Breitensport

Sportspaß streicht fast die Hälfte der Hallenkurse

Workout-Kurs des Vereins Sportspaß
in Altona.

Workout-Kurs des Vereins Sportspaß in Altona.

Foto: Michael Rauhe

Verein mit den meisten Aktiven in Hamburg kürzt sein Programm zum Oktober drastisch. Kritiker befürchtet gefährliche "Abwärtsspirale".

Hamburg. Sportspaß schränkt sein Kursangebot in den von ihm mitgenutzten Schulsporthallen drastisch ein. Der Sportverein mit den meisten aktiven Mitgliedern (61.000) in Hamburg will rund 42 Prozent der Kurse streichen. Betroffen sind nach Angaben von Geschäftsführerin Bianca Wazlawski 98 der 234 Hallenkurse. Sie sollen ab dem 1. Oktober aus dem Portfolio fallen.

Zu den sechs betroffenen Formaten gehören Sportarten wie Aikido und Rhönrad. Bezogen auf die Gesamtzahl von 1517 Sportkursen, die der Verein pro Woche in seinen Hallen und seinen sieben Centern anbietet, werden aber nur rund 6,5 Prozent der Kurse aufgegeben. Wazlawski: „Betroffen sind die Kurse, die von den Mitgliedern nicht mehr gut angenommen werden oder in Hallen stattfinden, die für die Mitglieder schlecht erreichbar sind, unseren Qualitätsanforderungen nicht mehr genügen oder während der Ferien geschlossen bleiben.“ Von der „Minimierung“ ausgenommen seien jedoch die Sportspaß-Center. Man erwäge sogar, einige der nun von der Aufgabe bedrohten Kurse in die Center zu implementieren.

Imagegründe und Sparzwänge

Verantwortlich für die Rosskur in den Hallen sind neben Imagegründen offenbar auch Sparzwänge. Die Konkurrenz durch junge Fitnessketten setzt den etablierten Verein seit mehr als fünf Jahren massiv unter Druck. Die Folge: unterm Strich zwar nicht mehr Kündigungen bei Sportspaß, dafür aber weniger Neu-Eintritte – die Zahl der Mitglieder schrumpft. „Als Reaktion auf diese Entwicklung werden wir unsere Angebote komprimieren und Kosten reduzieren“, so Wazlawski. Die dadurch frei werdenden Mittel sollen ab 2020 in die „Qualität unserer Center sowie eine Optimierung unserer Sportangebote“ investiert werden. Aktuell kämpft der Verein mit einer Volkspetition zudem um Mittel aus dem Hamburger Sportfördervertrag.

Offenbar denkt Sportspaß auch über eine Anpassung des bisherigen Konzeptes der „Versorgung vor Ort“ nach. Aktuell verfügt der Verein über Kapazitäten in 50 Hamburger Schulsporthallen. Um das Image zu verbessern, wolle man sich von „Hallen trennen, die in der Außenwirkung als weniger attraktiv betrachtet werden“, auch wenn dies eine „Verkleinerung unseres derzeitigen Gebiets bedeutet“, sagt Wazlawski. Weil inzwischen in jedem Bezirk genügend Mitbewerber attraktive Angebote vorhielten, gehöre die Präsenz des Vereins „überall in Hamburg“ längst nicht mehr zu den herausragenden Stärken von Sportspaß.

Sorgen vor einer Abwärtsspirale

Nach Abendblatt-Informationen haben die Trainer der betroffenen Kurse den Mitgliedern mündlich mitgeteilt, dass ihre Kurse im Oktober eingestampft werden. Ein Aktiver, der anonym bleiben möchte, kritisiert: „Viele Sportbegeisterte werden sicher nicht quer durch die Stadt bis zum nächsten Sportspaß-Center fahren wollen, das völlig überfüllt sein dürfte. Das wiederum wird auch finanziell spürbare Folgen haben und eine Abwärtsspirale in Gang setzen, die sich nicht leicht aufhalten lassen wird.“

Man hoffe, dass die Mitglieder einen passenden Kurs in den Centern für sich neu entdecken oder auf die weiterhin bestehenden Hallenkurse zurückgreifen, sagt indes Wazlawski. Zudem plane Sportspaß neue Angebote – unter anderem im Bereich des Gesundheitssports.

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