David-Bowie-Song "Moonage Daydream" zum Besten gaben.

Eines der Highlights der 14. Auflage des Festivals war am Freitagabend der überraschende Auftritt von Deichkind. Die Hamburger Band begeisterte mit einem Spontankonzert vor dem Millerntorstadion ihre Fans. Die Musiker hatten Songs ihres neuen Albums "Wer sagt denn das?" im Gepäck, brachten die Menge aber auch mit Hits wie "Arbeit nervt" oder "Remmidemmi" zum Mittanzen.

Ebenfalls für Gesprächsstoff sorgte der Auftritt von Bausa. Der Deutsch-Rapper war für die Band Foals eingesprungen, die wegen einer Handverletzung ihres Sängers nicht auftreten konnte. Bausas Auftritt gefiel nicht jedem. Der Verein Hamburg Pride kritisierte Bausas Texte als homophob und frauenverachtend.

Das Team des Reeperbahn-Festivals bezeichnete es ebenfalls als "Fehler", dass Bausa ins Programm genommen worden war. Bausa sei "ohne Rücksprache mit uns oder dem Team des Docks als Spielstätte nachträglich in das Line-up der Warner Music Night" genommen worden. In einer von den Veranstaltern verbreiteten Stellungnahme hieß es dazu von Warner Music: "Bei Warner Music hat jegliche Form der Diskriminierung keine Chance."

Das Reeperbahnfestival findet seit 2006 statt. Es bot auch in diesem Jahr ein buntes Programm aus Pop-, Rock-, Indie-, Folk- und Elektromusik mit rund 600 Konzerten, Kunst- und Literaturvorführungen und Fachkonferenzen. Das Festival dient zugleich als Austauschplattform der Musikwirtschaft.