Prozesse

Jugendleiter vor Gericht: Zeugen berichten von Missbrauch

Der Prozess wird fortgesetzt.

Der Prozess wird fortgesetzt.

Foto: dpa

Ein Ex-Leiter einer Jugendeinrichtung in Cuxhaven soll Kinder missbraucht haben. Vor Gericht weist er die Vorwürfe zurück. Erste Zeugen berichten über Missbrauchsvorwürfe durch eine heute zwölfjährige Stieftochter.

Kiel. Der Prozess um schweren Kindesmissbrauch und Vergewaltigung gegen den ehemaligen Leiter einer Jugendeinrichtung in Cuxhaven ist am Montag mit der Anklageverlesung und der Vernehmung zweier Zeugen fortgesetzt worden. Am Montag berichteten ein Sozialarbeiter und eine Lehrerin, dass der 46-Jährige von der Tochter seiner Lebensgefährtin des jahrelangen schweren Kindesmissbrauchs beschuldigt worden sei. Das heute zwölfjährige Mädchen habe weinend und verängstigt gewirkt, als es ihnen von jahrelangen sexuellen Übergriffen des Stiefvaters berichtet habe, schilderte die Klassenlehrerin am zweiten Verhandlungstag.

Den Schilderungen zufolge berichtete das Mädchen, der Angeklagte habe sich fünf bis sechs Jahre lang etwa einmal im Monat an ihr vergangen. "Sie hat um Hilfe gebeten, hatte aber auch ein Stück Angst", erinnert sich die Pädagogin. Das Kind habe sich zunächst einer Mitschülerin offenbart, die sich an sie gewandt habe, sagte die Lehrerin. Dadurch kam der Fall ins Rollen. Das Mädchen lebe seither wieder bei ihrem leiblichen Vater.

Die Staatsanwältin legt dem 46-Jährigen aus dem Kreis Segeberg 17 Fälle im Tatzeitraum von 2013 bis 2018 zur Last. 13 davon wertet sie als schwer, zwei auch als Vergewaltigung. Betroffen sind demnach auch der Bruder des Mädchens (10) und ein Junge (14) aus der Jugendeinrichtung in Cuxhaven. Der Angeklagte selbst bezeichnet sich als unschuldig. Er sitzt seit Februar in Untersuchungshaft.

Seine Verteidiger schürten auch am zweiten Verhandlungstag Zweifel an der Anklage und rügten in scharfem Ton die Staatsanwältin, die sie auch persönlich attackierten. Akten seien demnach unvollständig oder würden vorenthalten, die Anklägerin würde zudem einseitig ermitteln. Die Anwälte warnten vor einem möglichen Fehlurteil und verwiesen darauf, dass die Staatsanwaltschaft Stade nach zwei ähnlichen Strafanzeigen ihre Ermittlungen eingestellt habe - mangels ausreichendem Tatverdacht, wie die Verteidigung betonte. Der Angeklagte war im Zusammenhang mit den Strafanzeigen im Februar 2018 suspendiert worden.

Für den Prozess sind etliche Zeugen geladen und 13 Verhandlungstage vorgesehen. Auch zwei Psychologinnen sind als Sachverständige hinzugezogen. Das Urteil könnte Ende Oktober fallen. Für die Vernehmung der betroffenen Kinder ist die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Sie müssen auch vor Gericht aussagen, weil der Angeklagte die Taten bestreitet.

Zu Beginn des zweiten Verhandlungstages hatte die Jugendkammer den ersten Antrag der Verteidigung auf Aussetzung des Verfahrens zurückgewiesen.