Feste

Dithmarschen wieder im Kohlrausch: Ernte beginnt

Die Kohl-Regentinnen Hepke (l) und Bente stehen bei der offiziellen Eröffnung der Dithmarscher Kohltage in einem Kohl-Feld.

Die Kohl-Regentinnen Hepke (l) und Bente stehen bei der offiziellen Eröffnung der Dithmarscher Kohltage in einem Kohl-Feld.

Foto: dpa

Anschnitt in Dithmarschen: 80 Millionen Kohlköpfe warten auf die Ernte. Zum Auftakt der traditionellen Kohltage kam Landtagspräsident Schlie, doch die Regentschaft haben Hepke I. und Bente Christin I..

Karolinenkoog. Dithmarschen feiert wieder sechs Tage seinen Kohl: In Anwesenheit von Landtagspräsident Klaus Schlie als Ehrengast erfolgte am Dienstag in Karolinenkoog der traditionelle Kohlanschnitt. Für optischen Glanz sorgten dabei die Kohlregentinnen Hepke I. und Bente Christin I.. Jagdhornbläser stießen vor hunderten Besuchern zur Eröffnung kräftig ins Horn. Bis Sonntag einschließlich feiert ganz Dithmarschen das gesunde Gemüse mit Kunst, Kultur, Spiel, Spaß und Unterhaltung. Die Kohlregentinnen sind als Botschafterinnen für die Kohltage in ganz Deutschland unterwegs.

Das bunte Herbstfest gilt als offizieller Erntestart. Die 380 Kohlbauern haben auf einer Fläche so groß wie rund 4000 Fußballfelder rund 80 Millionen Kohlköpfe angebaut. Das entspricht nach Angaben des Arbeitskreises Kohltage rund 350 000 Tonnen Kohl. 2014 wurde der Dithmarscher Kohl ins europäische Qualitätsregister eingetragen und genießt seither EU-Herkunftsschutz.

Der Kohlanbau in Dithmarschen blickt auf eine 130-jährige Tradition zurück, weiß Bernhard von Oberg von der Wesselburener Krautwerkstatt. Damals waren die Preise für Korn, Zuckerrüben und Vieh so niedrig, dass Dithmarschens Bauern eine Alternative suchten. Der Gärtner Eduard Lass experimentierte aus diesem Grund mit dem Anbau verschiedener Gemüsesorten. Die besten Geschäfte waren mit Kohl zu machen. So pflanzte er 1889 mit Samen aus holländischer Zucht auf 50 Hektar Kohl an. "Größe und Qualität des Dithmarscher Kohls weckten das Interesse der Sauerkrautindustrie", sagt von Oberg. Andere Landwirte folgten seinem Beispiel. 1894 wurden bereits 863 Tonnen Kohl mit Güterzügen von Dithmarschen in Richtung Hamburg abtransportiert.

Kohlanbau war damals harte körperliche Arbeit. Für jeden einzelnen Kohlkopf gruben die Kohlbauern mit dem Spaten ein Loch, steckten einen Kohlsetzling hinein, der dann mit den Füßen fest getreten wurde. Heute hilft eine Maschine beim Pflanzen und Festdrücken der Kohlsetzlinge. Doch das Hacken und die Ernte sind bis heute Handarbeit, denn die Kohlköpfe sollen unversehrt bleiben. Viele Erntehelfer kommen aus Polen oder Rumänien.

Bis zu 180 Tage dauert es, bevor der Weißkohl erntereif ist. Durch dieses relativ langsame Wachstum bildet er sehr kompakte Köpfe, die gut gelagert werden können. Das ist wichtig, weil rund 80 Prozent des jetzt geernteten Kohls eingelagert wird, und bis zur nächsten Ernte europaweit vermarktet zu werden. Dithmarschens Kühllager fassen den Angaben zufolge rund 130 000 Tonnen Kohl. Dort bleibt der Kohl bei hoher Luftfeuchtigkeit und Temperaturen um den Gefrierpunkt acht bis neun Monate frisch. Großhändler zahlen den Landwirten zwischen 20 und 30 Cent pro Kilogramm Kohl.