Verkehr

Nur wenige Brücken im Norden in guter Verfassung

Autos fahren in Höhe von Rade auf dem nördlichen Teil der Rader Hochbrücke über am Nord-Ostsee-Kanal.

Autos fahren in Höhe von Rade auf dem nördlichen Teil der Rader Hochbrücke über am Nord-Ostsee-Kanal.

Foto: dpa

Die Schulnote 3 bekommen die meisten Brücken im Norden. Die Sanierungsmittel wurden aufgestockt, doch es bleibt viel zu tun. Eine Brücke steht symbolisch für den schlechten Zustand wichtiger Bauwerke.

Kiel. Trotz diverser Sanierungsarbeiten und aufgestockter Finanzmittel sind die meisten Brücken in Schleswig-Holstein weiterhin in keinem guten Zustand. Gut die Hälfte der Brücken an Autobahnen und Bundesstraßen fällt in die Kategorie befriedigend. Bei 30 Prozent gilt der Zustand als ausreichend. Dies geht aus Angaben des Landesbetriebs für Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein hervor. Demnach gilt die Verfassung von 48 Brücken an Autobahnen und Bundesstraßen als nicht ausreichend. Bei einer Brücke heißt es ungenügend.

Hiermit steht Schleswig Holstein bei "nicht ausreichend" und "ungenügend" immerhin besser da als der Bundesdurchschnitt. Das "Ungenügend" betrifft eine Brücke an der B503 in Kiel. Hier ist die Instandsetzung für nächstes Jahr vorgesehen. Die Kreis- und Landesstraßen sind im Durchschnitt etwas besser in Schuss als die Straßen des Bundes.

Wenn ein Zustand als nicht ausreichend bewertet wird, heißt dies laut Landesbetrieb-Direktor Torsten Conradt nicht zwangsläufig, dass die Nutzung einer Brücke eingeschränkt werden muss. Diese Einstufung bedeute vielmehr, dass in näherer Zukunft eine Instandsetzung zu planen ist.

Nach den Worten von Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) verfolgen Bund und Land weiterhin die Strategie, die vorhandene Bauwerkssubstanz langfristig zu sichern. Dafür seien auch die Mittel aufgestockt worden. Insgesamt 37 Millionen Euro wurden im vergangenen Jahr für die Erhaltung der Brücken im Land ausgegeben. Für das laufende Jahr sind etwa 29 Millionen vorgesehen. Die höhere Summe im vorigen Jahr erklärt sich mit besonders aufwendigen und umfangreichen Arbeiten an der A1 zwischen Bad Schwartau und Sereetz. Für 2020 können laut Buchholz noch keine Angaben gemacht werden, weil die neue Autobahn-Gesellschaft des Bundes ab 1. Januar erstmals eigenständig Maßnahmen auf Autobahnen umsetzen werde.

Die Straßenbauverwaltung des Landes kümmert sich insgesamt um 1551 Brücken an Autobahnen und Bundesstraßen, um 658 Brücken an Landesstraßen und 302 an Kreisstraßen. Das "berühmteste" Bauwerk - neben der Fehmarnsundbrücke ist seit einigen Jahren die für den Nord-Süd-Verkehr sehr wichtige Rader Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal bei Rendsburg. Sie musste 2013 wochenlang teilweise gesperrt werden, weil Betonpfeiler verschlissen und aufwendig zu reparieren waren. Die Brücke hat Experten zufolge nur noch eine Lebensdauer bis 2026. Dann muss der geplante Ersatzbau stehen, der dann zum Teil fertig sein soll.

Weitere Ersatzneubauten sind unter anderem vorgesehen für die Brücke im Zuge der B404 über die A1 im Autobahnkreuz Bargteheide und für die Eiderbrücke im Verlauf der B77 in Rendsburg.

Nach dem Einsturz einer Autobahnbrücke im italienischen Genua vor einem Jahr hatten die Behörden für Schleswig-Holstein Entwarnung gegeben. Damals wurde an den Landesstraßen nur bei einer Brücke der Zustand als ungenügend eingestuft. Das betraf die Eiderbrücke Pahlen, eine Klappbrücke. Sie wurde mittlerweile instandgesetzt.