Zugverkehr

Hamburg-Sylt: Landtag fordert deutliche Verbesserungen

Eine Infotafel zeigt am Bahnhof Altona Züge mit dem Fahrziel Westerland (Sylt) an.

Eine Infotafel zeigt am Bahnhof Altona Züge mit dem Fahrziel Westerland (Sylt) an.

Foto: dpa

Wegen häufiger Ausfälle und Verspätungen hat die Marschbahn von Hamburg nach Sylt einen schlechten Ruf. Kiel dringt auf Verbesserung.

Kiel. Die Regierungskoalition in Kiel verlangt erhebliche Verbesserungen im Bahnverkehr von Hamburg nach Sylt. Außerdem forderten die Fraktionen von CDU, Grünen und FDP am Donnerstag im Landtag, den als "Geisterzug" mit extrem wenigen Reisenden geltenden Sylt Shuttle Plus der Deutschen Bahn abzuschaffen. Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) schloss sich der Kritik an. Der Zug verursache durch erforderliche Rangierarbeiten für zusätzliche Verstopfungen, sagte er.

Den Sylt Shuttle Plus können - ohne Autos mitzunehmen - Reisende zwischen Westerland und Bredstedt/Husum beziehungsweise Hamburg nutzen. Bei einer Kapazität von 150 Plätzen säßen oft nur zwei Reisende im Zug, hieß es in der Debatte. Mehrere Sprecher samt Minister kritisierten, die Bahn wolle mit dem Zusatzangebot trickreich einen Konkurrenten von der Strecke fernhalten.

Grüne, CDU und FDP wollen "Sylt Shuttle Minus" abschaffen

Von einem Sylt Shuttle Minus sprach der Grünen-Politiker Andreas Tietze. "Er verbrennt täglich Geld und Diesel, für nichts und wieder nichts." Das sei eine peinliche Nummer für die Bahn. Der Nahverkehr werde behindert. Es sei rechtlich zu prüfen, wie der Sylt Shuttle Plus beendet werden könne. Das befürwortete auch Buchholz. Akzeptanz für einen solchen Zug könne es nicht geben, sagte Lukas Kilian von der CDU.

Skeptisch äußerte sich Minister Buchholz über das Ziel der Koalitionsfraktionen, den Autozug nach Sylt in den Nahverkehr zu integrieren. Ein solcher Schritt hieße, dass die Strecke von der DB an das Land überginge. Er warne davor zu glauben, "dass wir da wahnsinnig erfolgreich sein werden".

Weil die DB mit der Sylt-Strecke mit dem Autozug viel Geld verdiene, habe sie kein Interesse daran, sie an das Land abzugeben, sagte der SPD-Verkehrspolitiker Kai Vogel. Buchholz schloss sich dieser Einschätzung an. An die Sylter appellierte er, über eine Verlegung der Autoverladung auf der Insel nachzudenken.

Infrastruktur der Marschbahn marode, Personalsituation angespannt

Die Marschbahn, mit der täglich tausende Pendlern fahren, sorgt seit zwei Jahren immer wieder für Probleme. Defekte Waggons, Bauarbeiten und fehlendes Personal verursachen immer wieder Verspätungen und Zugausfälle. Buchholz hatte wiederholt Strafzahlungen wegen zu vieler Verspätungen gegen die Deutsche Bahn verhängt.

Die Situation der Marschbahn sei eine Zumutung, sagte er. Die Infrastruktur sei marode, Baustellen zur Sanierung führten jetzt zu zusätzlichen Problemen. Zudem könnten nicht immer alle Waggons eingesetzt werden und es fehlten Lokführer.

Sanierungsarbeiten zwischen Hamburg und Sylt bis 2022

Bis 2022 sollen zwischen Hamburg und Sylt rund 200 Kilometer Gleise und mehr als 30 Weichen erneuert werden. Außerdem ist geplant, Bahnübergänge und die Signaltechnik sowie Brücken zu modernisieren, Gesamtkosten: rund 160 Millionen Euro.

Nach Angaben des Verkehrsministeriums hatte sich die Pünktlichkeit in der vergangenen Woche wieder verschlechtert. Im gesamten Netz West betrug die Quote demnach 82,5 Prozent, nach 86,5 Prozent in der Vorwoche. Zwischen Niebüll und Westerland sank der Wert sogar von 79,5 auf 69,7 Prozent.