Klima

70 000 setzen in Hamburg Zeichen für besseren Klimaschutz

Ein Junge sitzt bei einer Demonstration auf den Schultern seines Vaters.

Ein Junge sitzt bei einer Demonstration auf den Schultern seines Vaters.

Foto: dpa

Seit Monaten gehen die Anhänger von Fridays for Future für den Klimaschutz auf die Straße statt zur Schule. So viel Zulauf wie zum dritten globalen Klimastreik hatten sie noch nie.

Hamburg. Mindestens 70 000 Menschen - und damit mehr als doppelt so viele wie erwartet - haben in Hamburg ein eindrucksvolles Zeichen für den Klimaschutz gesetzt. Sie folgten am Freitag einem Aufruf der Bewegung Fridays for Future zum globalen Klimastreik. An dem kilometerlangen Protestzug hinter dem Banner "#allefürsKlima" durch die Innenstadt beteiligten sich neben Schülern und Studenten auch ältere Demonstranten. In Reden, auf Stickern und Plakaten mit Sprüchen wie "Opa, was ist ein Schneemann?" forderten sie die Politik zum Handeln auf, um die Erderwärmung zu begrenzen.

Fridays for Future sprach sogar von deutlich mehr Teilnehmern als die Polizei. "Wir sind heute in Hamburg 100 000 Menschen auf der Straße. Unser Klimazug ging einmal um die Binnenalster, unser Klimazug war vier Kilometer lang", sagte ein Aktivist auf der Kundgebungsbühne.

Die Polizei bezeichnete den Verlauf der Demo als "absolut friedlich". Anschließend kam es jedoch zu mehreren Straßenblockaden auf dem Stephansplatz und auf der Lombards- sowie der Kennedybrücke, an denen sich laut Polizei bis zu 200 Menschen beteiligten. Polizisten trugen die Blockierer weg, dabei kam es auch zu Gerangel zwischen Demonstranten und Einsatzkräften. Fest- oder Gewahrsamnahmen gab es keine. Auch der Bahnverkehr am Dammtorbahnhof musste eine halbe Stunde wegen zweier Personen auf den Gleisen unterbrochen werden, wie ein Sprecher der Bundespolizei sagte.

Linksextreme Gruppen wie die Interventionistische Linke (IL) hatten schon im Vorfeld des Klimastreiks entsprechende Aktionen angekündigt. Vertreter der laut Verfassungsschutz von der IL beeinflussten Gruppe "Ende Gelände" forderten auch von der Kundgebungsbühne aus zu zivilem Ungehorsam und Blockaden auf. Der Klimawandel sei systembedingt. Deshalb forderten sie "system change - not climate change".

Unterstützt wurde der Klimastreik von Gewerkschaften, Kirchen, Umweltverbänden, Menschenrechts- und Friedensorganisationen. Auch viele Berufstätige reihten sich in den Demonstrationszug ein. "Die Politik wird immer mehr aufwachen und wird sehen, wie wichtig das Thema Klima ist", sagte ein 57-Jähriger Airbus-Angestellter, der sich für den Klimastreik extra einen Tag frei genommen hatte.

Die Schulstreiks und Aktionen hätten dazu geführt, dass Klimaschutz mittlerweile in aller Munde sei, sagte eine Fridays-for-Future-Aktivistin. "Und trotzdem warten wir darauf, dass auf das ganze Gelaber auch mal Handeln folgt." Die heutige Jugend sei die erste Generation, die die Folgen des Klimawandels voll erleben müsse.

Eine Rednerin bezeichnete das am Freitag von der Bundesregierung vorgelegt Klimaschutzpaket als "Mini-Paketchen" und "ein Verbrechen", weil es nicht geeignet sei, die Pariser Klimaschutzziele zu erreichen und das 1,5 Grad-Ziel bei der Erderwärmung einzuhalten. "Glaubt ihr wirklich, wir durchblicken Eure Symbolpolitik nicht? (...) Liebe Frau Merkel, lieber Herr Scholz, Ihr werdet uns nicht mehr los." Wenn es keine effektiven Maßnahmen gebe, "dann macht den Weg frei für eine Regierung, die Klimaschutz kann."

Auf der Kundgebungsbühne sprach auch der Klimaforscher Latif Mojib. "Macht weiter so, hört nicht auf", rief er den Demonstranten zu. Musikalisch sorgten Henning May, Sänger der Gruppe AnnenMayKantereit, sowie Bosse und Mia für Stimmung. Die Kritik der Jugendlichen richte sich auch gegen die Lehrer, Eltern und Großelter, sagte Mia-Sängerin Maria Mummert. "Die werden Euch eines Tages sehr, sehr dankbar sein für diesen Arschtritt."

Polizeisprecher Timo Zill sprach den Anhängern von Fridays for Future ein "großes Lob" für die Organisation der Demonstration aus. "Auch ein großes Dankeschön an die Hamburger Bevölkerung und an die Verkehrsteilnehmer, die unsere Ratschläge aufgenommen haben." Der Verkehr rund um die Innenstadt sei deutlich geringer gewesen, so dass größere Probleme ausgeblieben seien, sagte Zill.